von Porto nach Muxia – Auf nach Spanien – Valença – O Porriño

Herberge in Valença

Herberge in Valença

Wie befürchtet, war die Nacht wieder eine einzige Rutschpartie auf diesen Matratzen. Und um 6 Uhr war die Nacht dann endgültig für mich vorbei. Neben mir schliefen zwei junge Portugiesinnen, die sich irgendwie nicht ordnen konnten. Ewig kramen sie nun schon seit einer Stunde in ihren Klamotten rum und je mehr sie sich mühen, keine Geräusche dabei zu machen, umso mehr geht das schief. Auf die Idee, das ganze Zeug einfach mit hinaus auf den Gang zu nehmen und dort zu packen, kommen sie leider nicht. Und ich habe keine Lust, so früh am Morgen eine Diskussion anzufangen.  Ich drehe mich also auf die andere Seite. Dort liegt Andrea, die von alle dem nichts mitzubekommen scheint. Später jedoch fragt sie mich, was denn das für zwei waren, die da heute Morgen nicht aus der Falte kamen. Das ist halt die Kehrseite, wenn man in einer Herberge übernachtet. Man muss viel Toleranz üben können.

Hier der GPS Track der heutigen Etappe: Klick 
QR Code zum Track auf GPSies

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bereit

bereit

Falls jemand vorhat, hier in dieser Herberge mal zu übernachten, so rate ich dazu, ein Bett zu wählen (soweit noch möglich), welches nicht in der Nähe der Tür zum Waschraum steht. Selbst ich, auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes liegend, habe jedes Mal die Tür gehört, wenn jemand in der Nacht auf Toilette musste. Ansonsten gibt es aber über die Herberge nichts Negatives zu berichten. Wir bringen nun unsere 7 Sachen auf den Gang und packen alles zusammen. Draußen vor der Herberge ordne ich dann alles nochmal. Nun wird es aber Zeit und ich gängele Andrea etwas.
Am Morgen ist man in der Stadt dabei wieder alles blitzblank aussehen zu lassen. Fußwege und Fenster werden gleich mal mit dem Gartenschlauch abgespritzt. Ansonsten herrscht hier noch die Ruhe vor dem Sturm. Es ist Samstag und da wird es hier sicher heiß her gehen. Am Rathaus macht gerade ein Kaffee auf und wir frühstücken ausgiebig. Danach gehen wir durch das nördliche Tor der Zitadelle, die Porta da Gaviarra und durch einen finsteren Tunnel zur Brücke. Hier wollen wir uns mit den anderen Dreien treffen.
Die Puente International wurde nach 3 jähriger Bauzeit 1886 eröffnet. Die jahrhundertelang verfeindeten Städte Valença und Tui waren damit erstmals direkt verbunden. Vorher konnte man nur per Fähre zum anderen Ufer des Minho gelangen. Notwendig wurde die Brücke wegen der Planung einer Bahntrasse von Porto nach Vigo. Beides waren schon damals bedeutende Hafenstädte. Wirtschaftliche Interessen machten diese Eisenbahn notwendig und überwanden damit eine tiefe Feindschaft. Doch diese Brücke sollte trotzdem lange die einzige über diese Grenze bleiben. Das Misstrauen war über Jahrhunderte gewachsen.
die Puente International von der spanischen Seite aus gesehen

die Puente International von der spanischen Seite aus gesehen

DSC00515Auch wenn sie so aussieht, die Brücke ist kein Entwurf des berühmten Franzosen Gustav Eiffel. Dieser bewarb sich zwar auch um diesen Bau. Ein Spanier aus der Rioja erhielt jedoch den Zuschlag. Er bot den kostengünstigeren Vorschlag, in dem die Bahn- und die Straßentrasse über die gleiche Brücke übereinander liegend geführt wird. Nun steht sie direkt vor uns, die 300 Meter lange hellblaue Stahlkonstruktion. Rechts neben der Fahrbahn hängt wie ein Balkon ein Fußweg über dem Minho an der Brücke. Doch ehe wir da drüber gehen, warten wir noch auf unsere Begleiter. Als alle da sind, geht es dann auf nach Spanien. Mitten auf der Brücke werden wir alle eine Stunde älter. Man spürt es zwar nicht. Aber auf dem Chip meines Fotoapparates richtet diese Zeitgrenze ein gehöriges Durcheinander an. Die Kamera ist noch nach portugiesischer Zeit eingestellt. Wenn aber vor dem auslösen der Kamera der GPS Empfänger einen Fix hatte, wird die GPS Zeit in das Foto geschrieben und nicht die der Kamera. Und die GPS Zeit richtet sich nun mal nach dem ermittelten Standort. Der liegt nun in Spanien, also in der mitteleuropäischen Zeitzone. Ich verstehe es nicht ganz, weshalb sich die beiden Nachbarstaaten, die in Großteilen den gleichen Längengrad teilen, sich nicht mal auf eine gemeinsame Zeit einigen können. Auch wenn es nichts Weltbewegendes ist, ich muss nun zu Hause dieses Wirrwar auseinander klamüsern.

Auf der Spanischen Seite machen wir dann noch Fotos vor dem großen blauen Schild, welches uns in Espania begrüßt. Auf einem gleichen Schild, welches ich in Valença als Wegweiser gesehen habe, war „Espania“ durchgestrichen und stattdessen „Galicia“ aufgesprüht worden. So wie in Katalonien existieren auch in Galicien starke nationalistische Bestrebungen, sich von Spanien abzuspalten. Eine Tendenz, die ich so gar nicht nachvollziehen kann, steht sie doch im Gegensatz zur Idee eines geeinten Europa. Die Früchte eines geeinten Europa haben wir soeben wieder mal erlebt. Wir sind einfach so über eine Landesgrenze gelaufen und müssen auch keine Zahlungsmittel tauschen.
Portikus der Kathedrale von Tui

Portikus der Kathedrale von Tui

Wir laufen nun durch Tui und ich stelle je weiter wir in der Stadt unterwegs sind fest, dass es eine gute Idee war, gestern in Valença zu bleiben. Es ist sicher Geschmackssache aber Valença ist die meiner Meinung nach wesentlich schönere Stadt. Einzig beim Aufstieg zur Kathedrale von Tui verströmt diese Stadt hier so etwas wie Flair. Die Kathedrale Santa Maria, die 1225 geweiht wurde, ist das bedeutendste Baudenkmal von Tui. Mächtig schnaufend stehen wir vor diesem massiven Gebäude, welches eher wie eine Burg wirkt und müssen leider feststellen, dass sie noch geschlossen ist. Sie öffnet erst 10.30 Uhr. Am Tresen gibt man uns aber wenigstens einen Stempel in den Pilgerpass. Zudem verlangt man hier Eintritt. Das widerstrebt mir als Pilger in einer Kirche Eintritt zu bezahlen.
Kathedrale von Tui

Kathedrale von Tui

Ich bin gern bereit, etwas zu spenden und mache das auch regelmäßig in Gotteshäusern, vor allem in denen, die es nötig zu haben scheinen. Aber von vornherein selbst dem Pilger sein Geld abzuknöpfen, halte ich nicht für besonders christlich. Das haben wir selbst in Deutschland anders erlebt. In solchen Touristenmagneten wie dem Merseburger oder dem Naumburger Dom wird kein Eintritt verlangt, wenn man den Pilgerausweis vorlegt. Leider greift die Kommerzialisierung der gut begangenen Pilgerwege immer mehr um sich. Das ist die Kehrseite der seit Jahren massiv steigenden  Pilgerzahlen. Während sich viele am Weg uneigennützig und voller Hingabe dem Pilger zuwenden, versuchen andere, von denen man es eigentlich nicht erwarten würde, ihren Nutzen zu ziehen. Ich weiß, dass ich da mit meiner Meinung nicht nur auf Zustimmung treffe.
Ich mache hier oben jedenfalls auf der großen Freitreppe Kehrt und wende mich enttäuscht dem Weg aus der Stadt zu. Auf dem Abstieg vom Kathedralenhügel gibt es dann doch noch einige An- und Aussichten, die mich mit der Stadt etwas versöhnen. Über die kleine Praza de Castello gehen wir zum Tunnel de las Encerradas, der unter dem Klarissenconvent hindurch führt. Beim Hinausgehen auf breiten Fußwegen durch einen Park fühle ich mich unweigerlich an den Stadtwald von Chemnitz erinnert. Diesen durchquerten wir 2014 auf dem sächsischen Jakobsweg in südlicher Richtung hinaus aus der oft zu Unrecht  verunglimpften oder beschimpften sächsischen Stadt  am Rande des Erzgebirges.
Pilgerdenkmal an der Pont Romana

Pilgerdenkmal an der Pont Romana

Hier am Ortsausgang von Tui betreten wir wieder die alte Via Romana XIX, die uns auch gestern bereits voran brachte. An der Römerbrücke über den Rio Louro steht ein recht bekanntes Pilgerdenkmal, an dem wir natürlich die Fotoapparate zücken. Der weitere Weg verläuft recht langweilig durch den Ort Virgen del Camino. Am Ortsausgang schwenken wir auf die PO 342 ein. Auf einem roten, mit Holzgeländer gesicherten Randstreifen laufen wir dann recht lange neben dieser Straße, die zum Glück nicht sehr stark befahren ist. Das mag daran liegen, dass parallel zu ihr die Autobahn A9 verläuft. Nach einer gefühlten Stunde, es mag in Wirklichkeit viel kürzer gewesen sein, verlassen wir die Straße endlich. Marion ist mit ihrem Turboschritt bereits einige hundert Meter voraus. Und auch von Jürgen sehen wir schon lange nichts mehr. An der Ponte das Febres (Fieberbrücke) haben wir dann wenigstens Marion wieder eingeholt. Sie liegt auf einer Waldlichtung in der Sonne und hat ihre Schuhe ausgezogen. Sie scheint also hier länger ausruhen zu wollen. Der Wald ringsum wirkt irgendwie gespenstisch. Dichtes Gestrüpp wird überragt von riesigen Eukalyptusbäumen. Überall sieht man sumpfige Stellen mit Wasserlachen. Der heilige San Telmo soll sich hier seine tödliche Malaria Erkrankung zugezogen haben, was mich im Angesicht dieses Sumpfes gar nicht wundert. Ihm zu Ehren wird die Brücke auch Ponte San Telmo genannt. Ich bleibe hier nicht lange sitzen und gehe ganz langsam weiter.

Santa Comba de Ribadelouro

Santa Comba de Ribadelouro

Es läuft gerade recht gut bei mir und das will ich ausnutzen. Im anschließenden Ort Santa Comba de Ribadelouro will ich zuerst eine Abkürzung nehmen und östlich am Ortskern vorbei zu einem Picknickplatz gehen. Gebe aber das Vorhaben auf, da ich befürchte, dass wir so Jürgen verpassen, der vielleicht schon gemütlich in einer Bar im Ortszentrum sitzt. Doch Pustekuchen, weder Jürgen ist zu finden, noch eine Bar. Der helle Belag der Fußwege reflektiert das Sonnenlicht. Es tut weh in den Augen. Es muss Mittag sein. Denn die Temperaturen steigen wieder merklich an. Am Ortsausgang kommen wir an dem kleinen Picknickplatz an. Auch hier ist von Jürgen nichts zu sehen. Wir nutzen aber den Brunnen, um unsere Wasservorräte aufzufüllen. Das Wasser hier schmeckt nicht ganz so schlimm nach Chlor wie sonst an den öffentlichen Entnahmenstellen.
Märchenwald vor Orbenlle

Märchenwald vor Orbenlle

Kurz vor Orbenlle holen wir dann Jürgen ein. Er ist jedoch nicht allein. Am Abzweig zur Variante, die am Industriegebiet vor O Porriño vorbei führt, steht er mit einem jungen Mann. Beide winken uns zu. Es handelt sich um Javier Marban, der hier regelmäßig unterwegs ist, um Pilger von der Umgehung zu berichten. Die Wegweiser werden leider immer wieder abgesägt oder beschmiert. Auch die gelben Pfeile sind mit schwarzer Farbe übermalt. Hier wurde ein Kleinkrieg angezettelt. Wirtschaftliche Interessen sind es, die vor allem Barbesitzer oder deren Helfer zu derartigen Maßnahmen treiben. Anstatt an der neuen, viel schöneren Variante für „Versorgungsmöglichkeiten“ und damit für Umsatz zu sorgen, verschwenden sie hier ihre Energie mit diesen unsinnigen Maßnahmen.
vor dem Werk des Malers Xai Óscar

vor dem Werk des Malers Xai Óscar

Auf der Umgehung gibt es leider nur einen Getränkeautomaten, um den es übrigens auch Streit gab, bevor er nach langem Bemühen auf der Variante endlich aufgestellt werden durfte. Im Pilgerführer wird jedenfalls auf diesen verwiesen und wir hoffen, dass er noch vorhanden und auch gefüllt ist. Die beiden stehen vor einem großen Wandgemälde, welches die Porta da Gloria des Maestro Matheo aus der Kathedrale von Santiago de Compostela zeigt. Das Bild ist sehr realistisch, fast plastisch und man glaubt hinein gehen zu können. Es ist das Werk des Malers Xai Óscar, der hier in Orbenlle im Haus seiner Großeltern Jahr für Jahr die Pilger vorüberziehen sah. Er sah wie sie sich oft quälten, sah jedoch auch immer ein Lächeln auf ihren Gesichtern. Das beeindruckte ihn so sehr, dass in ihm das Projekt reifte, dieses Bild zur Erbauung der Pilger zu malen. Sein Traum ist es, hier einen Platz zu schaffen, eine Art Freilicht – Galerie, an dem Pilger rasten können, mit Bänken und sanitären Einrichtungen. Wünschen wir ihm viel Glück. Javier indes erklärt uns wortreich die Umstände mit der neuen Variante. Jürgen übersetzt fleißig.
Javier Marban am Abzweig zur Variante

Javier Marban am Abzweig zur Variante

Er spricht und versteht Spanisch noch besser als Portugiesisch, habe ich den Eindruck. Man merkt Javier seine Begeisterung an und wir wünschen ihm viel Glück und bedanken uns für sein Engagement. Leider sind die Infotafeln, die sicher mit viel Aufwand aufgestellt wurden, wieder mal verschwunden. Es schauen nur noch die abgesägten Stümpfe aus dem Boden. Alle Pfeile auf der Straße und auf den ersten Metern der Umgehung sind mit schwarzer Farbe übermalt. So dick, dass man sie fast besser erkennt als die gelben Pfeile, die darunter versteckt werden sollten. Ich halte das Ganze für so grotesk und lächerlich. Als ob ein heutiger Pilger nur stur den gelben Pfeilen folgen würde. In der heutigen vernetzten Welt informieren sich die meisten vor ihrem Weg über viele Sachen, die auf sie unterwegs zu kommen könnten. Vor allem die Wegführung und die Unterkünfte sind da besonders von Interesse. Nicht umsonst gibt es so viele Fragen zu den Wegen in Pilgerforen oder auf Facebook.

auf der neuen Variante

auf der neuen Variante

Ich glaube, dass die Variante von Orbenlle mittlerweile die bekannteste auf dem Caminho Portugues ist. Und das liegt vor allem an den sinnlosen Streitereien zwischen Befürwortern und Gegnern. Die Gegner muss man natürlich auch verstehen. Sie haben im Wissen um die ausgeschilderte alte Wegführung investiert und stehen nun vor dem Bankrott, weil erhoffte Einnahmen nicht mehr fließen. Irritiert bin ich jedoch, dass man uns Pilger für so beschränkt hält und man uns offenbar nicht zutraut, selbst zu entscheiden, welcher Weg für uns der richtige ist. Und das gilt für beide Parteien. Auch wenn Javier dort nicht gestanden hätte: Wir hatten von Anfang an vor, das Industriegebiet zu umgehen, obwohl wir wissen, dass der Weg 1,2 Kilometer länger ist und dass es versorgungstechnisch auf der Umgehung recht düster aussieht.
der Rio Louro

der Rio Louro

Der Weg ist wirklich schön und führt uns durch ein Naturschutzgebiet. Hier sollen viele seltene Lurche leben. Na gut, die sehen wir bei dieser Hitze heute natürlich nicht. Wir gehen durch ein geschütztes Feuchtgebiet entlang des Rio Louro. Zu hoffen bleibt, dass gerade hier die Pilger so vernünftig sind und sich dementsprechend verhalten. Leider sind nicht alle so vernünftig und nehmen ihren Müll wieder mit. Das ärgert mich nicht nur hier fürchterlich und ich frage mich dann, was es für einen Aufwand darstellt, sein Zeug, dass man ja bis hierher getragen hat, auch wieder mitzunehmen. Ich hoffe da auf die Vorbildwirkung und hebe oft Sachen auf, die ich nicht habe fallen lassen. Aber wenn eine gute Kinderstube fehlt, was soll man da machen?
Bald weicht das Biotop einem lichten Kiefernwald. Der Boden ist weich. Es lässt sich gut auf dem Nadelteppich laufen. Zu schnell sind wir wieder auf der Asphaltstraße, die uns alsbald in den Ort Centeans bringt, wo besagter Getränkeautomat stehen soll. Mir fällt gerade auf, dass ich heute oft weit voraus bin, was mich doch sehr wundert in Gedanken an die letzten schwierigen Tage.
Jürgens Kampf mit dem Getränkeautomaten

Jürgens Kampf mit dem Getränkeautomaten

Und so erreiche ich den Automaten als erster, in der freudigen Erwartung einer kalten Cola. Ich entdecke ihn etwas versteckt rechts am Weg unter einem baufälligen Holzverschlag. Davor stehen ein paar Holzklötze, ein Holztisch und eine Bank. Ich trinke sonst nie Cola. Aber hier ist sie wegen des hohen Zuckergehalts ein willkommener Kraftspender. Der Automat ist zum Glück gut gefüllt. Und so entlocken wir ihm außer den Getränken auch ein paar Kekse. Nach der Rast geht es lange durch einen Wald. Wir überqueren heute zum x. Mal die Autobahn und stehen nun kurz vor O Porriño am Velodrom. Hier bemerken wir ein Schild, welches verspricht, dass es in 400 Meter Entfernung links ab eine Bar gibt. Wir sind gut vorangekommen und ohne lange Beratung scheuen wir diesen kleinen Umweg nicht. Außerdem sind es dann auch nur höchstens 250 Meter bis zur Bar. Diese erweist sich als echter Glücksgriff. Es handelt sich zwar mehr oder weniger nur um einen Bretterverschlag und es sieht so aus, als ob man hier immer wieder nach Bedarf provisorisch angebaut hat. Aber die Bar verströmt sehr viel Gemütlichkeit und Flair. Außerdem ist sie sehr gut besucht. Und das ist immer ein gutes Zeichen.
in der Bar am Velodrom

in der Bar am Velodrom

Wir bestellen uns Bier und Boccadillos. Die sind immer eine Wundertüte. Bestellen wir jeder eins, schaffen wir es kaum und wenn wir uns entscheiden eins zu teilen, sind sie winzig. Also ist es besser, vor der Bestellung auf die Nachbarteller zu schauen. Die hier sind genau richtig für eine Portion, die auch Andrea schaffen könnte. Sie schmecken vorzüglich. Andrea schafft es dann doch nicht ganz. Und da ich nicht gern was umkommen lasse, verspachtele ich ihren Rest, den sie gerade zu mir rüber schob. Jetzt wisst ihr, wie sich meine Körperfülle erklärt. Sie ist schuld, weil sie nie abisst!
Eigentlich wären wir gern noch eine Weile hier sitzen geblieben. Aber da wir zwei wieder in die Herberge wollen, dränge ich zu Aufbruch. Ab Tui soll der Weg ja viel belebter sein, da man die 100 Kilometer Grenze überschritten hat. Bisher ist uns das noch nicht so aufgefallen. Es sind auch nicht viel mehr Pilger unterwegs als vor Valença. Das soll nicht heißen, dass wir uns einsam fühlen. Ich bin schon lange erstaunt, wie viele diesen Weg laufen.
am Ortseingang von O Porriño

am Ortseingang von O Porriño

Der Weg hinein nach O Porriño hinein hat ebenfalls zwei Varianten. Eine geht geradewegs an der Hauptstraße entlang in den Ort. Auf den habe ich wenig Lust. Ein anderer führt direkt am Rio Louro entlang durch einen Park in die Stadt. Der Abzweig ist nicht leicht zu erkennen und etwas uneindeutig beschildert. Man muss einfach nur direkt vor der Straßenbrücke über den Louro nach links von der Straße abbiegen. Zwei Pilger, die uns etwas unschlüssig sehen, machen eine Handbewegung, dass wir ihnen folgen sollen. Rechts und links des Flüsschens gibt es gut ausgebaute Fußwege. Ab und zu führt eine Fußgängerbrücke über den Fluss, so dass wir ihn einmal rechts und dann auch mal links von uns haben. Außer Sicht geriet er nie. Kurz vor der Herberge, die direkt zwischen dem Fluss und der Autobahn liegt, überqueren wir nochmal den Louro. Wir stehen vor der städtischen Herberge von O Porriño. Es ist ein grauer Betonklotz mit viel Glas, keine architektonische Schönheit. Wir verabschieden uns erst mal von den anderen, die wieder ins Hotel wollen und gehen gespannt hinein.
der Glasbau von O Porriño

der Glasbau von O Porriño

Der moderne Eindruck von außen setzt sich Innen fort. Wir stellen uns an einer Art Schalter an, wie man ihn sonst von der Bahn kennt. Dahinter sitzt ein älterer Herr, der gerade eine Pilgerfamilie „abfertigt“. Er nimmt sich viel Zeit dafür und ich nehme mir diese, um die vielen Schilder rings herum zu entziffern. Es ist sehr viel verboten in diesem Haus und ich komme mir etwas vor, wie in einer Jugendherberge oder gar einem Kinderferienlager. Im großen Aufenthaltsraum sind z. B. Essen und der Genuss von Alkohol verboten. Die müssen wohl schlechte Erfahrungen gemacht haben hier. Dann sind wir dran. Und auch bei uns holt er weit aus. Nun ja, er kann uns ja nicht ansehen, dass wir schon einige Erfahrungen auf diesen Wegen haben. Hier gibt es wie oft in Galicien Einweg – Bettwäsche. Ich halte diese Vlies – Laken für eine gute Idee, auch wenn es zusätzliche Arbeit bedeutet. Betten beziehen gehört nicht gerade zu meinen Hobbys.
Der Schlafsaal im ersten Stock ist bereits zu zwei Dritteln voll. Wir nehmen ein Stockbett an der Wandseite, da die an den Fenstern bereits alle belegt sind. Die üblichen Abläufe sind schnell erledigt. Und wir können uns zum Treffpunkt in die Stadt begeben.
O Porriño

O Porriño

Es ist Samstagabend und es ist hier richtig was los. Die Stadt selbst, so glaube ich, ist kaum der Erwähnung in einem Reiseführer wert. Aber das Zentrum ist Rappel voll mit Leuten. Wenig später erkennen wir warum. Hier findet gerade ein Duathlon statt- also in Ermangelung eines See´s in der Nähe ein Triathlon ohne Schwimmen. Die Rennstrecke ist abgesperrt und wir sehen viele Sportler in ihren Trikots unter dem Jubel der Zuschauer durch die Straßen laufen. Alle Achtung – bei der Hitze! Da wir heute schon genug gelaufen sind, nehmen wir in einem Freisitz im Zentrum direkt neben der Ziellinie Platz, bestellen uns was zu trinken und beobachten das Treiben. Später kommen dann auch noch Jörg, Jürgen und Marion dazu.
fertsch

fertsch

Aus großen Boxen plärrt die Stimme des Moderators und überschlägt sich fast dabei. Als alle Sieger gekürt sind und die laute Musik verstummt ist, hoffen wir noch auf ein paar Minuten, bei denen man sich unterhalten kann. Doch neben uns wird das nächste Event aufgebaut. Laster mit Absperrgittern fahren vor, tuckern vor sich hin und verpesten die Luft – bei uns zu Hause undenkbar! Außer mich scheint das hier aber niemanden zu stören. Bin ich wirklich schon so pingelig? Wir haben einige Bier getrunken und auch was gegessen. Zu uns gesellen sich noch zwei junge Pilgerinnen. Eine davon hat Marion bereits am Anfang ihres Weges kennen gelernt. Mich nervt sie total. Mir ist sie von Anfang an unsympathisch. Nun ja, es gibt halt so Leute, mit denen kann man einfach nicht. Und so bin ich ganz froh, dass die Zeit soweit fortgeschritten ist, dass wir zurück in die Herberge müssen. (gleiches Problem wie gestern). Der Kellner hat etwas die Übersicht verloren und ich muss wiederum die anderen bitten, unsere Rechnung zu begleichen, damit wir nicht wieder vor verschlossenen Türen stehen. In Eile laufen wir zurück zur Herberge und sind erstaunt, dass diese in Anbetracht der vielen Reglementierungen doch noch geöffnet ist. Es ist immerhin zwei Minuten nach 22 Uhr! Wir verschwinden gleich im Bett und trotz der nahen Autobahn schlafe ich zügig ein (Ohropax sein Dank!!)
Bis morgen, Gert.

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