Sächsischer Jakobsweg Teil 2: Reinsdorf b. Zwickau – Irfersgrün

Frühstück in der Bäckerei

Frühstück in der Bäckerei

Wir haben uns für 8:30 Uhr mit Herrn Wandrack zur Besichtigung der Kirche verabredet. „Ihr findet mich dann schon hier irgendwo auf dem Gelände.“ sagte er gestern. Also stehen wir 7 Uhr auf und machen uns fertig, so dass wir uns nachher nur noch die Rucksäcke schnappen müssen. Viel zu spät lese ich in der Bäckerei an einer Tafel, dass man hier auch belegte Brötchen anbietet. So zwänge ich mir nun das Süßzeug rein, was am frühen Morgen so gar nicht mein Geschmack ist. Da will ich lieber ne Semmel mit was herzhaftem drauf. Nun liegt mir dieser Kuchen wieder wie ein Stein während der ersten Kilometer schwer im Magen. Als wenn es nicht schon schwer genug wäre…. Doch ich will nicht meckern, denn so in der Nähe gleich eine Möglichkeit für ein Frühstück zu finden ist auf unseren bisherigen Pilgerwegen eher die Ausnahme gewesen. 

St. Jakobus in Rreinsdorf

St. Jakobus in Rreinsdorf

Herrn Wandrack sehe ich als wir zurück kommen, mit dem Rasentraktor hinter dem Gutshaus arbeiten. Er unterbricht seine Arbeit sofort, als er mich ebenfalls sieht und wir gehen gemeinsam zur Kirche. Er zeigt uns den Verlauf der alten Grundmauern der Kirche, die vor dieser hier auf dem Hügel stand und erzählt etwas zum Friedhof. Die Geschichte der Kirche hat die Kirchgemeinde St. Jakobus auf dieser Seite sehr ausführlich nieder geschrieben. Also kann ich auf eine Nacherzählung hier verzichten. Ich will hier nur erwähnen, dass Herr Wandrack seine Sache richtig gut gemacht hat. Der Kirchenraum ist, wie bereits von Außen zu vermuten war riesig und macht einen sehr gediegenen Eindruck. Reinsdorf muss eine sehr wohlhabende Gemeinde gewesen sein, als der Kirchenbau beauftragt wurde. Landwirtschaft und Steinkohlenbergbau waren damals die wichtigsten Erwerbszweige hier in der Gegend. Rund um Zwickau boomte Ende des 19. Jahrhunderts die Wirtschaft auf Grund der Industrialisierung der Produktion. Auch Reinsdorf am Stadtrand von Zwickau profitierte davon.

St. Jakobus in Rreinsdorf

St. Jakobus in Rreinsdorf

Die stark wachsende Gemeinde machte diesen Kirchenneubau am Ende des 19. Jahrhunderts notwendig. Und da wurde geklotzt und nicht gekleckert. Die schönen Kirchenfenster enthalten nicht nur geistliche Motive. Auch bergbauliche bzw. bäuerliche Szenen werden dargestellt, was die tragenden Elemente der damaligen Gesellschaft würdigt. Auf eine kleine Besonderheit macht uns Herr Wandrack aufmerksam: Auf den beiden Gemälden an den Stirnseiten, rechts „Jesus segnet die Kinder“ und links „die klugen und die törichten Frauen“ sind ausschließlich echte Reinsdorfer dargestellt. Kanzel, Emporen und das Gestühl sind mit schönen Holzschnitzereien verziert. Insgesamt macht der Raum einen zwar recht düsteren aber sehr erhabenen Eindruck auf mich.

Reinsdorf am Morgen

Reinsdorf am Morgen

Auf einen Aufstieg auf den 52 Meter hohen Kirchturm verzichten wir dankend. Ich klettere ja gern auf hohe Gebäude. Aber wenn man noch eine Strecke von weit über 20 Kilometer vor sich hat, überlegt man sich das reiflich. Zudem ist es so früh am Morgen noch recht diesig, so dass man sicher nicht weit ins Land schauen kann. Also verabschieden wir uns dankend von unserem Gastgeber und machen und auf den Weg.

Reinsdorf streckt sich auch in westlicher Richtung in die Länge. Es zieht sich hinaus bis fast zum Stadtrand von Zwickau. Wir gehen auf einem Radweg weiter, vorbei an einem alten Mühlrad, welches sich im Wasser des Reinsdorfer Baches dreht und vorbei am Gemeindehaus, vor dem sich der Ort einen schönen Brunnen geleistet hat. Insgesamt hat dieser Ort auf uns einen sehr guten Eindruck gemacht. Die Grundstücke sind gepflegt, die teilweise als Fachwerk ausgeführten Bauernhöfe sind sehr gut hergerichtet und auch für das Drumherum tut man was. Es gibt schöne Radwege und Spielplätze.
Ortseingang von Zwickau

Ortseingang von Zwickau

Dann tauchen am Weg unverkennbar die ersten Stadthäuser auf. Das Dorf weicht der Stadt. Und schon steht Andrea am Ortseingangsschild von Zwickau und ich fotografiere sie. Wir sind jedoch noch lange nicht in der Innenstadt von Zwickau. Der Weg macht hier einen kleinen Schlenker nach Norden, damit der Pilger die Möglichkeit erhält, sich den historischen Stadtkern anzusehen. Auf dem Weg dort hin gibt es leider derzeit eine Umleitung, da der Röhrensteig, eine überdachte hölzerne Fußgängerbrücke über die Zwickauer Mulde restauriert wird und deshalb gesperrt ist. Dieser Weg wäre bestimmt viel schöner gewesen, als hier entlang der stark befahrenen Asphaltstraße, teilweise nur auf dem Randstreifen entlang zu gehen Vor den heranbrausenden Autos müssen wir manchmal sogar flüchten. Zwei Kilometer sind es bestimmt auf dieser Straße, bis wir die eiserne Brücke über die Mulde erreichen. Diese Brücke trägt den Namen Paradiesbrücke und stammt übrigens vom gleichen Architekten wie das berühmte blaue Wunder in Dresden. Wenn diese Brücke auch wesentlich unspektakulärer erscheint, so ist die Verwandschaft zur großen Schwester schon deutlich zu erkennen, wenn man es weiß.

Wegweiser an der Muldebrücke in Zwickau

Wegweiser an der Muldebrücke in Zwickau

Gleich hinter der Brücke treffen wir auf die Via Imperii. Sie kommt von Norden und führt von Stettin über Berlin und Leipzig nach Hof. Ab hier verlaufen die beiden Jakobswege parallel zueinander nach Hof aber nicht auf gleichen Pfaden. Während der Sächsische Jakobsweg, der ab hier Jakobsweg Vogtland heißt, über Oelsnitz nach Hof führt, geht man auf der Via Imperii über Plauen in die oberfränkische Stadt an der Saale. Der historische Stadtkern von Zwickau scheint von dieser Seite eingerahmt von Plattenbauten aus DDR Zeiten zu sein. Hier ist im Krieg ebenfalls viel zerstört worden. Und die Bereitstellung von Wohnraum war nach dem Krieg mittels Neubau einfach ökonomischer, als durch Wiederaufbau der zerstörten oder Sanierung der vernachlässigten Häuser – leider! So sieht es hier etwas befremdlich aus, wenn man in die Altstadt schaut. Da steht das historische Dünnebierhaus direkt neben einem riesigen Häuserblock in Plattenbauweise.

Rathaus von Zwickau

Rathaus von Zwickau

Robert Schumann Haus

Robert Schumann Haus

Zwickau ist die viert größte Stadt Sachsens nach Dresden, Leipzig und Chemnitz. Sie wurde 1118 erstmals erwähnt und lebte über 800 Jahre vom Steinkohleabbau. Die Stadt ist jedoch eher durch zwei andere Umstände berühmt. Hier wurde Robert Schumann, einer der berühmtesten Komponisten der Romantik 1810 geboren. Das Geburtshaus steht am Hauptmarkt. Hier befindet sich die weltweit größte Sammlung aus dem Nachlass der Familien Schumann und Wieck.

Es gibt alljährlich im Juni das Robert Schumann Fest (Zwickauer Musiktage), alle vier Jahre den internationalen Robert Schumann Wettbewerb für Klavier und Gesang und den internationalen Robert Schumann Chor Wettbewerb. So wird der größte Sohn der Stadt gebührend gewürdigt.
Das andere „Standbein“ der Stadt ist der Automobilbau. Seit 1904 werden hier ununterbrochen Fahrzeuge hergestellt. Es gilt als Keimzelle des sächsischen Automobilbaus. So klingende und bekannte Namen wie Horch, Auto Union und Audi stammen von hier. Ja, der Audi stammt ursprünglich aus Sachsen. Ab 1926 wurde hier als erstes Serienfahrzeug Deutschlands der Horch Typ 303 mit einem 8 Zylinder Reihenmotor gefertigt. Gefolgt wurde er vom Audi Typ R. Ein Horch war das erste Auto mit einem Motor mit Hydrostößel. Und Audi baute mit dem DKW hier den ersten Fronttriebler mit Zweitaktmotor.
unser 2. Trabbi (Bj.1961) Foto von 1988 daneben Andrea in jungen Jahren (hat sich kaum verändert!) und unser Sohn

unser 2. Trabbi (Bj.1961) Foto von 1988 daneben Andrea in jungen Jahren
(hat sich kaum verändert!) und unser Sohn

Das war dann sicher der Urvater unseres Trabant. Denn nach dem Krieg wurden hier weiter Fahrzeuge gebaut. Auch wenn man viel über ihn witzelt (überdachte Zündkerze, Schlaglochsuchgerät, Rennpappe, Stinker usw.) war er bei seiner Erstentwicklung sehr modern und auf der Höhe der Zeit. Nur versäumte man aus ökonomischen Gründen und wegen der Mangelwirtschaft eine zeitgemäße Weiterentwicklung. Die Ingenieure wäre dazu jedenfalls fähig gewesen. Trotzdem oder besser deshalb hat fast jeder DDR Bürger, so er einen Trabbi besaß, sein Gefährt gehegt und gepflegt. War er doch gebraucht wegen der Wartezeiten wertvoller als ein neuer. Und so gaben viele ihm sogar einen Namen. Nee, ist kein Witz. Das stimmt wirklich und im Film „Go Trabbi Go“ hat man wirklich nicht übertrieben. Meine Trabbis hatten jedoch keinen Namen. Das war mir dann doch zu albern. Ich hatte einen 500er Baujahr 1958 mit 18!! PS. Der hat mein Haus gebaut. – Einen 600er Kombi Baujahr 1961 mit Klappdach (Eigenbau) mit einem 601er Motor (26 PS Eigenbau) und bis zur Wende einen 601er S Hycomat (Baujahr 1965 Wiederaufbau 1988). Hycomat heißt übrigens, dass der ein Automatikgetriebe hatte (funktionierte aber nur mäßig – deshalb ausgebaut).

Dom St. Marien Zwickau

Dom St. Marien Zwickau

Ich habe zig Trabbis wieder zu einem neuen Leben verholfen, in dem ich ihnen einen neuen Unterbau einschweißte und das Duroplastkleid neu lackierte. Damit habe ich einen Teil meines Hauses finanziert. Ich könnte heute noch einen Trabantmotor komplett zerlegen und wieder zusammensetzen. Ich habe das Auto trotz seiner Macken immer gemocht und finde es schön, dass es immer noch Enthusiasten und Liebhaber gibt, die alljährlich ihren Liebling zum größten Trabanttreffen hier in Zwickau lenken. Nach der Wende wäre fast Schluss gewesen hier mit dem Automobilbau. Denn das Sachsenring Werk gibt es nicht mehr. Doch VW hat in Zwickau Mosel ein modernes Werk aufgebaut in dem viele Serienfahrzeuge von Volkswagen vom Band laufen. VW ist hier einer der größten Arbeitgeber und zieht auch viele Zulieferer an.

Doch ich schweife wieder ab. Wir müssen doch weiter! Der Weg ist noch lang! Aber wir sitzen ja sowieso in einem Straßenkaffee vor der ehemaligen Löwen Apotheke und tun so, als ob wir hier ne Weile bleiben wollten. Das riesige Rathaus uns gegenüber dominiert die Südseite des Hauptmarktes. Das Gewandhaus daneben, in welchem das Theater untergebracht ist, hätte einen neuen Anstrich nötig, das Schumann Geburtshaus links ganz am Ende des Hauptmarktes erscheint neben einigen Bürgerhäusern eher unscheinbar. Die Westseite mit dem Römerhaus wird vom Turm des Domes St. Marien überragt. Da gehen wir jetzt hin…. Ich bezahle und wir beide watscheln recht staksig über den Markt. Es dauert immer etwas, bis die müden Knochen sich wieder an die Bewegung gewöhnen, wenn man länger gesessen hat. Hmm, der Dom ist zu – schade wieder mal.
die Prieserhäuser

die Prieserhäuser

Ihm gegenüber stehen die vier Prieserhäuser mit ihren steilen gotischen Satteldächern. Sie gehören zu den ältesten Wohngebäuden Deutschlands. Das Gebälk eines Hauses stammt z.B. nachweislich von 1264. Hier befindet sich seit 2003 das Museum für Stadtgeschichte. Doch weiter geht´s. Am Obertor in der Inneren Schneeberger Straße befindet sich die Endstelle der Vogtlandbahn. Faule Pilger (ich weiß, die gibt es nicht :)) könnten von hier bis zum Tagesziel in Irfersgrün mit der Bahn fahren. Andrea sage ich das lieber erst gar nicht. Sie hat immer noch Probleme mit ihren Schuhen und zusätzlich von den Sandalen auch noch eine Blase an der Ferse. Ich kann das nachfühlen, ging es mir doch auf den ersten 300 Kilometern des Camino Frances ebenfalls so.

Postmeilensäule am Obertor

Postmeilensäule am Obertor

Also richte ich das Interesse vorsichtshalber mehr auf die hier stehende Postmeilensäule. Die hat der alte Kurfürst August (auch der „starke“ genannt) an allen wichtigen Handelswegen und in fast allen Städten des Kurfürstentums Sachsen aufstellen lassen, als so eine Art Busfahrplan. Hier stehen die Zeiten dran, die die Postkutsche braucht, um z.B. Dresden, Prag und auch Hof zu erreichen. Hinter- und Hauptgrund war  eine einheitliche Berechnungsgrundlage der Postgebühren. Auch bei uns in Delitzsch steht eine solche Säule. Diese hier in Zwickau ist eine Nachbildung aus dem Jahre 2002.
Sicher gäbe es noch viele Baudenkmäler hier in Zwickau zu bewundern. Da gibt es das Dünnebierhaus, welches man rechtsseitig als erstes Haus der Altstadt von der Paradiesbrücke aus zwischen den Plattenbauten sieht, die Katharinenkirche, das alte Gasometer (sozio- kulturelles Zentrum), das Schloss Oberstein oder das Johannisbad (schöne Jugendstil Fassade). Man könnte auch das August Horch Museum besichtigen, was vor allem für mich sehr interessant wäre oder ins Robert Schumann Haus gehen. Doch wir sind ja nicht zum Vergnügen hier. Wir haben noch was zu tun und einen weiten Weg vor uns. Also laufen wir weiter. An der nächsten großen vierspurigen Straße halten wir uns rechts und erreichen wenig später den Stadtpark. Vor uns liegt der Schwanenteich, an dessen Ostufer wir entlang spazieren.

am Schwanenteich in Zwickau

am Schwanenteich in Zwickau

Westsachsenstadion

Westsachsenstadion

Ja, wir spazieren! Anders kann man unser Gangart eigentlich nicht bezeichnen. Leider ist dieser Stadtpark längst nicht so groß wie der in Chemnitz. So dass diese Idylle ein schnelles Ende erfährt. Über einige Nebenstraßen gelangen wir zum Westsachsen Stadion. Hier spielt mit derzeit mäßigem Erfolg der FSV Zwickau (früher BSG Sachsenring Zwickau). Nachdem sie in den 90er Jahren in der 2. Bundesliga spielten, 1996 den Aufstieg in die erste Liga nur knapp verpasst hatten, geriet der FSV in finanzielle Schieflage und gurkt heute in der Regionalliga Nordost rum. Da gab es sicher bessere Zeiten, als noch sportliches und lokales Engagement zählte und nicht das Geld in der Vereinskasse. Da standen so namhafte Vereine wie Panathinaikos Athen, AC Florenz, Celtic Glasgow oder der RSC Anderlecht als Gegner in europäischen Wettbewerben auf dem Platz. Na lassen wir das. Fußball ist heute eben ein Millionen Geschäft und hat eher was von Gladiatoren – Wettkämpfen als von Sport. Gleich nach dem Stadion entdecken wir einen Imbiss. Und es riecht auch schon sehr lecker nach Bratwürsten. Einige Bauleute sind auch schon da und warten mit uns, bis die Dame endlich öffnet. Riesige Thüringer Bratwürste – das ist jetzt genau das richtige! Mehr muss es gar nicht sein.

im Schlosspark Planitz

im Schlosspark Planitz

Unsere nächste Rast machen wir im Schlosspark von Planitz, einem Ortsteil von Zwickau. Die Wegauszeichnung ist aus Zwickau heraus übrigens recht mäßig. Immer wieder muss ich das Smatphone raus holen. Und so weist es uns nun den Weg die Friedhofsstraße herunter zur Canitzer Straße. Hier jedoch versperrt uns ein Bauzaun den Weg. Ich wunderte mich schon über den wenigen Straßenverkehr. Hm, was nun? Auch die Fußwege sind rings um die riesige Kreuzung mit hohen Bauzäunen versperrt. Nebenan ist ein Friedhof und wir versuchen es hier. In grober Richtung laufen wir im Zickzack zwischen den Gabstellen dort hin, wo die Straße weiter gehen müsste. Am Ende kriechen wir durch eine Hecke und stehen dann doch mitten auf der Baustelle. Jetzt hab ich die Nase aber voll. Wir gehen einfach quer über die große Kreuzung und niemand von den Bauleuten scheint sich daran zu stören. Warum dann der Zaun auch für Fußgänger so dicht gemacht wurde, bleibt mir ein Rätsel. Zumal der Straßenbelag und das Betonpflaster auf den Fußwegen bereits fertig sind. Laut Karte bot sich auch kein zumutbarer Umweg für einen Fußgänger. Manchmal fragt man sich….

Blick von Oberplanitz in Richtung Zwickau

Blick von Oberplanitz in Richtung Zwickau

Wieder auf dem rechten Weg sehen wir von weitem bereits ein Sträßlein, was sehr steil rechts herauf führt. Wir müssen doch nicht…. doch wir müssen. Der hier vorhandene Wegweiser zeigt eindeutig nach rechts. Oben angekommen verschnaufen wir etwas und haben einen schönen Ausblick auf die Stadt. Ja und da, gar nicht so weit weg, entdecke ich den Kirchturm von Reinsdorf. Luftlinie sind wir durch die Schleife über Zwickau höchstens 5 bis 6 Kilometer voran gekommen. Und wir haben fast Mittag! Im anschließenden Ort (oder ist es immer noch ein Ortsteil von Zwickau?) Rottmannsdorf übersehen wir zum Überfluss auch noch einen Wegweiser. Oder war gar keiner da? Wir werden es nicht erfahren. Wir gehen in die falsche Richtung über einen Feldweg auf die Autobahn (noch immer die A72) zu. Erst kurz vor der Autobahn bemerke ich den Irrtum. Denn hier kommt man nicht über die Autobahn oder unter ihr hindurch. Sowas ärgert mich fürchterlich. Warum schleppe ich das GPS Gerät mit und dann passiert es trotzdem dass wir uns verlaufen?

Feuerwehrfest in Hirschfeld

Feuerwehrfest in Hirschfeld

Zum Glück gibt es einen Weg direkt an der Autobahn entlang, der uns zur Unterführung und zurück auf den Weg bringt. Das waren mindestens wieder 2 Kilometer zu viel. Nach der Unterführung schließt sich bis fast nach Hirschfeld ein großes Waldgebiet an. Hier wimmelt es nur so von Pilzsammlern. Am Straßenrand stehen überall die Autos der Schwammeljäger.

Hirschfeld begrüßt uns mit einem Feuerwehrauto aus Strohballen. Hier steigt am Wochenende ein Feuerwehrfest. Die Feuerwehr wird 90 Jahre alt. Und das ganze Dorf hat geschmückt. Besonders witzig finden wir die vielen ausgestopften Puppen. Da gibt es natürlich vorwiegend Feuerwehrleute auf der Leiter mit Spritze in der Hand oder sitzend mit der obligatorischen Flasche Bier in der Hand. Ja, was so ein richtiger Feuerwehrmann ist, der ist immer am Löschen, den Brand oder den Durst.
auch an einen Pilger wurde gedacht

auch an einen Pilger wurde gedacht

Unsere Feuerwehr zu Hause löscht nur noch den Durst. Denn ich bin der einzige, der noch nicht über 65 Jahre alt ist. Ich drücke sozusagen den Altersdurchschnitt. Mit der Truppe kann man natürlich nicht mehr in den Krieg ziehen. Und so halten wir es lieber gemütlich einmal im Monat bei ner Flasche Bier und der Skatkarte. Ja und das scheint hier auch bekannt zu sein. Denn wirklich viele der Feuerwehrpuppen haben eine leere Bierflasche in der Hand. Es gibt aber auch Maler, Automechaniker und Schlosser, die hier am Wegesrand stehen oder liegen. Und besonders freuen wir uns über den Jakobspilger, der aus einer alten Badewanne grüßt.

Feuerwehrfest Hirschfeld

Feuerwehrfest Hirschfeld

Fast wären wir am Getränkeshop vorbei gelaufen. Dieser hat geöffnet und wir nutzen natürlich die Gelegenheit mal was anderes zu trinken als das warm gewordene Wasser aus der Trinkflasche. Schnell kommen wir mit der netten Verkäuferin ins Gespräch und wir lassen uns aufklären, was es mit den Puppen auf sich hat. „Damit hat eben irgend jemand mal angefangen und so hat sich das verselbstständigt.“ Die Idee nehme ich mit für unser Dorffest. Man könnte die Einwohner wenigstens dazu animieren, ihre Grundstücke zu schmücken zum Sommerfest, wenn es nicht gleich die Puppen sein sollen. Aber toll ist das schon. Ich sitze auf zwei Bierkisten mit einer Flasche Bier in der Hand und will eigentlich gar nicht weiter. „Es ist gar nicht mehr weit.“ Bestätigt uns die Verkäuferin. Also brechen wir zum letzten Stück am heutigen Tag auf. Gleich hinter Hirschfeld beginnt wieder ein größeres Waldstück. Hier würde ich mir ebenfalls eine etwas bessere Kennzeichnung des Weges wünschen. So viele Aufkleber habe ich auch nicht mit, um das zu ändern. Nach etwa 3 Kilometern durch den tiefen Wald kommen wir zur Lochmühle. Hier gibt es ebenfalls eine Pilgerunterkunft.

Irfersgrün in Sicht

Irfersgrün in Sicht

Wir gehen jedoch weiter, treten alsbald heraus aus dem Wald und laufen durch ein hohes Maisfeld auf Irfersgrün zu. Bereits von Fern ist das ehemalige Rittergut zu erkennen. Es ist nach der Kirche das höchste Gebäude im Ort. Hier wollen wir übernachten. Die hiesige Wirtschaft bietet einfache Unterkunft in Zweibettzimmern für 15 Euro inklusive Frühstück. Das ist wirklich ein Schnäppchen. Neben der einfachen Unterkunft werden aber auch etwas feinere in einer neben dem alten Gutsgebäude stehenden Flachbau angeboten.

Rittergut Irfersgrün

Rittergut Irfersgrün

Ich habe mal rein gesehen und es war wirklich sehr ansprechend. Wir jedoch bevorzugen die Einfachheit. Und da tut es auch mal eine Schaumgummimatratze auf dem Fußboden, auf der man den Schlafsack ausbreiten kann. Hier jedoch erwarten uns zwei richtige Betten, die sogar mit Bettwäsche bezogen sind. Der Schlafsack bleibt wieder drin in seiner Hülle.

einfaches Zimmer

einfaches Zimmer

Die Sanitäranlagen sind ebenfalls genehmigt, also haben wir absolut keinen Grund, irgend etwas negatives an dieser Unterkunft zu finden. Einzig das Essen!!! Es ist viel zu gut und viel zu viel!!! Die Gastwirtschaft scheint in der Umgebung berühmt zu sein. Nachdem wir relativ zeitig nach dem Duschen in der Wirtschaft platz genommen haben, kommen noch viele andere Gäste. Wir können nicht widerstehen. Obwohl wir uns eigentlich vorgenommen haben, nur was „kleines“ essen zu wollen, wurde es dann doch etwas größer. Dass es dann so groß wird, das konnte ja keiner ahnen. Nachdem wir uns also den Bauch voll geschlagen haben, sitzen wir noch eine Weile in die Abendsonne, bis diese unter gegangen ist. Für unsere Verhältnisse gehen  wir auch heute relativ zeitig zu Bett. Andrea liest noch ein wenig und ich bin ganz schnell eingeschlafen und träume von meinem Steak au Four.

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Gute Nacht!

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