Was muss/darf mit?

Eine allgemeine Betrachtung zur Ausrüstung

Im Laufe der Jahre hat sich so einiges getan in meinem Rucksack. Da ist vieles raus geflogen und anderes hat sich bewährt oder ist neu dazu gekommen. Es sind die kleinen Dinge, die man unbedingt braucht oder die man sich einfach gönnt, die sich aber ganz schön summieren und trotz ihres geringen einzel – Gewichtes eben trotzdem an den Schultern zerren. Deshalb gilt es gerade hier genau zu überlegen, ob man das alles wirklich braucht. Und genau so gilt auch hier die erste Regel für das ultraleicht – Wandern: Prüfe, ob sich etwas mehrfach nutzen lässt. Denn nur durch weglassen kann man wirklich Gewicht einsparen.

und das soll alles in zwei Rucksäcke

und das soll alles in zwei Rucksäcke

Und darum geht es eigentlich, die Last auf dem Rücken so gering wie möglich zu halten, ohne auf seinen mindest – Komfort zu verzichten. Über dieses Mindestmaß an Komfort muss sich jeder selbst aber erst mal klar werden. Das ist individuell sehr verschieden und hängt vom Charakter, von der jeweiligen Lebenssituation und der Lebenseinstellung ab. Und deshalb laufen eben einige mit 5 Kilogramm beschwingt über Stock und Stein, während sich andere mit 15 kg und mehr herum plagen. Schuld ist man selbst, weil man seine Komfortzone nicht verlassen wollte, weil man unsicher war oder die Versorgungslage am Zielort völlig falsch eingeschätzt und dramatisiert hatte. Man tendiert aus Unsicherheit dazu, sich für jede Situation wappnen zu müssen, ohne daran zu denken, was es bedeutet, einen viel zu schweren Rucksack jeden Tag über lange Strecken zu schleppen. Die meisten, die ich getroffen habe, haben eher darüber nachgedacht, wie man etwas überflüssiges nach Hause schicken kann. Kaum einer hat nach einem Outdoor Laden gefragt, weil er unbedingt was braucht, woran er zu Hause nicht gedacht hat. Bei guter Vorbereitung muss man das eigentlich nur, wenn etwas von der Ausrüstung unterwegs kaputt geht oder man etwas verliert bzw. irgendwo vergisst. Das beweist aber, dass sich fast jeder Gedanken macht und sich vorbereitet auf so einen langen Fußmarsch.


Wie geht man also so eine Sache an? Wie entscheidet man, was mit auf den Weg darf und was nicht?

Das hängt von einigen Faktoren ab:

  1. Warum laufe ich? Die Motivation – warum nehme ich diese Strapazen auf mich? Hat es spirituelle, gesundheitliche, seelische, kulturelle oder sportliche Gründe? Es ist durchaus ein Unterschied, ob man bewusst von seinem stressigen Leben mal ne Pause machen und bewusst Verzicht üben möchte oder ob man als Tourist die Kultur eines Landes erleben will, ohne auf Komfort verzichten zu wollen. Sportler neigen zu Extremen in die eine oder andere Richtung und sind oft nicht so richtig ein zu klassifizieren.
  2. Wo laufe ich? Da geht es zunächst um das vorherrschende Wetter, um das allgemeine Klima der Zielregion, über das ich mich informieren muss. Doch auch andere Komponenten gilt es zu beachten: Innerhalb Europas bewegen wir uns (auch in wirtschaftlich weniger starken Regionen) durch Industrieländer. Die Versorgungslage ist überall recht gut. Man muss keine Angst haben, zu verdursten oder zu verhungern. Auch die Ausrüstung kann man fast überall ergänzen vor Ort. Es gibt kaum gefährliche Tiere. Die Menschen sind (zum Großteil) zivilisiert und hilfsbereit. Wer echtes Abenteuer sucht, ist in Europa fast überall fehl am Platze. Wie ist das Terrain, in dem ich mich bewege? Habe ich große Höhenunterschiede zu bewältigen? Gibt es ausgesetzte oder gefährliche Stellen? Wie ist die vorherrschende Weg – Beschaffenheit? (Letzteres hilft vor allem bei der Schuh – Auswahl)
  3. Wann laufe ich? Es ist in Bezug auf die Ausrüstung ein Unterschied, ob ich sommerliches Wetter, Regen, Hitze oder winterliche Verhältnisse vorfinde. Hier gilt es, wie schon in Punkt zwei angedeutet, sich umfassend zu informieren. Fragen wie „Wie ist das Wetter in Spanien im März?“, machen allerdings wenig Sinn. Hier geht es um die klimatischen Bedingungen und nicht um Wettererscheinungen, die selbst der beste Wetterfrosch erst 4 Tage vorher sicher voraus sagen kann. So muss man sich beispielsweise bewusst sein, dass es im Landesinneren sehr viel trockener ist und es große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht gibt, dass es in Küstennähe und vor allem vor Gebirgsketten sehr häufig und intensiv regnet und dass es auch in südlichen Ländern in größeren Höhen bis in den April hinein Schnee geben kann.
  4. Auf was kann ich verzichten? Wie weit bin ich bereit, gewohntes bei Seite zu legen, meine Komfortzone zu verlassen? Sehe ich es als Herausforderung an, für ein paar Tage oder Wochen mit dem Nötigsten aus zukommen? Bin ich bereit zu verzichten? Bin ich bereit für ein sehr einfaches Leben, in dem es kaum Intimsphäre gibt, in dem ich mit vielen Menschen die sanitären Anlagen und die Schlafbereiche teile? Bin ich bereit auch mal was zu essen, was nicht unbedingt zu meinen Lieblingsspeisen zählt? Bin ich bereit auch mal Abstriche in der persönlichen Hygiene einzugehen? (Nicht überall kann man duschen. Nicht überall kommt das warme Wasser aus der Wand.)
  5. Wie lange? Zur allgemeinen Verwunderung vieler spielt das „wie lange?“ kaum eine Rolle bei der Auswahl der Ausrüstung. Es ist völlig Wurst, ob es am ersten oder am 26. Tag regnet oder schneit. Man kann auch nicht für jeden Tag neue Schlüpfer mitnehmen. Waschen muss man eh regelmäßig unterwegs. Also macht es wenig Sinn, viele Reserven einzupacken. Wander- oder Pilgerwege sind kein Laufsteg. Niemand wir darauf achten, dass man das gleiche Shirt bereits gestern an hatte oder dass das Haar nicht richtig gestylt ist. Jeder hat genügend mit sich selbst zu tun. Und wenn doch? – Na und?

Wichtig!

Diese Punkte sind sehr persönlicher Natur und bedürfen einer sehr individuellen Betrachtung. Deshalb ist es schwer bis unmöglich, allgemein gültige Ratschläge zu geben. Jeder muss sich das heraus picken, was zu ihm passt. Je intensiver man aber im Voraus darüber nachdenkt, umso sicherer geht man, keine Enttäuschung zu erleben.

Alles kann, nichts muss!


Meine Vorgehensweise:

Wenn klar ist, warum, wann, wo und wie lange wir laufen, sammle ich mein „Zeugs“ zusammen und lege es auf einen großen Haufen. Dann kommen zwei Kartons ins Spiel, einer für das, wovon ich glaube, was unbedingt mit muss und einer für den „Luxus“.

Dazu zählt, außer dem was ich an habe:

  • 1. Lage – 2x Unterhose, 1x Socken,
  • 2. Lage – 1x Shirt oder Hemd, 1x Wanderhose,
  • 3. Lage – Regenjacke (oder/und Poncho), Fleece (Jacke oder Pullover)
  • Kompressionstüte für die saubere Wäsche
  • leichte Sandalen für den Abend,
  • Zahnpasta,
  • Zahnbürste,
  • Seife (universelle Flüssigseife auch für die Wäsche),
  • Handtuch (Mikrofaser)
  • Sonnenschutz / Hautcreme
  • Medikamente,
  • Hirschtalg, Pferdebalsam
  • Klopapier,
  • Verbandsmittel, Tape, Knie- und Fußbandage (brauche ich manchmal)
  • Mückentötolin (Antibrumm),
  • wenig raschelnde verschließbare Tüten, in denen der Kleinkram verpackt wird
  • Sonnenbrille,
  • Schlafsack,
  • Hut,
  • Messer,
  • Nagelschere,
  • Wäscheleine,
  • Klammern (meist Sicherheitsnadeln),
  • Papiere (Credencial, Ausweise, Tickets, Geldkarten, Krankenversicherung, Unterkunftsverzeichnis),
  • Elektronik (Handy mit Kartenmaterial, Kamera mit Ersatzakku, Chipkarten und Holster, Ladetechnik),
  • Notreserve Lebensmittel (Müsliriegel, Nüsse, Trockenobst, instant Kaffee),
  • Wasserflasche,
  • Treckingstöcke

In die Schachtel für den Luxus kommen:

  • Stirnlampe,
  • leere Plastik – Dose für Lebensmittel,
  • Regenschirm mit Halter für den Rucksack
  • ein Plastikhaken (um die Wäsche in den Duschkabinen aufzuhängen)
  • ein zweites Hemd oder T-Shirt
  • Hüttenschlafsack (Seide)
  • Gamaschen
  • Mini Tauchsieder
  • Blitzgerät
  • Göffel

Von dem „Luxus“ – Karton darf nun so viel in den mit den „unbedingt“ – Karton wandern, bis zusammen mit dem Gewicht des Rucksacks maximal 8 kg erreicht sind. Das ist meine Grenze, die ich mir selbst gesetzt habe (meist lag ich drunter – je geringer desto besser!). Deshalb ist es auch gut, wenn man beim Kauf des Rucksacks nicht nur darauf achtet, dass er passt, sondern auch sein Gewicht im Auge behält. Denn das Gewicht des Rucksackes ist im Grunde totes Gewicht. Unterschreitet man die gesetzte Grenze bereits mit den Sachen nicht, die in der oberen Aufzählung stehen, muss man an deren Gewicht was ändern.

Das bedeutet, dass man jedes einzelne Gewicht kennt und recherchiert ob es davon vielleicht eine leichtere Variante gibt, um dieses Teil der Ausrüstung in leichterer Variante neu zu beschaffen. Auf diese Weise habe ich über Jahre meine Ausrüstung optimiert. Denn alles auf einmal zu kaufen, dazu fehlt erstens am Anfang die Erfahrung und zweitens geht es tüchtig ins Geld. Gerade die UL Sachen sind recht preisintensiv. Es ist also gar nicht notwendig, sich in Unkosten zu stürzen und immer das neuste, schönste, beste und leichteste zu haben. Eigentlich macht es auch mehr Spaß, auf diese Weise nach und nach sein Optimum anzustreben.


Falls dazu Fragen auftauchen, bin ich gerne bereit individuell mit Rat und Tat zur Seite zu stehe. Dazu gibt es unten das Formular für die Kommentare oder noch besser das Kontaktformular oben im Menü.

Der gesamte Blog ist so zu verstehen, dass ich aus meiner Sicht und auf der Grundlage meiner Erfahrungen berichte. Nichts sollte als Dogma aufgefasst werden. Ich will Denkanstöße liefern oder bei Entscheidungen vielleicht ein bisschen unterstützen.

Nichts mehr und nichts weniger…..