Der Kerryway 9. Etappe Kenmare – Killarney

Rose Garden B&B Kenmare

Es gibt für diese letzte Etappe mehrere Varianten, die wir besprechen mussten. Der Weg nach Killarney trifft am sogenannten Lassopunkt, an dem wir vor 9 Tagen zum Black Valley abbogen, auf den Abschnitt, den wir aus Killarney heraus bereits schon gelaufen sind. Diesen müssten wir also in umgekehrter Richtung nochmals gehen. Ich finde das eigentlich nicht so prickelnd. Eine Möglichkeit diesen Weg zu umgehen gäbe es, in dem man den Shuttle Bus nutzt, der vom Aussichtspunkt Ladys View einmal am Tag nach Killarney fährt. Dieser liegt nicht allzu weit weg von besagtem Abzweig. Wir müssten jedoch 13 Uhr dort sein. Das ist eigentlich zu schaffen, obwohl auch hier im Rose Garden B&B das Frühstück erst ziemlich spät ist. Also peilen wir trotzdem mal diese Variante an. Die andere Alternative wäre, die ellenlange und meiner Meinung nach langweilige Straße aus Kenmare heraus mit dem Taxi zu überbrücken und erst dort los zu laufen, wo die Straße in den Wanderweg zum Windy Gap mündet. Das machen viele so. In dem Fall würden wir aber natürlich auch die gesamte Strecke zurück nach Killarney gehen wollen und den Shuttle Bus nicht nutzen. Wir sind uns erst mal einig und laufen nach dem Frühstück gleich los, um 13 Uhr am Ladies View zu sein.


Doch es kommt ganz anders. Wir sind bereits 1,5 Kilometer gelaufen, jedoch noch in Kenmare, da bremst neben uns ein Großraumtaxi. Drinnen sitzen Christine und Arno. Sie fragen, ob wir mit wollen. Wir schauen uns kurz an und ohne weitere Diskussion steigen wir ein. Als wir dann vom Auto aus diese Straße sehen, nicken wir uns gegenseitig zu, dass das wieder mal eine gute Entscheidung war. Kerzengerade steigt dieses Asphaltband bis zum Abzweig zum eigentlichen Wanderweg an – eine elend lange Straße ohne größere Höhepunkte. Wir verpassen also nicht viel. Die Aussicht auf den Kenmare River und auf die Stadt wird am besten sein, wenn wir oben aus der Taxe aussteigen. Und so ist es dann auch. Wir bezahlen jeder unseren Obolus, richten unsere Sachen und stiefeln los in Richtung Windy Gap. Schon wieder eins!

Es ist hier scheinbar sehr beliebt, solche Pässe, auf denen einem der Wind wie durch eine Düse um die Ohren geblasen wird, Windy Gap zu nennen. Auf einem breiten Schotterweg geht es hinauf zum Pass. Es ist nicht sonderlich steil. Trotzdem nutzen wir eine Bank, um eine kleine Pause auf halber Strecke zum Gap einzulegen. Die Pause gilt jedoch eher der Aussicht, die man von hier in südlicher Richtung über die gesamte Kenmare Bucht hat, als der Erholung. Das Wetter zeigt sich heute gnädig und durch den gestrigen Regen, der den Staub aus der Luft gewaschen hat, ist die Fernsicht recht gut.

Es ist ein typischer Fotografenhimmel, dramatische Haufenwolken zwischen denen es hier und da blau hindurch blitzt. Ein Farmer kommt auf seinem Quad bergauf an uns vorbei getuckert und grüßt freundlich, in dem er seine Hand hebt. Sein Hund, der mit hängender Zunge hinter ihm her trottet, nimmt keine Notiz von uns. Nicht weit vor uns schaut er scheinbar nach seinen Schafen und kehrt wieder um. Oder führt er nur seinen Hund Gassi mit dem Quad? Schöne neue Zeit…

Noch eine kurze Anstrengung und wir erreichen das Windy Gap, welches heute gar nicht windig ist. Ich drehe mich noch mal um und verabschiede mich von der Aussicht gen Süden. Das Windy Gap liegt auf 330 Metern Höhe. Die Berge neben uns heißen Peakeen Mountain und Knockanaguish. Vor uns liegt ein Tal in dem der Galway’s River sein Einzugsgebiet hat. Dieser mündet weiter unten in den Upper Lake. Dieses Tal kennen wir bereits, allerdings von der anderen Seite. In der Ferne kann ich bereits den Abzweig erkennen, nachdem wir das erste recht steile Teilstück vom Windy Gap herunter ins Tal gegangen sind. Hin und her windet sich der Weg in Serpentinen, wodurch er weniger steil ist. Eigentlich läuft es sich heute sehr entspannt. Mehrere Bäche müssen überwunden werden, in dem man über große Steine balanciert. Mehr zur moralischen Unterstützung hängt etwas schlaff ein Seil an einer Furt neben den dicken Steinen. Ich verlasse mich lieber auf meine Stöcke. Bei Hochwasser hätten wir hier sicher ein Problem. Schon jetzt ist die Strömung recht heftig. Wobei der Bach eigentlich recht wenig Wasser führt. Vorbei an einigen Ruinen und einem scheinbar noch bewohnten Haus, gehe ich allein weiter zum Abzweig, während Andrea und Marion weiter oben sitzen bleiben.

Tja, der Kreis schließt sich. Ich bin die Runde rum, denke ich mir, als ich an den mir bereits bekannten Wegweisern stehe. Von hier sind es noch 14,5 Kilometer bis zu unserem B&B in Killarney. Ich nehme mir vor, diese Strecke zu genießen, da ich das vor 9 Tagen nicht so richtig konnte. Ich war viel zu sehr damit beschäftigt, in den Körper zu lauschen auf jedes Ziehen und jeden Schmerz zu achten und mir Sorgen zu machen. Das sollte ich unbedingt lassen, komme aber aus meiner Haut einfach nicht raus. Diese 9 Tage haben meinem Körper sehr gut getan. Ich bin wesentlich weniger außer Atem beim Aufstieg und die Schmerzen sind vergessen. Wenn man doch immer laufen könnte….

Ich halte mich am Abzweig nicht lange auf und gehe mein Tempo weiter. Von den beiden Frauen ist noch nichts zu sehen. Sie werden sich schon nicht verlaufen. Ein Stück weiter oben sehe ich sie dann auf dem breiten Schotterband nachkommen. Und sie müssten mich eigentlich auch sehen. Schön gleichmäßig und auf die Atmung achtend, steige ich durch diesen schönen verwunschenen Wald nach oben. Vorbei an unseren Rastplätzen von vor 9 Tagen erreiche ich wieder die Hochebene, über die man auf den Holzbohlen gehen muss, um nicht im Morast zu versinken. Vor dem Abstieg in eine kleine Kluft mache ich Halt und setze mich auf einen großen Stein. Hier muss in der Nähe gerade ein Bus angekommen sein. Im Gänsemarsch ziehen grüßend Tagestouristen in Stoffschlappen oder Sandalen an mir vorbei. Einige haben es sicher bereits bereut, keine ordentlichen Wanderschuhe an zu haben. Die Zeit passt. Die sind sicher mit dem Shuttlebus von Killarney zum Ladies View gefahren, um nun zurück zu laufen. Ich finde das klasse mit dem Shuttlebus. Die ganze Strecke hin und her wäre für viele sicher zu lang und zu schwer. So können aber auch die weniger ausdauernden Leute diesen wunderschönen Killarney Nationalpark sehen. Einige kommen mir auch entgegen und fragen wo es hier hin geht. „Nach Kenmare oder ins Back Walley“ sage ich. „Wie weit ist es?“ werde ich gefragt. Ich: „Etwa 3,5 Stunden in beide Richtungen.“ Mein Gegenüber, ein junges Pärchen aus den USA, bläst die Backen auf und schüttelt heftig mit den Köpfen. Sie sehen auch schon ziemlich fertig aus und drehen auf der Hacke um. Auf dem Holzbohlenweg taucht Andrea auf, Marion viel weiter hinten. Langsam gehen wir weiter, immer weiter hinunter in ein sumpfiges Tal, in dem ebenfalls die Wege mittels Holzbohlen gesichert sind. In der anderen Richtung sieht alles etwas anders aus. Ich erkenne jedoch jede Passage wieder. Ein letzter Anstieg nach diesem von vielen Bächen durchflossenen Tal und danach sollte es nur noch bergab gehen bis nach Killarney. Unterhalb des Torc Mountain treffen wir auf Christine und Arno, die auf einem Findling Pause machen.

Wir beschließen den Rest des Weges zusammen zu bleiben. Am Torc Wasserfall machen wir noch ein paar Aufnahmen. Uns ist es aber hier viel zu voll. Da müssen wieder einige Busladungen hier rauf gekrakselt sein. Statt das man reihum die Sicht auf den Wasserfall nacheinander frei gibt, drängt sich alles vor einer kleinen Mauer, die am Ende der langen Treppe hinab zum Wasserfall in einer scharfen Kurve liegt. Wir müssen etwas warten und uns ebenfalls nach vorn drängen, um noch ein paar Fotos zu bekommen. Eigentlich habe ich die ja schon von vor 9 Tagen. Aber da sah sicher alles ganz anders aus… J

Wir flüchten von diesem Hotspot und reihen uns in die Tagesausflügler ein, die vom Muckross House hier mal schnell zum Wasserfall gekommen sind und nun zurück laufen. Einige benutzen auch eine der vielen Pferdekutschen.

Am Muckross House nehmen wir diesmal einen Weg, der uns durch den sehr schön angelegten Garten führt. Seltene und imposante Bäume säumen die Wege. Hier und da gibt es künstlich angelegte Wasserläufe, an dessen Ufern wundersame Gewächse üppig sprießen und blühen. Die Rhododendren, die uns den ganzen Weg in ihrer wilden Form begleitet haben, sind hier kultiviert und blühen in allen möglichen Farben an riesigen Büschen. Was uns leider hier auch auffällt: Auf dem gesamten Weg war es bemerkenswert sauber. Kein Wanderer hatte seinen Müll hinterlassen. Auch illegale Müllablagerungen, wie man sie in meinem Heimatland leider immer mal wieder findet, konnten wir an unseren Touren nicht entdecken. Hier jedoch, wo viele Touristen hinkommen, entdecke ich sie, diese Wohlstandabfälle. Irgendwelche Idioten haben ihre Kaffeebecher einfach neben die Wege geworfen. Ich kann die Unsitte, seinen Kaffee statt am Tisch auf einem Stuhl sitzend, im Laufen zu trinken, sowieso nicht verstehen. Wenn man dafür nicht mal mehr die Zeit findet, sollte man über sein Leben und seine Prioritäten nachdenken. Mir fällt auf: Kaum bin ich wieder in der „Zivilisation“ könnte ich mich nur noch aufregen über viele meiner Mitmenschen, über ihre Ignoranz, ihre Rücksichtslosigkeit und ihren Egoismus. Also schnell weiter….

Am Lough Laine entlang verschwinden wir wieder auf den schmalen Uferweg, auf dem wir schon vor 9 Tagen kaum andere Leute sahen. Auch heute sind wir hier fast allein und können in aller Ruhe die Aussicht über den See genießen. Heute allerdings ist der Himmel nicht ganz so blau wie damals. Dann ist es endgültig vorbei mit der Idylle. Wir biegen auf den breiten Asphaltweg neben der N71 ein. Lärmende Autos rasen vorbei und dieser Radweg zieht sich. Alle gleichzeitig bekommen wir irgendwie Lust auf ein kühles Guinness. Die Hotelrestaurants auf der anderen Straßenseite sind uns zu fein. Da würden wir in unserem Outfit sicher unangenehm auffallen. Nach so einem verwanderten Tag riecht man auch nicht mehr ganz so gut. Ganz normal! Also finden wir uns schon damit ab, was in der Tanke kaufen zu müssen und uns an den Wegesrand zu setzen, um den Abschluss unserer Wanderung zünftig zu begießen.

Da sehen wir etwas versteckt hinter einem Parkplatz „Saddlers Pup“. Mit mit einem Pup haben wir hier draußen am Stadtrand eigentlich gar nicht gerechnet. Also schnell hinein. Wir sind die einzigen Gäste und nehmen uns richtig Zeit für ein/zwei Guinness. Und wir verabreden uns für heute Abend, da Christine und Arno in einem anderen B&B übernachten. Das soll wohl fast einen Kilometer weiter in Richtung Stadtzentrum sein. Unsere Unterkunft erreichen wir nach nur wenigen Metern. Wir biegen ein auf den Parkplatz des Sleeve Bloom Menor und hoffen, dass wir diesmal hier unterkommen. Die junge Frau, die uns schon am Anreisetag begrüßt hat, öffnet die Tür und freut sich sichtlich über das Wiedersehen. Unser Gepäck steht schon im schmalen Flur. Ich übergebe den letzten Voucher und wir erhalten die Zimmerschlüssel. Das Zimmer ist geräumig und hell, das Fenster zum Parkplatz raus. Nach der Dusche wird es dann Zeit, dass wir losgehen. Schließlich wollen wir uns ins Nachtleben von Killarney stürzen. Auf dem Weg in die Stadt beginnt es zu regnen. Mein Handy klingelt. Es ist Arno. Eine Verbindung kommt leider nicht zu Stande. Wir sehen Christine aber bereits an der Tankstelle. Und auch Arno kommt um die Ecke. Hat doch geklappt….

Das Überangebot an Pups in Killarney macht es einem nicht leicht, die richtige Auswahl zu treffen. Zunächst suchen wir was für das Abendessen. Arno fragt in einem Laden nach, wo man hier gut und günstig essen könne. Man verweist uns ins „The Laurels“. Also rein in den Laden… Man ist das voll hier! Wir stehen am Eingang in einer Menschentraube. Die betteln alle hier um Einlass. Mit den Fingern zeigen wir immer wieder, dass wir fünf Personen sind. Und wie durch ein Wunder werden wir an den anderen vorbei durch den großen langen Gastraum geführt, in dem natürlich jeder Platz besetzt ist. Ahh, da hinten geht es noch weiter! In einem weiteren Raum ist gerade noch ein Sechser Tisch frei. Die Karten kommen und bei der Frage nach den Getränken können wir ohne Überlegung sofort antworten. Wenig später stehen 5 Guinness auf dem Tisch. Die sind wirklich flink hier. Was ja einerseits positiv ist, jedoch leidet dadurch meiner Ansicht nach sehr die Gemütlichkeit. Ich habe den Eindruck, man will hier in möglichst kurzer Zeit viele Gäste „abfüttern“, um möglichst schnell wieder freie Plätze für die nächsten Hungrigen zu haben. Das würde auch erklären, weshalb man hier für fünf Personen eher einen Tisch bekommt als für zwei. Das Essen kommt. Ich habe mich für gebackene Ente entschieden. Und das was sich hier vom Teller gerade in meinen Magen bewegt, hinterlässt pure Begeisterung. Ich kann es nur wiederholen, trotz aller Vorurteile über das Essen auf den Inseln: Die können hier richtig gut kochen. Soweit lag man schon mal richtig mit dem Tipp. Nur dieses Drumherum missfällt uns etwas. So beschließen wir wirklich, nach dem Essen das Lokal bzw. den Pup zu wechseln. Das Essen hier ist wirklich empfehlenswert. Aber sonst versaut man sich den guten Eindruck durch eine übertriebene Hektik und das nur auf Profit ausgerichtete Geschäftsgebaren.

Wir stehen also gesättigt wieder auf der Straße. Arno verschwindet sofort wieder in einem Laden, um zu fragen, welchen gemütlichen Pup mit Lifemusik man hier empfehlen kann. Er verkündet das Ergebnis. Wir müssen gar nicht weit laufen. Schräg gegenüber in der Main Street Number four befindet sich der Pup „John M. Reidy“. So wie wir mitbekommen, gehört die Bäckerei links daneben dazu und mutiert abends vom Kaffee zum Pup. Hier ist bereits richtig was los. Vorn am Schaufenster (des ehemaligen Kaffees) sitzt ein kräftiger Mann mit Gitarre und lässt den Saal toben. Jeder hier singt den Refrain mit. Nun kann ich hier leider nicht singen (ist sicher auch besser…). Ich versuche es aber mal so: Bei uns ist der Titel der norddeutschen Blödelsänger Klaus und Klaus so bekannt: „An der Nooordseeee Küsteeee – am plattdeutschen Straand – sind die Fiiische im Wassaa – und selteen an Land!“ Ich glaube jetzt weiß jeder welche Melodie gemeint ist. Hier ist es ein irisches Volksied. „The Wild Rover“ erzählt die biblische Geschichte vom verlorenen Sohn. Es ist ein beliebtes Trinklied, dass jede Folk – Band im Repertoire hat und klingt hier so: And it’s no, nay, never, (klapp – klapp – klapp – klapp) No nay never no more, (klapp – klapp) Will I play the wild rover (klapp) No never no more. (Die Leute werden zwischen den Zeilen zum Klatschen (klapp) motiviert. Das Lied wird den Iren wahrscheinlich schon mit der Muttermilch eingeimpft und so singt hier jeder den Text mit. Der Musiker hat es damit sehr leicht, die Stimmung anzukurbeln.

Das ist klasse hier. Mir läuft ein Schauer über den Rücken und ich habe Gänsehaut. Doch das ist noch längst nicht alles. Dieser Pup mutiert zu einem Labyrinth. Immer mehr Räume und noch mehr Tresen kommen zum Vorschein. Durstig geht hier sicher niemand nach Hause. Zudem die Iren ja den Ruf besitzen, recht trinkfest zu sein. Und ich kann euch sagen: Sie werden hier ihrem Ruf mehr als gerecht. Jede Ecke wurde hier gekonnt in Sitzmöglichkeiten verwandelt. Und wer nicht sitzt, steht um die Whiskeyfässer, die auf dem mit Planen überspannten Innenhof aufgestellt sind. Auf einer provisorischen Bühne sitzen drei junge Burschen mit ihren Instrumenten, einer Gitarre, einer Geige und einem Akkordeon und machen eine klasse Musik. Sofort zücke ich das Handy und nehme die Stimmung auf Video auf.

Dass es in Strömen regnet und hier und da sich das Regenwasser von den provisorischen Planen ergießt, stört hier niemanden. Irgendwann finde ich zwischendurch auch mal Zeit, die vielen Bilder, Urkunden, Blechwerbeschilder und die vielen mitunter seltsamen Exponate und Geräte anzusehen. Allein hierfür würde man Tage brauchen, wenn man vorhaben sollte, alles anzusehen zu wollen. Die drei Jungs spielen fast ohne Pause. Vor ihnen steht ein Glas, in das man eine Spende legen kann. Auch einer meiner Scheine verschwindet darin. Der Applaus und die paar Scheine sind der Lohn für die Kunst. Ich denke aber, dass viele solche Bands mal genauso angefangen haben, sich einen Namen zu machen. Man spürt, wie viel Spaß auch sie selbst an ihrer Musik haben.

Wir haben gerade Spaß mit dem Nebentisch. Eine alte Frau tanzt ausgelassen mit jedem, der es möchte. Christine gehört auch dazu. Und so erfahren wir, dass sie aus den USA mit ihren Nachkommen hier her auf Urlaub gekommen ist, um ihren Verwandten die Heimat und den Ursprung der Familie zu zeigen. Sie selbst ist vor vielen Jahren mit ihrem verstorbenen deutschen Mann ausgewandert in die USA. Und als die Leute mit bekommen, wo wir her kommen und weshalb wir hier in Irland sind, geht so richtig die Post ab. Die alte Frau sieht überglücklich aus. Wobei ich mir langsam Sorgen mache, ob sie sich nicht etwas übernimmt. Als sie sich endlich nieder setzt, ziehen wir weiter in den nächsten Raum.

Hier fällt sofort eine größere Männergruppe in gleichen Pullovern auf – vielleicht ein Chor?? Sie singen jedenfalls aus voller Brust jeden Titel mit, den der Alleinunterhalter da vorn mit seiner Gitarre anstimmt. Aber das tun sowieso alle hier. Als einer von ihnen mitbekommt, dass wir Deutsche sind, holt er all seine deutschen Vokabeln heraus und haut sie mir um die Ohren. Es ist schon bemerkenswert, wie gut wir als Deutsche hier ankommen, wo doch sonst nicht geleugnet werden kann, dass es mit unserem Ansehen in der Welt oft nicht zum Besten bestellt ist. Ich denke aber, dass das hier in Irland an sich einfach nur ein sehr freundliches Völkchen ist. Null Uhr ist der Spaß dann schlagartig vorbei. Security durchstreift den Pup und fordert die eben noch Feiernden freundlich aber bestimmt auf, auszutrinken, die Kneipe zu verlassen und nach Hause zu gehen – Polizeistunde. Und wirklich, ohne ein Murren verlassen alle sehr diszipliniert den Ort. Na das möchte ich bei uns mal erleben.

Ross Castle

Morgen haben wir noch fast einen ganzen Tag in Killarney, da der Flieger erst am Abend geht. Wir werden einen Woll – und Souvenirladen nach dem anderen durchstreifen, Christine und Arno verabschieden, die bereits gegen Mittag zum Flughafen müssen, mittags schnell was essen und dann noch zum Ross Castle hinaus laufen. Da es dort anfängt stark zu regnen, werden wir doch noch zu einer Kutschfahrt kommen. Der Tag wird irgendwie vertrödelt und in dem ihr das hier lesen könnt, wisst ihr, dass wir wieder gut zu Hause gelandet sind.

Was bleibt nun von diesem Kerryway? Da sind vor allem die atemberaubenden Landschaften rings um die höchsten Berge Irlands. Da bleiben die Strände und die Felsküsten in Erinnerung. Und da bleibt vor allem dieses Grün in seinen vielen Schattierungen, welches selbst bei Regenwetter leuchtet. Da sind glasklare Seen und Bäche, die eine Farbe angenommen haben, als würden sie Whiskey transportieren. Da sind die unzähligen Weiden mit ihren bunt gesprühten Schafen und die noch unzähligeren Überstiege dazwischen. Da ist ein Land voller freundlicher Menschen, die Lust machen auf mehr. Denn ich denke, wir waren nicht zum letzten Mal auf der grünen Insel. Wir haben bereits den Dingle Way in der Planung. Wann? Das wissen wir noch nicht so genau.

Aber eins wissen wir: So lange es die Gesundheit gestattet, werden wir weiter laufen und ich werde davon berichten. Wenn euch dieser Bericht gefallen hat, dann freue ich mich immer über einen kleinen Kommentar. Wenn nicht, dann fangt von vorn an zu lesen. Vielleicht wird er beim nächsten Mal besser. Die Fehler bitte ich zu entschuldigen. Ich habe leider kein Lektorat zur Durchsicht. Und ich selbst übersehe oft Faslefeler. Wer welche findet, kann sie selbstverständlich behalten. Wenn jemand Fragen hat zu diesem Weg oder zu anderen, die wir gegangen sind, werde ich diese natürlich nach bestem Wissen und Gewissen antworten.

Macht´s gut bis zum nächsten Mal,

Euer Gert.

 

2 thoughts on “Der Kerryway 9. Etappe Kenmare – Killarney

  1. Hallo, bin durch Marion auf diesem Blog gestoßen …

    Wirklich toll geschrieben und es hat mich zum nachahmen animiert …

    Vielen Dank für die tollen Bilder und Eindrücke auf dieser Tour…

    Wünsche Euch noch viele solche Erlebnisse

    Lg

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