Die Kamera

Die Kamera

1631 Camino PrimitivoIch bin bekannt dafür, dass ich viel fotografiere und auch filme. Dafür hat sich bei mir ein umfangreiches Equipment angesammelt. Ich nenne mehrere DSLR Bodys (digitale Spiegelreflex Kameras) mit diversen Objektiven von „Fischauge“ bis „Tele“ mein eigen. Auf diesem Sektor habe ich mich für die Canon Kameras entschieden, da hier das größte Angebot an Zubehör verfügbar ist. Jahrelang habe ich diese Kamera durch die Alpen geschleppt, zusammen mit einem HD Camcorder der Firma Canon (HV20).

Mit der Entscheidung für die 800 Kilometer Jakobsweg musste ich auch eine Entscheidung zur Technik treffen. Denn weder Gewicht noch Platz entsprach meinen Vorstellungen. Also hieß es Kompromisse einzugehen, ohne meinen Qualitätsanspruch zu sehr aufzugeben. Eine Kompaktkamera musste her, die gute Fotos macht, in HD Format filmt, klein und leicht ist. Zudem sollte der Akkuverbrauch sich in Grenzen halten. Denn ob man überall unterwegs laden kann, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ich war weder bei Facebock noch in einem Forum angemeldet. (Ja, das geht!!)

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Sony Sybershot DSC HX5V

Mein Kumpel Jörg kam mir zu Hilfe, der sich gerade eine neue Kamera gekauft hatte und mir seine Sony DSC HX5V überließ. Und das war genau das, was ich gesucht hatte. Neben den schon angesprochenen Eigenschaften hatte sie auch noch einen recht guten 10 fach Zoom und machte hervorragende Videos im full – HD Format. Das „V“ im Namen steht für einen GPS Chip in der Kamera, welcher jedes Foto mit einem sog. GPS Tack versieht. Man weiß also später genau, wo das Foto geschossen wurde, eine prima Hilfe gerade auf solch langen Wegen. Eine Funktion dieser Kamera lernte ich besonders in Umgebungen mit wenig Licht schätzen. Sie heißt „handgehalten bei Dämmerung“. Auch ohne Blitz kann man so recht gute Fotos in Räumen und in der Dämmerung machen. Ich hasse es, wenn z.B. in Museen oder Kirchen geblitzt wird. Meist ist es sogar verboten.

Kurz und gut: Alle Fotos vom Camino Frances sind mit dieser Kamera gemacht.

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Sony Sybershot DSC HX9V

Doch das Leben geht weiter. Jörg kaufte sich eine neue Kamera und fragte mich, ob ich seine HX9V haben will. Natürlich sagte ich zu und bin ihm heute noch sehr dankbar. Denn neben der erhöhten Pixelzahl, auf die ich eigentlich keinen Wert lege, hatte die nun einen 16 fach Zoom. Mit dieser Kamera war ich auf dem Camino Primitivo und auf dem 1. Teil des ökumenischen Pilgerweges unterwegs. Es mag paradox klingen, aber Pilger sind im Grunde lauffaul. Jeder Meter zurück oder in die falsche Richtung schmerzt und bringt einen vom eigentlichen Ziel ab. Also holt man sich das gewünschte Motiv mittels Zoom heran. Den hatte diese Kamera um so mehr. Auch der Bildstabilisator im Foto- und auch im Videomodus war etwas besser. Wenn auch nicht so gut wie bei meiner nächsten Kamera:

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Sony Sybershot DSC HX20V

… wen wundert es, eine Sony DSC HX20V. Die hatte nun einen sagenhaften 20 fach Zoom, war deshalb aber auch etwas größer und schwerer. Diese Kamera begleitete mich auf dem Pilgerweg Mecklenburgische Seenplatte, auf dem zweiten Teil des ökumenischen Pilgerweges und auf dem ersten Teil des sächsischen Jakobsweges. Mit ihr kann man nicht nur Fotos taggen, also mit GPS Daten versehen, sondern auch den zurück gelegten Weg aufzeichnen. Zu meinem Erstaunen ist der Akku – Verbrauch nur geringfügig höher, wenn man das GPS Modul aktiviert. Auch bei dieser Kamera gab es eine deutliche Verbesserung des Bildstabilisators. Man sieht es besonders deutlich, wenn man im Gehen filmt. Die Kamera erkennt dies und schaltet einen entsprechenden Modus ein, in dem nochmals wesentlich mehr stabilisiert wird. Man scheint über dem Weg zu schweben. Auf der Leinwand wirkt das viel angenehmer für die Augen als das rum – Gewackel ohne Stabi. Doch irgend wann war auch für diese Kamera die Zeit gekommen für eine Trennung.

die jetzige:

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Sony Sybershot DSC HX50V

Das ist eine Sony DSC HX50V. Sie ist wieder etwas größer, was aber kein Wunder ist. Denn dieser mächtige 30 fach Zoom muss ja irgendwo rein passen. Und Optik hat nun mal was mit Länge zu tun. Die Physik kann man nicht verarschen. Diese Kamera besitzt neben den weiter entwickelten Eigenschaften der Vorgänger zusätzlich ein Wlan Modul, mit dem es möglich ist, seine Fotos aufs Handy zu übertragen oder die Kamera mittels einer App fern zu steuern. So war es auch möglich, Fotos von dieser Kamera auch ohne PC von unterwegs ins Netz zu stellen oder nach Hause zu schicken. Das ist sicher kein wichtiges Gimmick aber wenn sie es schon mal hat? Das Display ist wieder etwas größer und kontrastreicher geworden. Einen Sucher vermisse ich wirklich nicht mehr. Ich ertappe mich manchmal, dass ich bei meiner DSLR auf das Display starre und mich wundere, dass da kein Sucherbild erscheint.

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Systemblitz Sony HVL F20M

Da der interne Blitz, welcher an einer etwas abenteuerlich wirkenden Konstruktion auf Knopfdruck aus dem Gehäuse schnellt, etwas schwach auf der Brust ist, freue ich mich besonders über den angebrachten Blitzschuh. Man kann hier ein einfaches Blitzgerät mit höherer Leitzahl drauf stecken aber auch etwas in die Tasche greifen und für etwa 100 Euro den Systemblitz für diese Kamera von Sony kaufen. Das loht sich wirklich. Der ist recht kompakt für seine Leistung. Er besitzt eine Leitzahl von 20, einen Tele bis 50mm und einen Diffusor. Der Kopf ist für das indirekte blitzen nach oben verstellbar und er ist fernsteuerbar. Mit zwei ganz normalen AAA Alkalibatterien ist er lange einsatzbereit.

Und da sind wir bei der Stromversorgung: Weil die letzten zwei Kameratypen nicht mehr über ein externes Ladegerät verfügten, man den Akku also im Gehäuse laden muss, suchte und fand ich ein externes Ladegerät, welches einen zusätzlichen USB Anschluss (5V 1A) hat, mit dem man auch noch sein Handy laden kann. So erspare ich mir die Mitnahme eines Ladegerätes für das Handy. Schade nur, dass die HX50V einen neuen Akku hat. So musste ich nochmals auf die Suche gehen. Gefunden habe ich dieses hier, welches wirklich gut funktioniert. Solche Geräte aus dem Land des Lächelns gibt es auch zusammen mit preiswerten Ersatzakkus. Solche Akkus nutze ich seit Jahren, da mir die originalen einfach zu teuer sind. Und ich habe noch nie damit Probleme gehabt. Manche halten sogar länger als die Original – Akkus.

Ja, was gehört noch dazu? Auf jeden Fall eine gute wasserdichte Bereitschaftstasche. Ich bevorzuge eine, bei der der Deckel mittels Klettverschluss geöffnet werden kann und der ganz über den Korpus passt. Etwa so hier… . Natürlich muss man auf die Maße achten, damit man nicht fummeln muss, um die Kamera aus der Tasche und sie wieder hinein zu bekommen. Ich trage eine solche Tasche am linken Schulterriemen des Rucksackes in Brusthöhe. So ist sie jederzeit einsatzbereit. Denn ein gutes Motiv wartet nicht. Die Kamera ist dabei über einen schmalen Riemen gesichert, den ich um den Hals trage. So ist sie bereits manchem Sturz entkommen, der ihr sicher nicht gut getan hätte.

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Wechsel des Objektives an meiner HX9V

Leider gibt es nicht nur gutes über diese Sony Kameras zu berichten. Die Objektive sind nicht besonders strapazierfähig. Und gegen Staub sind sie recht empfindlich. Bei allen Kameras kam es nach einiger Zeit zu Störungen, die sich wie folgt äußerten. Beim Herausfahren des Objektivtubus blieb der Motor nicht mehr stehen. Nur ein Schlag auf das Gehäuse ließ ihn verstummen. Bei allen Kameras kam es zu diesem Fehler trotz völlig unterschiedlicher Objektive. Da kann man bereits von einem Serienfehler sprechen, auch weil ich nicht der einzige bin, bei dessen Kamera diese auftrat. Ein Schelm der dahinter Absicht vermutet. Zum Glück bin ich in der Lage, so ein Objektiv selbst zu wechseln. Und solche Objektive gibt es recht preiswert (25 bis 49 Euro) im Netz (leider nur in China oder den USA). Die Reparatur lohnt aber auf alle Fälle.

Schade auch, dass sich Sony immer noch nicht durch gerungen hat, auch diesen Reisekameras mit großem Zoom die Möglichkeit zu geben, im nativen RAW Format zu speichern. Da sind andere Hersteller bereits weiter. Aber man will offensichtlich die sehr hohen Preise der Flagschiffe (hier die Sony DSC-RX100 III, die immerhin mehr als das doppelte der HX50 kostet!) begründen. Wobei ich sagen muss, dass die RX100 schon sehr gute Fotos macht.

Ansonsten machen diese HX Kameras eine sehr gute Figur und sind für mich DIE Reisekamera.

Ich habe mich intensiv nach geeigneten Kandidaten anderer Hersteller umgesehen. Die kochen alle nur mit Wasser und haben hier und dort ihre Problemfälle. Die eine kann diese nicht, die andere das. Nach Abwägung aller für und wider, unter Beachtung meiner Vorlieben und gesetzten mindest – Erfordernisse bin ich immer wieder bei diesen Kameras hängen geblieben. Und ich bin immer noch der Überzeugung, dass die genau zu mir passt.

Zu Hause nehme ich natürlich meine DSLR. Da kommt keine Kompaktkamera mit.

1070 Camino Primitivo