ökumenischer Pilgerweg 2. Teil – Der Tag des Regens

Der Titel sagt eigentlich schon alles. Die gestrige Wetterbesserung ist leider nur von kurzer Dauer. Der erste Blick nach dem Aufstehen wiegt uns zwar noch in Sicherheit. Aber in dem wir unseren ersten Fuß auf die Straße stellen, fängt es an zu regnen. Und es hört auch den ganzen Tag nicht auf damit.
Frühstück bei Monika

Frühstück bei Monika

Wir haben uns für sieben Uhr bei Monika fürs Frühstück angemeldet. Sie muss zur Arbeit und wir wollen natürlich nicht ihre Tagesablauf zu sehr stören. Als wir von Oben herunter kommen, ist sie bereits dabei den Tisch zu decken und auch alles für die Pilgeroase fertig zu machen, in dem sie den Kaffee und den Tee in die Thermoskannen abfüllt. Ein paar Matratzen hat sie auch schon wieder geschleppt. In einem leeren Raum im Erdgeschoss liegen nun auch noch Matratzen. „Wenn nun Pilger kommen und bei mir ist mit den 11 Personen, die sich bereits angemeldet haben alles schon belegt? Die kann ich doch nicht vor der Türe stehen lassen….“. Ich glaube das sagt alles über Monikas Einstellung und Engagement. Nun sitzen wir am üppig gedeckten Frühstückstisch und versuchen Monika unsere Dankbarkeit auszudrücken, was sicher nur teilweise gelingt.

 

Im Radio laufen gerade die Nachrichten und danach gibt es Musik. Das die Nachrichten in sorbischer Sprache gesendet werden, das war mir schon klar. Aber dass es auch in sorbischer Sprache produzierte moderne Popmusik gibt, ist mir neu. Für unsere Ohren klingt es ein wenig fremd. Die Sprachmelodie hat etwas völlig Eigenes und klingt, obwohl es alles slawische Sprachen sind, weder Polnisch noch Tschechisch. Als Jugendlicher im Lehrlingswohnheim mussten wir mal in so einer Art Chor ein sorbisches Lied einstudieren. Das war für uns ein Zungenbrecher und klang sicher seltsam. Das ist auch das einzige, woran ich mich noch erinnere. Der Text ist längst entschwunden. Trotzdem bekommt man es unweigerlich mit der sorbischen Kultur zu tun, wenn man so lange Zeit hier wohnt. Monika sorgt an ihrem Arbeitsplatz dafür, dass die Sprache und die Kultur nicht von der deutschen erdrückt wird. Es wäre auch sehr schade darum. Auch sonst wird alles getan, die Kultur der Sorben am Leben zu erhalten. Es gibt sorbische Schulen, in denen Sorbisch Unterrichtssprache ist. Es gibt deutsche Schulen, an denen Sorbisch als Fremdsprache gelehrt wird. Das Brauchtum wird von Vereinen und Dorfgemeinschaften gepflegt. Diese Erfahrung habe ich bereits schon vor vielen Jahren gemacht, als wir noch DDR Bürger waren. Dies ist nur ein Thema, worüber wir uns am Frühstückstisch unterhalten.
Ortsausgang von Crostwitz

Ortsausgang von Crostwitz

Eigentlich gäbe es noch viel zu erzählen und viel zu erfahren. Aber irgend wann wird es für Monika Zeit auf Arbeit zu kommen und für uns wird es Zeit, den Rucksack zu schnappen und Platz für die nächsten Pilger in Crostwitz zu machen. Monika wird ganz feierlich und spricht für uns noch den Pilgersegen, bevor wir uns voller Dankbarkeit verabschieden. Eigentlich dachten wir, Betina würde sich uns anschließen. Aber sie bummelt etwas rum und alles spricht dafür, dass sie heute lieber allein gehen will. Später hatte ich den Eindruck, dass sie fürchtete, uns zu stören. Als sie dann am nächsten Tag immer wieder fragte, ob sie wirklich mit uns gehen kann, sagte ich: „Wenn Du jetzt noch mal fragst, lassen wir dich wirklich allein, also Schluss damit.

Wir werden uns schon melden, wenn Du lästig wirst.“sagte ich grinsend. Heute jedoch gehen wir eine ganze Weile vor ihr aus dem Haus. Betina will unterwegs noch einen Zweigbetrieb ihrer Firma besuchen und die Leute kennen lernen, die sie sonst nur vom Telefon kennt. Na die werden gucken. Sicherheitshalber haben wir die Telefonnummern und Adressen ausgetauscht. Ich bringe also unseren Schlüssel zurück zum Uhrmacher und schon stiefeln wir wieder los. Und…. es regnet. An den Feldweg von Crostwitz und Panschwitz Kuckau kann ich mich noch ganz dunkel erinnern. Er nennt sich Trebenja und ist an vielen Stellen den galicischen Hohlwegen ähnlich. Kurz vor Panschwitz zweigt der Pilgerweg nach links ab. Das ist ein Umweg, führt aber über ein Stück originale Via Regia in den Park des Klosters St. Marienstern. Da ich das weiß und auf Umwege bei diesem Wetter keine Lust verspüre, gehen wir weiter geradeaus und ersparen uns hast einen Kilometer. Am Ortseingang muss ich mir aber die Zeit für ein Foto nehmen. Andrea knipst mich so, wie ich 1976 schon an diesem Ortseingangsschild gelehnt habe. Irgendwo muss das Foto doch noch sein…? Ahh, da ist es:

Ortseingang von Panschwitz Kuckau gestern

Ortseingang von Panschwitz Kuckau gestern

 

und heute

und heute

Bergab gehen wir nun an den hohen Klostermauern entlang bis zum Eingangsportal des Klosterhofes. Hier wurde schon damals das Klostergut betrieben und so wie andere Bauern in anderen Dörfern auf der LPG arbeiteten, gingen hier die Landarbeiter aufs Klostergut. Die Klosteranlage hat seit damals viel Farbe bekommen und sieht im Gegensatz zu früher sehr einladend aus mit seinen rot abgesetzten hellen Fassaden.
Kloster St. Marienstern

Kloster St. Marienstern

Wir folgen dem Weg zur Klosterkirche und treten ein in den großen Kirchenraum, der schon halb gefüllt ist. Das Zisterzienser Kloster St. Marienstern betreibt schon seit Jahrzehnten ein Heim für geistig behinderte Menschen. Ich kann mich sehr gut an die Schwestern erinnern, die mit den weniger schweren Fällen Spaziergänge im Dorf oder im Klosterpark unternahmen. Ansonsten bekam man die Zisterzienserinnen kaum zu Gesicht. Für uns als Jugendliche waren die Klostermauern was sehr geheimnisvolles und fremdes. Und wir waren doch sehr neugierig, was dahinter war. Doch man bekam wenig Einblick in das Leben des strengen Ordens. Nur manchmal sahen wir die Mutter Oberin mit ihrem Wartburg Tourist nach Kamenz fahren, um am Bahnhof ein junges Mädchen, wahrscheinlich eine Novizin abzuholen. Wir sitzen nun ganz weit hinten in der Kirche und lauschen den Worten des Pastors, der eine Messe für die Bewohner des Heimes zelebriert. Damals vor 36 Jahren wäre ich nie auf die Idee gekommen, in eine Messe zu gehen, obwohl die hier regelmäßig statt fand. Sachsen ist eigentlich protestantisch, die Sorben der Oberlausitz aber katholisch. Ich konnte damals wenig anfangen damit und die Kirche und der Glaube, gleich in welcher Religion oder Glaubensrichtung, waren mir fremd und etwas unheimlich. Meine Erziehung ist wie bei vielen Ostdeutschen atheistisch geprägt. Meine Neugier konnte ich mir aber erhalten. Und obwohl ich mit der Institution Kirche immer noch nicht viel am Hut habe, interessiert mich das Christentum wegen seiner humanistischen Grundeinstellung, die es nach der Überwindung der Wirren und Fehltritte im Mittelalter (ich meine damit Inquisition oder Kreuzzüge) vertritt. Mit vielen Dingen kann ich mich aber nicht identifizieren, was mit meiner Erziehung und meiner wissenschaftlichen und sehr weltlichen Weltanschauung zu tun hat.

vor der Messe

vor der Messe

Die verbietet mir jedoch nicht, über den Gartenzaun (oder hier über die Klostermauer) hinweg zu sehen, um aufgestaute Vorurteile und Unverständnis abzubauen. So sitze ich also hier auf einem Platz, auf dem ich mich vor vielen Jahren nie in der Zukunft gesehen hätte und lausche einem katholischen Priester. Und was er da sagt, sagt er so, dass die Heimbewohner es verstehen. Man sieht in den Gesichtern, wie viel Freude im Raum ist. Und wir erleben, wie ein kleiner Chor von geistig behinderten Jugendlichen voller Freude und Inbrunst einige Lieder anstimmt. Und die halbe Kirche mit singt. Dann beginnt der Pfarrer seine Predigt. Wir glauben uns zu verhören und blicken uns etwas verwundert an. Denn er spricht zum Thema „Der Weg ist das Ziel“. Wir beziehen jedes Wort auf uns. Wir sind aber sicher, dass er uns, ganz weit weg in den hinteren Reihen, nicht wahrnehmen konnte. Es ist nicht das erste Mal, dass uns bzw. so etwas schwer erklärbares auf einem Pilgerweg geschieht und eines jener Dinge, die mein sehr rational denkendes Gehirn nicht erklären kann. Also lasse ich es geschehen und freue mich darüber. Weniger Freude haben wir dann aber, als wir die Kirche wieder verlassen. Im Torbogen des Klosterhofes legen wir die Rucksäcken nochmals ab, um die Regenüberzüge, die wir am Morgen vergessen hatten über zu ziehen. Zum Glück sind die Rucksäcke auch ohne Schutz recht wasserdicht, so dass noch kein Schaden am Inhalt entstanden ist. Schade, dass ich bei diesem Wetter keine Lust mehr verspürte, noch einen größeren Rundgang durch den mir vertrauten Ort zu machen. Ein paar Fotos vor der ehemaligen Konsum – Gaststätte, die sich jetzt „Karstens Bierstube“ und „Restaurant“ nennt und in der wir so manchen Abend an fleckigen Tischdecken mit Klosterbräu oder Bautzener Bier und Kamenzer Würsten mit Bauztner Senf verbrachten müssen jedoch sein.

die Konsumgaststätte gestern

die Konsumgaststätte gestern

heute Karstens Bierstube

heute Karstens Bierstube

Auch vom Klosterwasser, einem Flüsschen, was die Ortsteile Panschwitz und Kuckau trennt und von der Straße, die wir so oft hoch und runter gelaufen sind, um zur Kneipe zu gehen. Das klingt jetzt so, als wäre ich damals ein Trinker gewesen. Bier war zu DDR Zeiten wirklich billig und in den Kneipen sogar billiger als im Laden. Aber das magere Lehrlingsgehalt (64 DDR Mark!) ließ das gar nicht zu, sich regelmäßig zu betrinken. Von dem Geld mussten auch noch 32 Mark für das Wohnheim und das Essen abgezogen werden. Eine Bahnfahrt nach Hause kostete hin und zurück 16,10 Mark und das Busgeld nach Kamenz zur Berufsschule 3,60 Mark die Woche. Da blieb nicht viel übrig, wenn die Eltern nicht was zugebuttert hätten. – Mein Gott, an was man sich alles noch erinnert, wenn man so schreibt.

das Kosterwasser und Blochs mittlerweile geschlossene Wirtschaft

das Kosterwasser und Blochs mittlerweile geschlossene Wirtschaft

Da kommen einem auch alle Schandtaten wieder in den Sinn. So wie diese (aber nicht weiter erzählen!!): Es war er erste Advent und wir waren ganz allein im Wohnheim. Und zum Advent gehört nun mal ein Weihnachtsbaum ins Zimmer. Aber woher? Und vor allem, einfach so kaufen wäre ja langweilig gewesen. Also wurde eine Wette ersonnen. Es wurde gesammelt im Wohnheim und es kamen fast 20 Mark zusammen. Und dann war auch noch schnell ein bereitwilliges Opfer gefunden, das so verrückt war, auf den Blödsinn einzugehen. Wer es also schafft splitternackt (es waren -7 Grad!!) durchs Dorf bis zu Juri (das ist besagte Kneipe) zu rennen und vor seiner Wirtschaft einen kleinen Weihnachtsbaum zu klauen, bekommt die 20 Mark. Man wird´s nicht glauben, ab es hat wirklich geklappt.

die Hauptstraße durch Panschwitz

die Hauptstraße durch Panschwitz

Ich denke, ein in seine sorbische Tracht gehülltes Mütterlein, wie wir es oft von oder zur Kirche haben laufen sehen, wäre stehend in Ohnmacht gefallen, hätte sie den nackten Jüngling gesehen, wie er mit einem Weihnachtsbaum bekleidet durch das winterliche Dorf rennt. Und ein wenig haben wir es uns auch gewünscht. Doch um die Zeit klappte man in Panschwitz die Bürgersteige nach 19 Uhr nach oben und das Dorf macht mir heute den Eindruck, als würde das auch noch so sein. Also: Die Wette war gewonnen, wir waren unser Geld los, hatten aber unseren Weihnachtsbaum und ich denke, dass der kleine Diebstahl bereits verjährt ist. So ein kleiner Baum kostete damals etwa 3 Mark. Man hätte uns also höchstens wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses oder wegen grobem Unfug ran kriegen können. Der ABV (Abschittsbevollmächtigte) war eh Dauergast im Wohnheim. Wenn ein Blödsinn im Dorf geschah, wurde immer zuerst bei den Lehrlingen ermittelt. Oft waren wir es aber gar nicht, wenn zum Beispiel das gesamte Leergut der Kneipe im Klosterwasser lag. Das ergab natürlich Spannungen zwischen der Dorfjugend und uns Lehrlingen, die in mancher Rauferei ausgetragen wurden. Ich bin mir nicht sicher, aber es besteht die Möglichkeit, dass auch unser jetziger Ministerpräsident damals dabei war. Er ist in meinem Alter und er wohnt auch heute noch in Panschwitz. Ich schreibe mich hier gerade um Kopf und Kragen, merke ich. Und man könnte noch Seiten füllen mit diesen Erlebnissen. Aber es geht ums Pilgern und so laufen wir am Sportplatz vorbei (auf dem ich manches Tor schoss) aus dem „Grab meiner Jugend“, wie wir es damals nannten. Mit den Jahren verklärt sich vieles und nur das positive bleibt zum Glück in den Gedanken übrig.

Unterschlupf Bushaltestelle

Unterschlupf Bushaltestelle

Die Wege werden nun immer schlammiger und immer öfter müssen wir den großen Pfützen ausweichen. Hinzu kommt ein scharfer sehr kühler Wind. In Nebelschütz setzen wir uns für eine Weile in die Bushaltestelle, zu der wir uns im wahrsten Sinne des Wortes durchgekämpft haben. Auf dem Asphalt entstehen unterdessen Blasen von den großen Tropfen, die auf uns nieder prasseln. Beim 2. Frühstück fassen wir einen Entschluss. Wir sind durchnässt, wir frieren und wir gehen keinesfalls heute noch bis nach Reichenau, unserem eigentlichen Ziel heute. Wir suchen uns eine Herberge oder Pension in Kamenz und lassen es für heute gut sein. Und so pfeifen wir auf den Regen, nehmen den Kopf nach unten und laufen weiter.

Kamenz ist erreicht

Kamenz ist erreicht

Erst am Ortseingang von Kamenz nehmen wir ihn wieder hoch, um Betina anzurufen und ihr unsere Entscheidung mitzuteilen. Sie stimmt uns sofort zu und wir versprechen uns nochmals zu melden, wenn wir was gefunden haben. Die steilen Treppen zur Altstadt schlauchen ganz schön. Gleich in der Nähe der Marienkirche finden wir das Pfarramt der Stadt in dem Glauben, dass wir dort Unterkunft bekommen. Da haben wir uns aber gründlich geirrt, denn hier verweist man uns nur an die Stadtinformation. Als ich dann noch etwas rum jammere wegen des Wetters, erfahren wir, dass die einzige Herberge auf dem Hutberg ist. Wir sollten unbedingt das hintere Zimmer nehmen. Denn man hat dort ein Problem mit dem Kaminzug. Und feucht wäre es da auch etwas. Das genügt. Das hat uns heute gerade noch gefehlt, eine feuchte muffige Herberge und dann noch die Besteigung des Hutberges. In meiner Tabelle finde ich noch die Pension Wendländer. Die ist gleich um die Ecke.

in der Pension Wendländer

in der Pension Wendländer

Wir bedanken uns, bekommen unseren Stempel und versuchen es in der Pension in der Pulsnitzer Straße. Wir haben Glück und Frau Wendländer öffnet uns. Sofort macht sie uns darauf aufmerksam, dass alles teurer geworden ist und sie die veröffentlichten 18,50€ nicht mehr halten konnte und den Preis auf 20€ erhöht hat. Wir bekommen ein nettes Doppelzimmer und finden den Preis durchaus angemessen und sehr pilgerfreundlich, zudem ein Frühstück inbegriffen ist. Ganz wichtig ist heute die Heizung, um die Klamotte trocken zu bekommen und eine heiße Dusche. Wir rufen sofort Betina an, nachdem wir uns vergewissert  haben, dass sie auch noch ein Bett bekommt. Wenig später steht sie ebenfalls vor der Tür. Erst am Abend lässt der Regen nach und wir trauen uns wieder vor die Tür.

der Marktplatz von Kamenz

der Marktplatz von Kamenz

Kamenz ist nicht sehr groß und hat außer der Kirche St.Marien, dem Marktplatz mit dem schmucken Rathaus, dem Lessingmuseum und der St Annen Kirche, in der sich ebenfalls ein Museum befindet, nicht so viel zu bieten wie z.B. Bautzen oder Görlitz. Wir haben keine richtige Lust auf Museum und so sind wir schnell fertig mit dem Stadtrundgang. Zudem ist die Marienkirche leider verschlossen. „Habt ihr Hunger?“ frage ich, in der Hoffnung mindestens ein ja zu hören. Denn ich habe nämlich welchen und vor allem Appetit auf eine echte Kamenzer Wurst. Das war während meiner Lehre eines unserer Grundnahrungsmittel. Es ging schnell, war billig und schmeckte wirklich gut, eben anders als die sonst übliche Bockwurst. Es gab da am Markt damals so eine Art Imbiss, wo man zuerst bestellte, eine Nummer bekam und dann ein hoch rotes dickes Gesicht aus einer Luke schaute und laut die Nummer in den Raum brüllte. Wenn man dann schnell war und einem die Wurst nicht vor der Nase weg geschnappt wurde, war man nach kurzer Zeit wieder raus aus dem verrauchten Raum. Von Rauchverbot in Gaststätten war damals noch nicht die Rede. Diese Wurst gibt es nur in der Umgebung von Kamenz und die Kopien, die man manchmal bei großen Discountern findet, haben nichts mit dem Original zu tun.

nette Verkäuferin in der Klosterstraße

nette Verkäuferin in der Klosterstraße

Es ist kurz vor Ladenschluss. Auf ein großes Menü in einem Restaurant haben wir keine Lust. Und so gehen wir kurzerhand in die Fleischerei in der Klosterstraße 5. Vorsichtig frage ich im Wissen um die Uhrzeit, ob wir noch drei warme Kamenzer Würste bekommen könnten. „Na da musssch ihn ehm welche warm machn. Setzn sich ma da drühm dor Weile hin. Ich brings dann rübbor.“ sagt sie in schönstem Sächsisch. Betina feixt immer über unseren Dialekt und versucht ihn nach zu sprechen. Es muss aber ein sehr schwerer Dialekt sein, denn sie hat große Mühe damit, sächssch zu quatschn. Wir haben es mit der Muttermilch eingesogen und wir können den Dialekt schwer unterdrücken – warum auch? Dann sind die Würste fertig. Ich bestelle noch Bier dazu und schon ist es fast wie früher. Die Verkäuferin hat es nicht eilig in den Feierabend zu kommen und wir bleiben noch eine Weile sitzen, um zu quatschen. Es wird ein lustiger Abend. Dann haben wir ein Einsehen mit der netten Verkäuferin und verabschieden uns in die in der Dämmerung liegende Stadt – ohne Regen von oben.

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