Camino Primitivo 5. Tag 10.9.2012 Salas – Tineo

0510 Camino Primitivo

Gabi hatten wir gestern zum letzten Mal gesehen. Sie ist weiter nach Bodenaya gegangen. Wenn ich die letzte Nacht hätte vorhersehen können, vielleicht wäre ich auch weiter gegangen.

Ganz unten das Video zur Etappe !

Anstieg hinter Salas

Anstieg hinter Salas

Während des straffen Aufstieges gleich hinter Salas habe ich diese Gedanken aber sofort wieder verworfen. Das wäre in der Hitze des Nachmittages zu viel gewesen.

Heute sind es wieder nur 20 Kilometer. Doch wie schon geschrieben, kommt man auf dem Primitivo nicht so schnell voran.

So wandern wir zunächst stetig bergauf durch eine Art Regenwald. Ja, es nieselt leicht heute Morgen. Vielleicht sind es aber auch nur tief hängende Wolken, durch die wir gehen. Denn es ist teilweise auch recht nebelig.

Nebelspinne

Nebelspinne

Aber dieser Nebel verzaubert die Pflanzenwelt. Überall hängen dicke Tropfen an den Blättern und Zweigen. Besonders die Spinnennetze haben es mir angetan. Und so ist es auch nicht so ärgerlich, dass wir von dem als sehr schön beschriebenen Tal, welches wir durchwandern, nicht viel zu Gesicht bekommen.

dieses Kalb haben wir gerettet

dieses Kalb haben wir gerettet

Kurz vor Bodenaya eine Begebenheit, die mich dann restlos davon überzeugt hat, dass es richtig war, in Salas zu bleiben: Wir hören schon von Fern eine Kuh laut muhen. Und als wir näher kommen, steht da an einer ca. 1,5 Meter hohen Mauer ein kleines Kälbchen, nach dem seine Mutter aufgeregt ruft. Das Kälbchen ist wahrscheinlich durch den Zaun nach unten auf den Weg gefallen und kommt nun nicht mehr nach oben. Versuche, das Kalb weiter auf dem Weg zu einer Stelle der Weide zu treiben, an der es von allein wieder zur Mutter kann, schlagen fehl, weil es schon zu schwach ist oder noch gar nicht richtig laufen kann. Die Mutterkuh ist außer sich, als wir ihrem Kalb zu nahe kommen. Doch es nutzt nichts, ich nehme mir ein Herz und alle Kraft zusammen, packe das Kalb um alle Viere und hieve es seitwärts auf die Mauer zwischen dem Weidezaun hindurch auf die Wiese. Zum Glück steht es sofort wieder auf und findet auch gleich das Euter der Mutter. – Ein gutes Gefühl, wahrscheinlich ein Leben gerettet zu haben. Auch wenn es „nur“ eine Kuh ist. Zum Dank hat das Kalb mir aufs Hemd geschi…. Und von den Hufen habe ich nun ne Schmarre am Schienbein. Doch wäre ich vorbei gelaufen, das Bild eines verendeten Kalbes wäre nicht aus dem Hirn gegangen. Es war also gut, heute dort lang zu gehen, wenn es auch sicher möglich gewesen wäre, dass sich ein anderer Helfer gefunden hätte. Nach einer kleinen Pause in La Espina bessert sich das Wetter Zusehends und wir kommen ohne Regenkleidung und relativ trockenen und sauberen Fußes bei strahlendem Sonnenschein in Tineo an.

Hohlweg vor Tineo

Hohlweg vor Tineo

Unterwegs dorthin geht man durch herrliche Hohlwege, die bei der wie immer ab 14 Uhr einsetzenden Hitze schön schattig und kühl sind. Ich möchte nicht wissen, wie diese Wege bei Regenwetter aussehen.

Die Herberge in Tineo ist schnell gefunden, liegt sie doch fast am Ortseingang. Ein recht großer Saal mit vielen eng gestellten Stockbetten. Hurra! Zwei Betten am Fenster sind noch frei. Heute bin ich der Herr des Fensters und so ist das Problem der stickigen Luft erst mal gebannt. Es folgt der übliche Tagesablauf, Duschen, Wäsche waschen und aufhängen, ab in den Ort, ein paar Fotos machen, was trinken, was essen, was einkaufen für den Proviant des Folgetages und fürs Abendessen. Dieses fällt heute Abend etwas spartanischer aus. Es gibt nur etwas Käse, Schinken und Brot an den Tischen vor der Herberge. Der Ort selbst sieht von oben besser aus, als er bei der Besichtigungstour halten kann. Es gibt ein großes Neubauviertel und eine kleine Altstadt, an die sich eine lange Einkaufsstraße anschließt. Das war´s auch schon.

Tineo

Tineo

In der Herberge muss ich unbedingt noch Ordnung in meinem Rucksack schaffen! Das hat im vorigen Jahr viel besser geklappt. Da wusste ich genau in welchem Fach welcher Zip – Beutel ist und wo die Schere, das Messer, die Ohr-stöpsel oder die Ersatzakkus für die Kamera sind. Wenn man zu viert ist, nimmt nicht jeder alles mit. Man teilt sich in verschiedene Dinge rein. So spart man Gewicht, ist aber ständig auf der Suche, wer z.B. gerade die Wäscheklammern hat. – Nein, jeder hatte seine Zahnbürste mit!! Dann fallen wir ins Bett. Und falls ich nicht selbst geschnarcht habe, war es für alle eine richtig gute und erholsame Nacht.

Rathaus von Tineo

Rathaus von Tineo

 

Hier das Video zur Etappe (aus lizenzrechtlichen Gründen leider ohne Hintergrundmusik):

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