West Highland Way 2015 Inverornan – Kingshouse Hotel

Morgen am Loch Tulla

Morgen am Loch Tulla

Die Berge tragen Nebelkronen heute Morgen. Auch über dem Loch Tulla liegen noch Nebelschwaden. Doch bald wird die Sonne, die bereits jetzt von einem fast wolkenlosen Himmel scheint, diesen Nebel weg gesaugt haben. Nach dem Frühstück sitzen wir noch ein Weilchen draußen vor dem Hotel. Die Rucksäcke liegen bereits wieder auf dem großen Haufen neben der Rezeption, die nun auch von den Ausdünstungen der Wanderschuhe befreit ist. Es weht kein Lüftchen. So dass man die Sonne bereits spürt auf der Haut. Also raus mit der Sonnencreme! Wir hätten nie gedacht, dass wir hier in Schottland so viel davon verbrauchen.

Hier der Link zum GPS Track dieser Etappe auf GPSies: Klick

der Fluss Abhain Shira von der Victoria Bridge

der Fluss Abhain Shira von der Victoria Bridge

Gemächlich machen wir uns auf die Socken. Heute sind es nur 16 Kilometer. Die wollen wir genießen. Wir überqueren den Allt Tolaghan, dessen Delta vor der Mündung in den Loch Tulla noch im Dunst liegt. Hier neben der Brücke stehen einige Zelte von Wanderern. Die versuchen nun auch langsam die Feuchtigkeit aus ihren Sachen zu bekommen, in dem sie diese in die Sonne legen. Ein Stück weiter am Weg steht schon wieder ein großes Zelt, wie es scheint ist man dabei, einen weiteren

die Forest Lodge

die Forest Lodge

Stützpunkt für den Caledonian Trail einzurichten. Es werden bereits Tische und Bänke abgeladen. Gleich dahinter überqueren wie den Fluss Abhain Shira über die Victoria Bridge. Der Fluss mündet ebenfalls in einem großen Delta in den Loch Tulla. Königin Victoria war hier öfter zur Jagd. Damals wurde für sie die Forest Lodge als Jagdhütte gebaut. Sie ist heute ein Guesthouse. An einem Tor, welches den Weg plötzlich versperrt, weist ein Schild darauf hin, dass der anschließende Weg nach Kingshouse Hotel durch das Rannoch Moor für Fahrzeuge gesperrt ist. Für Wanderer steht das Tor natürlich offen. Wir laufen nun am Ostrand eines Waldes bergauf. Die gesamten Ländereien hier gehören zur Black Mount Lodge, dem Anwesen der Familie Flemming.

Lochan Mhic Pheadair Ruaidh

Lochan Mhic Pheadair Ruaidh

Der Lochan (Gälisch für kleiner See) Mhic Pheadair Ruaidh (Ich weiß beim besten Willen nicht, wie das ausgesprochen wird!) kennzeichnet eine Wasserscheide und die Grenze zwischen den Regionen Highland und Strathclyde. Hier gelangen wir auch ins Rannoch Moor. Dieses ist 130 Quadratkilometer groß und zieht sich angefangen am Loch Tulla bis zum östlichen Eingang des Tales Glen Coe. Hier am Anfang ist die riesige Fläche noch nicht abschätzbar.

Blick zurück

Blick zurück

Wir sehen erst einmal nur einen kleinen Teil, was bereits hier schon fasziniert. Das Moor befindet sich auf einem Plateau in 300 bis 400 Meter über dem Meer und ist weitestgehend unbewohnt. Landwirtschaft ist hier nicht möglich. Der folgende Abschnitt wird hier im Wanderführer so beschrieben, dass er bei schlechtem Wetter recht ungemütlich werden kann. Der Weg ist völlig ungeschützt in der weiten Ebene und es gibt keinerlei Möglichkeit, sich irgend wo unter zu stellen. Die Fallwinde von den Black Mounts sind bei entsprechenden Wetterlagen sehr unangenehm.

alte Militärstraße durch das Rannoch Moor

alte Militärstraße durch das Rannoch Moor

Wir gehen weiter auf der steinigen Militärstraße, die weitestgehend eben bis zur Ba Bridge führt. Links von uns erheben sich die Black Mounts und rechts erstreckt sich in einer riesigen Fläche das Moor.
der Blick zurück vom höchsten Punkt der Etappe

der Blick zurück vom höchsten Punkt der Etappe

Nirgends sind Anzeichen von Zivilisation zu erkennen, mal abgesehen von der A 82, die in der Ferne als einzige befahrbare Straße dieses Moor durchquert. Doch diese ist dann erst weiter oben zu sehen. Der Weg steigt hinter der Ba Bridge wieder stetig an. Links sehen wir die Überreste des Ba Cottage. Den Weg queren viele keine Bäche, die das Moor speisen. Am Ende dieses Aufstiegs befinden wir uns immerhin 300 Meter höher als am Ausgangspunkt der heutigen Etappe. Man hat es kaum gemerkt. Erst hier oben erschließen sich einem die wahren Ausmaße dieses Moores. Es gilt nicht umsonst als eines der größten naturbelassenen Gebiete Großbritanniens. Keine Strommasten, keine Windräder, keine Häuser – nichts als Moor – wir sind begeistert von diesem An- und Ausblick. Von hier sieht man auch die vielen kleinen Wasserläufe und Tümpel, die das Sonnenlicht reflektieren.

Gedenkstein für Peter Flemming

Gedenkstein für Peter Flemming

Wir suchen uns einen passenden Stein am Wegesrand und machen in der Nähe einer weit sichtbaren Steinsäule Rast. Die Säule, so erfahren wir, ist ein Gedenkstein für Peter Flemming, dem Bruder des „James Bond“ Erfinders Ian Flemming, der hier 1971 an einem Herzschlag verstarb. Bei aller Tragik eines solchen plötzlichen Todes, ist das hier sicher kein schlechter Platz zum sterben, jedenfalls besser als in einem Krankenhausbett.

Wir genießen etwa eine Stunde lang hier an dieser Stelle die Sonne und den Ausblick, haben wir doch weit mehr als die Hälfte des heutigen Weges bereits zurück gelegt.
diese Ruhe und Einsamkeit

diese Ruhe und Einsamkeit

Ich habe es mir auf einem Grasbüschel bequem gemacht, was in einem Moor eher ungünstig ist.  Das spüre ich sehr schnell. Denn alles ist voll Wasser wie ein riesiger Schwamm. Und so hole ich mir einen nassen Hintern. Bereits hier gibt es die obligatorische Banane und einen Schluck aus der Whisky Flasche. Dieser Platz muss gefeiert werden.
Steffen und sein Hinkelstein

Steffen und sein Hinkelstein

Abseits des Weges muss man etwas aufpassen. Steffen hat einen Hinkelstein bestiegen und beim Sprung herunter ist er fast eingesumpft. Nur die Oberfläche trägt etwas. Wie es darunter aussieht, erkennt man nicht sofort.

Doch irgendwann müssen wir weiter. Auf dem anschließenden Abstieg sehen wir bereits unser heutiges Ziel, das Kingshouse Hotel, welches in der Nähe der A 82 einer Oase gleich zwischen einigen Bäumen mitten im Moor steht. Links von uns in den Black Mounts erkennen wir die Liftanlagen der White Corries. Wir rätseln, ob die in Betrieb sind oder nicht. So einen leichten Aufstieg könnte man doch mal nutzen, wenn er sich schon mal bietet. Weiter unten und näher ran, sehen wir, dass sich der Sessellift wirklich bewegt.

die Liftanlagen von White Corries

die Liftanlagen von White Corries

Schon vor der Zufahrtsstraße zu den Anlagen biegen wir in einen Weg nach links ein, an dem ein Wegweiser auf den Lift und das Restaurant hinweist. 10 Pfund wollen sie von uns für die Auf- und Abfahrt haben. Da Ines nicht so gern mit solchen Sesselliften fährt, kaufen nur Steffen und ich eine Karte. Wir sehen nun auch, aus welchem Grund der Lift jetzt im schottischen Sommer in Betrieb ist. Hier befinden sich verschiedene Downhill – Pisten. Die Cracks nutzen den Lift, um mit ihrem Bike bequem nach oben zu kommen. Und nun erkennen wir von oben auch die steilste Piste unter den Seilen des Sessellifts. Sie windet sich in ausgebauten Steilkurven, gespickt mit verschiedenen Rampen und Sprungschanzen um die Stützpfeiler. Das müssen Wahnsinnige sein, die sich hier herunter stürzen.

Blick über das Rannoch Moor zum Blackwater Reservoir

Blick über das Rannoch Moor zum Blackwater Reservoir

Oben wartet ein junger Mann, der uns hilft, damit wir den Sitz nicht ins Kreuz bekommen. Das Plateau ist kahl und man erkennt, dass dieses Gelände im Winter intensiv von Wintersportlern genutzt wird. Sicher aber nicht so intensiv, wie es sich die Planer und Erbauer des Liftes mal gedacht haben. Seit den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts versuchte man hier ein Skigebiet zu etablieren, was aber nie gelang. Nur Tagesausflügler nutzen dieses Gebiet, auch wenn unten sich ein großes Restaurant und einige Unterkünfte in Form von großen hölzernen Tonnen befinden. Ein Stück weg von der Bergstation sehen wir einen Schlepplift, unter dem auch noch jede Menge Schnee liegt.

Ben Nevis

Ben Nevis

Die 10 Pfund haben sich definitiv gelohnt – was für eine Aussicht! Wir überblicken das gesamte Rannoch Moor vom Eingang des Glen Coe auf der Linken, über das Blackwater Reservoir bis hin zum Loch Tulla rechts von uns. Während der Abfahrt entdecke ich dann auch noch unsere morgige Herausforderung, die Devil´s Staircase, die Teufelstreppe. In vielen Serpentinen soll uns morgen der Weg dort an der Nordflanke des Glen Coe auf den höchsten Punkt des West Highland Way führen. Doch noch geht es bergab, ganz bequem sitzend. Und wir schauen immer noch fasziniert in die Gegend. Die beiden Frauen haben sich in der Zwischenzeit einen Kaffee und ein Eis gegönnt.

White Corries vor Stob Dearg

White Corries vor Stob Dearg

Die Zubringerstraße zur Lift – Anlage zieht sich bis zur A 82 noch ganz schön in die Länge. Wir gehen vorbei am Cottage „White Corries“, welches ich malerisch gelegen vor dem Stob Dearg fotografiere. An ihm machen sich gerade einige Handwerker zu schaffen. Der Stob Dearg kennzeichnet den linksseitigen Eingang des Glen Coe, einem der schönsten Täler Schottlands. Wir folgen diesem morgen leider nur auf einem Viertel der Gesamtlänge bis zum Einstieg zu Devil´s Staircase. Nach der Überquerung der A 82 gehen wir den letzten Kilometer bis zum Kingshouse Hotel parallel zur Straße auf einem Schotterweg.

vor Kingshouse Hotel

vor Kingshouse Hotel

Vor dem Hotel sitzen eine Menge Leute. So viele passen hier unmöglich rein, denke ich mir. Am Eingang liegen die Rucksäcke, unsere natürlich ganz unten drunter. Also kümmere ich mich erst mal um die Zimmer. Die Rezeption ist geschlossen und ich bekomme die Schlüssel an der Bar. Völlig unbürokratisch bekomme ich diese wieder, nachdem die nette Dame meinen Namen auf einer Liste gefunden hat. Ich hätte es jedes Mal aufnehmen sollen, wenn hier mein Name intoniert wird – zum Schießen! Das Kingshouse Hotel ist bereits 200 Jahe alt und war ebenfalls früher eine Unterkunft für Viehtreiber. Zweifelhafte Bekanntheit erlangte diese Unterkunft auch als Schmugglernest.

der Salon

der Salon

Der Wirt soll sich Ende des 18. Jahrhunderts eine goldene Nase mit dem Schmuggel von Salz verdient haben, welches damals mit hohen Steuern belegt war. Das Hotel besitzt heute 33  Betten und ist weit und breit die einzig verfügbare Unterkunft. Zeitiges buchen zahlt sich hier also aus. Denn die vielen vor dem Hotel sitzenden Wanderer warten auf ihren Transfer zu anderen Unterkünften. Wir haben diese Reise bereits am Anfang des Jahres gebucht und sind zudem mit der Firma Vividus offenbar an einen wirklichen Schottland – Spezialisten mit guten Verbindungen nach hier geraten. Ein Kleinbus nach dem anderen fährt vor und so langsam leert sich der Platz vorm Hotel und der Haufen der Rucksäcke am Eingang wird keiner.

das gemütliche Hotelzimmer

das gemütliche Hotelzimmer

Unsere liegen nun bereits im Zimmer. Dieses ist recht nett eingerichtet. Das Bad hingegen macht ob des Alters des Hauses einen recht provisorischen Eindruck. Egal, wir haben eine Badewanne! Auf dem Weg zur Bar werfe ich noch einen Blick in den Salon, der diesen Namen zu Recht verdient. Und dann auch noch dieses Panorama. Wie in einem Schaufenster präsentiert sich die Umgebung, dominiert vom Stob Dearg, der an der gegenüber liegenden Talflanke thront. Wlan gibt es im Hotel nur an einem Platz: Neben dem Internet – PC im Gang zur Bar. Auf einer außergewöhnlichen Bank mit einem großen Holzspeichenrad in der Mitte sitze ich und setze ein paar Grüße in die Heimat ab.

an der Bar

an der Bar

Ich treffe mich mit Steffen an der Bar wo wir uns einen Whisky bestellen. – Na welchen? – natürlich Bowmore. Das bestellte Bier nehmen wir mit nach draußen in die Sonne, die immer noch am Himmel strahlt. Heute haben wir uns sogar etwas Sonnenbrand geholt. Wer, von denen, die ihren Urlaub in Schottland verbrachten, kann das von sich schon behaupten? Wie vielleicht bereits geschrieben, fanden die von mir auf YouTube im Voraus angesehenen Videos über diesen Weg, zu 80% im Regen statt. Wir können unser Glück jeden Abend auf diese Weise immer wieder von neuem feiern.

die Hirschfütterung

die Hirschfütterung

Das tun wir hier vor dem Hotel an großen Holztischen mit ner Runde Whisky und einigen Gläsern Guinnes.

Gleich neben uns bildet sich eine Traube um einen jungen Mann im Kilt, der einen zahmen Hirsch mit Zwieback und Keksen füttert. Steffen ist völlig begeistert, nicht wegen des Hirsches übrigens. – endlich ein Schotte im Kilt! Dieser Anblick ist uns bisher vorenthalten worden. So ist dieser hier für Steffen ein willkommenes Fotomotiv.
Nach dem Abendessen und unserem kleinen Abendtrunk, gehen wir wieder sehr zeitig zu Bett. Draußen ist es noch sehr hell. Es wird immer später dunkel, so ist mein Eindruck. Obwohl auch hier die Betten sehr bequem sind, drehe ich mich von einer Seite auf die andere, bevor ich endlich in den Schlaf finde.
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Bis Morgen!

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