Via Regia 4. Tag 24.Mai 2012 Freyburg – Roßbach

DSC07848-001Am Abend noch ne Flasche Roten und wir hatten in dieser Nacht etwas besser geschlafen. Schnell was essen etwas löslichen Kaffee und alles einpacken, runter auf den Hof und los. Nur nicht so schnell mit den “jungen” Pferden. Denn Herr Fiedelak holt uns zurück in sein Büro. Er steht sehr feierlich auf, was ein wenig merkwürdig aussah in seiner Arbeitskleidung, nimmt bedeutungsvoll ein kleines Büchlein in die Hand. Aus den Herrnhuter Büchern liest er uns dann die Losung für diesen Tag vor und wünscht uns Glück auf den Weg. Wir bedanken uns herzlich und wünschen ihm auch alles Gute. Nun aber los. Zurück über die Unstrutbrücke zweigt der Weg rechts ab und führt linksseitig vom Ufer aus der Stadt.

herzöglicher Weinberg in Freyburg

herzöglicher Weinberg in Freyburg

Der Weg verläuft hier gemeinsam mit dem  Saale – Unstrut Radwanderweg und so verwundert es uns nicht, dass uns heute viele Radfahrer begegnen. Andere Pilger waren ja bisher Fehlanzeige. Unterhalb des herzöglichen Weinberges verläuft der Weg entlang der Unstrut auf einer Fahrstraße mit betonierten Fahrspuren bis nach Großjena.
Das bei Freyburg recht enge Tal öffnet sich nun in Richtung Blütengrund, einer Auenlandschaft an der Mündung der Unstrut in die Saale kurz vor Naumburg.
Die größte Sehenswürdigkeit in Großjena ist der Weinberg des Bildhauers Max Klinger. Sein restauriertes Landhaus beherbergt eine Gedenkstätte, in der sich auch das Grabmal des Künstlers und eine Plastik Max Klingers befinden.

Wenig später fallen dem aufmerksamen Wanderer auf der linken Seite große Felsreliefs ins Auge. Was mögen die bedeuten? Sie befinden sich auf den terrassenförmigen felsigen Absätzen zwischen den Weinbergen linksseitig der Unstrut.
Einige Infotafeln klären uns auf. (Nein, ich habe nicht die Infotafeln abgeschrieben) Ich bemühe hier mal Wikipedia. Dort heißt es:

Steinerne Bibel

Steinerne Bibel

Der Hofjuwelier J.C.Steinauer aus Naumburg hatte eine ausgefallene Idee: Im Jahre 1722, dem zehnjährigen Regentenjubiläum des Herzogs Christian von Sachsen-Weißenfels, ließ er in seinem Weinberg nahe der Ortschaft Großjena ein in Deutschland einzigartiges Denkmal errichten: Das steinerne Festbuch, ein 200 m langes Relief aus 12 Bildern, zeigt Szenen aus dem Alten Testament, welche die Arbeit im Weinberg, den Weingenuß und dessen Folgen zeigen und natürlich dem Herzog huldigen. Außerordentlich wie der Anlaß seiner Entstehung gestalten sich auch die Probleme der Erhaltung. Die Reliefs sind aus einer anstehenden Felsstufe des mittleren Buntsandsteins gehauen. Die figurengeschmückte Balustrade entlang der oberen Terrassenkante wurde anhand alter Aufnahmen und einigen vorhandenen Resten rekonstruiert.

Ich denke, das ist nicht nur einmalig in Deutschland. Wir lassen uns Zeit und betrachten die Bilder ausgiebig und ohne Hast. Heute sind es ja nur 12 Kilometer. Diese Streckenplanung war uns wichtig, um genügend Zeit für Naumburg zu haben. Dutzende Male sind wir auf dem Weg zu unseren Freunden nach Thüringen über die B87 durch diese Stadt gefahren, ohne je angehalten zu haben, um uns diese einmal anzusehen. Nun ist endlich Gelegenheit dazu. Vor allem der Naumburger Dom mit seinem Domschatz und den Stifterfiguren des Naumburger Meisters im West Chor erlangte Weltruhm und wird jährlich von tausenden Touristen besucht.
Personenfähre über die Saale

Personenfähre über die Saale

Doch noch sind wir auf dem Weg dorthin. Und vor Naumburg müssen wir noch die Saale überqueren. Am Blütengrund mündet die Unstrut in die Saale und hier gibt es eine Personenfähre. Die Fähre liegt zwar am Steg als wir ankommen. Aber niemand ist zu sehen. Wozu hängt da die Fährglocke? Richtig, um den Fährmann zu rufen. Und schon bimmele ich mit der großen Glocke. Der aufgeschreckte Fährmann ruft aber mit barscher Stimme aus dem um die Ecke liegenden Kaffee: “Es ist noch nicht 9 Uhr!!”. Nun gut, das hätte ich wirklich lesen können, so groß sind die Betriebszeiten angeschrieben. Also kehren wir auch noch schnell in das Fährkaffee ein, um eben einen solchen zu trinken, bevor der Fährmann heute seinen Dienst aufnimmt. 
Auf den überall aufgehängten Fotos ist das Ausmaß des letzten Hochwassers zu sehen. Demnach hätte ich an meinem jetzigen Standpunkt mindestens zwei Meter unter Wasser gestanden. 

Die Unstrut kurz vor ihrer Mündung in die Saale

Die Unstrut kurz vor ihrer Mündung in die Saale

Unten auf der Saale liegen noch fest vertäut die Ausflugsboote und warten auf Kunden. Die Unstrut ist von hier Fuß aufwärts auf über 71 Kilometer schiffbar. Und das liegt daran, dass es seit 1795 12 Schleusen im Fluss gibt, die die Wassertiefe auf 80 cm halten. Das reichte für die damaligen Lastkähne aus. Heute gibt es nur noch die drei Ausflugsboote, einige private Motorboote und die unzähligen Wasserwanderer. Hier im Blütengrund ist neben einem großen Campingplatz auch einen Kajak- und Kanuverleih beheimatet, bei dem wir auch schon Kunde waren. Vor allem auf der Saale flussabwärts von Camburg bis Naumburg macht es einen riesen Spaß unterhalb der berühmten Burg Saaleck und durch Bad Kösen über die Stromschnellen zu paddeln. Auf der Unstrut geht es dagegen wegen der vielen Wehre und Schleusen etwas geruhsamer zu. 

die "fröhliche Dörte"

die “fröhliche Dörte”

Eins der Ausflugsboote heißt übrigens die “fröhliche Dörte” und hat eine beeindruckende Geschichte vorzuweisen. 

Das 1887 gebaute Elbe – Fährdampfschiff, damals in Dresden Blasewitz im Dienst, war nämlich 2004 an einer dramatischen Rettungsaktion dreier Kinder und ihrer Lehrerin, die am Freyburger Wehr bei Hochwasser mit ihrem Kanu gekentert waren beteiligt. Die Dörte geriet selbst in eine Wasserwalze, lief voll und sank wenig später. Zwei Monate danach wurde sie mit großem Aufwand gehoben, restauriert und fährt nun wieder neben den anderen Ausflugsbooten “Reblaus” und “Unstrutnixe” innerhalb der Saale Unstrut Schiffahrtsgesellschaft mbh die Touristen, Vereine und Arbeitskollektive hin und her auf Unstrut und Saale. 
Es ist zwischenzeitlich 9 Uhr geworden, der Fährmann hat seinen Kaffee ausgetrunken, macht seinen Kahn fertig und setzt uns mit seiner Gierfähre für einen Euro über.
Nachtrag 2017: Hier ein Beitrag der Mitteldeutschen Zeitung zum AUS der Saale Unstrut Schiffahrtsgesellschaft. Kleiner Trost: Wenigstens die Fähre ist wieder unterwegs, da sie der Stadt Naumburg gehört.
der Blütengrund

der Blütengrund

Der anschließende schöne Weg durch den Blütengrund endet am Stadtrand von Naumburg. Und hier enden leider auch die Wegzeichen. Vom Dom oder der noch höheren Wenzelskirche ist nichts zu sehen. An deren Türmen hätte man sich orientieren können. So sind wir aber auf den Orientierungssinn angewiesen. Auch die Beschreibung im Pilgerführer, die ich mir auszugsweise kopiert hatte, hilft hier nicht entscheidend weiter. Wir nehmen irgendeine der Seitenstraßen, laufen nach Himmelsrichtung und sind am Ende fast richtig. 

Marktplatz mit Stadtkirche St. Wenzel

Marktplatz mit Stadtkirche St. Wenzel

Die Altstadt betritt man durch das Marientor und geht über den Marienplatz und (wen wundert´s) die Marienstraße zum Markt. Hier fällt sofort die mächtige Stadtkirche St. Wenzel auf, die zwar etwas verdeckt ist, aber trotzdem den Blick sofort auf sich zieht. 

Wir überqueren den Marktplatz, um nach der Pforte der Kirche zu suchen. An der Rückseite finden wir dann am Ende einer großen Freitreppe eine offene Tür. Eine nette Dame am Einlass nimmt uns die Rucksäcke ab und passt auf diese während unseres Rundganges auf. Ein kräftiger Herr kommt mit bedeutungsvollen Schritten auf uns zu und hat seinen Blick auf meine Kamera gerichtet. Ihm schnell zuvor kommend frage ich artig, ob ich ein paar Fotos machen dürfe. “Aber nur ein paar für den persönlichen Gebrauch!” brummt es mir entgegen. Verständlich, versucht man doch mit dem Verkauf von Ansichtskarten den Etat für den Erhalt der Kirche etwas aufzubessern. 

Hildebrand - Orgel in St Wenzel

Hildebrand – Orgel in St Wenzel

Ich hoffe, er ist mir trotzdem nicht allzu böse, wenn ich hier ein Foto von der berühmten Hildebrand – Orgel ein stelle. Es finden hier regelmäßig Konzerte statt. Der Link führt zu einer Seite, auf der man sich über die Veranstaltungen informieren lassen kann. 

Am Ausgang stecke ich dann noch ein paar Münzen durch den Schlitz der Spendenschachtel und Andrea spendet wieder eine Kerze. Die nette Dame am Einlass und Kartenverkauf will nun aber alles zu unserem Weg wissen und als wir dann noch erzählen, dass wir im vorigen Jahr auf dem Camino Frances und in Santiago de Compostela waren, ist sie hin und weg. Wir hätten uns gern noch länger mit ihr unterhalten, haben aber einen straffen Zeitplan. Denn nun steht der Naumburger Dom auf dem Plan. Auf dem Weg zum Dom, den man wirklich nur von ganz fern sieht oder wenn man sich in einer der Gassen, die zum Domplatz führen befindet, fällt uns ein netter Freisitz im Steinweg auf. “Bocks” heißt das Restaurant und beherbergt auch eine Kochschule. Für das Mittagessen ist es noch zu früh. Also trinken wir nur etwas und versprechen der netten Kellnerin, dass wir nachher wieder kommen. Also rauf mit den Rucksäcken und ab zum Dom. Etwas auffällig sind wir schon zwischen all den gebügelten Touri´s aus dem In- und Ausland, die uns etwas von der Seite beäugen. An der Kasse des Doms staunen die aber nicht schlecht, als wir nicht nur nicht bezahlen müssen, sondern auch an der Warteschlange vorbei eine abschließbare Box für unsere Rucksäcke bekommen. Da sollten sich manche Kathedralen am Camino Frances mal eine Scheibe abschneiden, wie man hier mit Pilgern umgeht. Natürlich lassen wir auch hier unseren Pilgerausweis abstempeln. 
vor dem West - Lettner des Naumburger Doms

vor dem West – Lettner des Naumburger Doms

Wenn man den Naumburger Dom St. Peter und Paul und vor allem die Stifter – Figurengruppe im West Chor, voran die Skulptur der Markgräfin Uta gesehen hat, weiß man, weshalb diese Sehenswürdigkeiten Weltruhm erlangt haben. Der Ausdruck der Figuren ist derart lebendig und aussagekräftig, dass man wirklich glaubt, hinter diesen Gesichtern einen Charakter zu erkennen. In vielen Sakralbauten, die ich bis jetzt gesehen habe, blicken die dargestellten Figuren demutsvoll gen Himmel und haben eigentlich alle einen ähnlichen Gesichtsausdruck. 

Westchor mit Stifter - Figurengruppe

Westchor mit Stifter – Figurengruppe

Hier blicken die Figuren lächelnd in die Runde oder verschmitzt zum Nachbarn. Auch alle Verzierungen sind derart genau der Natur abgeschaut, dass es möglich ist, an den steinernen Blättern die Pflanzenart zu erkennen. Wenn man bedenkt, dass dies alles aus Stein gehauen ist, ist es noch beeindruckender, mit welcher Meisterschaft und welcher Akribie dieses Werk geschaffen wurde. Im angrenzenden Domgarten kann man eine Ausstellung bewundern, die die Pflanzen und ihre Pendants aus Stein gegenüber stellt. Es ist wirklich verblüffend, mit welcher Sicherheit man die Pflanzen wieder erkennt.

Blick zu den Westtürmen vom Domgarten aus

Blick zu den Westtürmen vom Domgarten aus

Die Fotos habe ich übrigens mit ausdrücklicher Genehmigung gemacht. Für 5 Euro kann man eine Foto – Genehmigung erwerben. Nur im Raum, in dem der Domschatz liegt, ist fotografieren verboten. Weitere Fotos gibt es über den Link im Text des obigen Vorwortes.
Die Erhaltung dieser Kunstwerke von Weltruhm kostet natürlich viel Geld und so ist es auch nicht verwunderlich, dass die Eintrittspreise hier etwas höher sind. Zu bedenken ist auch, dass sich der Dom allein über eine Stiftung finanziert. Weder von der Landeskirche noch von Stadt oder Land gibt es dafür einen Etat. Wer mehr über den Dom und seine Geschichte wissen möchte, folgt einfach dem obigen Link.

Steinweg vor "Bocks" Restaurant

Steinweg vor “Bocks” Restaurant

Nach einer zweistündigen ausgiebigen Besichtigungstour haben wir nun ein wenig Hunger und kehren wie versprochen nun zurück zu dem Restaurant, in dem wir schon am Vormittag gewesen sind. Wir haben sogar die gleichen Plätze wieder eingenommen und bestellen von der sehr vielversprechenden Karte was leichtes, einen Salatteller. Ich habe noch nie ein so gutes Dressing auf meinem Salat gehabt. Wenn der Rest der Speisen auch so gut ist, dann ist dieses Bocks Restaurant  ein echter Tipp für gute Küche in Naumburg.

"An der Saale hellen Strande" (Volkslied)

“An der Saale hellen Strande” (Volkslied)

Nun wird es aber Zeit, dass wir uns auf die Socken machen und so suchen wir schon wieder nach Hinweisen, wie wir aus der Stadt kommen. Leider ist man da größtenteils auf die Beschreibung aus dem Pilgerführer angewiesen. Die Muscheln sind in Naumburg nur ganz spärlich gesät. Man hält sich am besten immer an den Verlauf der B180 in Richtung Westen, also nach Freyburg bis hinter die Eisenbahn – Überführung am Ortsausgang von Naumburg. 

Dort macht der Weg noch einen kleinen Rechtsschwenk durch´s Grüne bis ans Ufer der Saale. Hier fällt uns ein blaues Schild auf. Da steht, dass es hier bis 1960 eine öffentliche Badeanstalt an der Saale gab. 1893 hat hier Franz Kayser “Kayser´s Badeanstalt” eröffnet. 

“Geht nur immer munter, 
nach der Saale runter, 
s´kostet ´nen Groschen nur 
und das genügt.” 
dichtete der Verein der Flußbader 1892. 

1960 war´s dann vorbei mit der Baderei, denn die Saale wurde zu einem der schmutzigsten Flüsse Deutschlands. Es sollen sogar Moped – Fahrer darin ertrunken sein, weil sie den Fluss für eine Asphaltstraße hielten, oder war das die Pleiße?…. Nee, war´n Witz. Durch den Niedergang der Industrie an der Saale und den Bau von vielen neuen Klärwerken hat die Saale heute fast wieder Badequalität. Fische gibt es auch wieder. Und wenn man ganz genau hinsieht, gibt es wie im Volkslied (von Franz Kugler 1826 auf der Rudelsburg geschrieben) auch wieder die hellen Strände der Saale.

Kurz vor Roßbach muss man etwas aufpassen. Da hat sich durch den Neubau der Saalebrücke die Wegführung etwas geändert. Aber man sieht ja schon den Ort und kann nach Himmelsrichtung laufen. 
Weinmeile Roßbach

Weinmeile Roßbach

Roßbach ist ein Weindorf. Und das sehen wir ganz deutlich, denn hier ist irgendwas am Laufen. Alles wuselt durch die Gegend und die Häuser und Straßen wurden festlich geschmückt. Hier wird gerade das Fest der Saale – Weinmeile vorbereitet. Zwischen Bad Kösen und Roßbach öffnen am Pfingstsamstag und – Sonntag die Winzer ihre Höfe zur Verkostung ihrer Vorjahres – Weine. Es werden Stände aufgebaut und überall stehen Bänke und Tische. Hier muss richtig was los sein und man rechnet mit mehreren Tausend Besuchern, wenn man sich die provisorischen Parkplätze auf den Wiesen vor dem Ort ansieht. Staunend schlendern wir durch den Ort, ohne aber unser eigentliches Ziel aus den Augen zu verlieren. Denn hier gibt es wieder Muschelzeichen. Und die führen uns zum katholischen Jugendbildungszentrum St. Michael. Schon fast am Ortsausgang etwas oberhalb des Ortes finden wir dieses als einen modernen Neubau vor. 

kath. Jugendbildungszentrum St. Michael

kath. Jugendbildungszentrum St. Michael

Da steht eine Seitentür offen und ich höre Stimmen. “Wir möchten hier gern übernachten.” “Da müssen sie mal ins Haupthaus gehen an die Rezeption” entgegnet mir ein junger Mann, der mit einigen anderen jungen Leuten an Computern sitzt. Aha, ein Computerkabinet haben die hier. Eine lange Eisentreppe führt zum Haupteingang, hinter dem sich auch gleich so eine Art Vorraum befindet mit einer Rezeption. “Guten Tag!” sagen wir laut. Doch die Jugendlichen, die auf den Sitzgruppen lümmeln, sind alle schwer mit ihren Smartphones beschäftigt. Eine Seuche ist das! Wir warten geduldig auf jemanden, der hier Verantwortung übernommen hat oder jemanden kennt der dieses Amt ausführt. Denn auf meine Frage, ob hier mal jemand kommt an diese Rezeption, ernte ich nur desinteressiertes Schulterzucken von einem Smartphone – Jünger. Ich mache mich auf die Suche im Haus. Küche! Das ist gut. “HALLO!!?” rufe ich hinein. Um die Ecke rumort es und wenig später kommt eine junge Frau auf mich zu. “Sind sie die Pilger?” “Ja” sage ich natürlich. Man hat uns wirklich schon erwartet. Nun ja, ich habe ja auch vorher von Freyburg aus angerufen, wegen eines freien Zimmers. Denn das Bildungszentrum wird fast wie ein Hotel geführt. Da können sich Gruppen anmelden und übernachten. Da ist es auch schnell mal ausgebucht, so hörte ich. Also anrufen ist besser. Da könnte man sich, wenn es ausgebucht ist, noch eine Unterkunft in Naumburg suchen. Aber so waren wir auf der sicheren Seite und einen sehr guten Eindruck macht das Haus auch auf uns, alles neu und sehr modern. 

das Pilgerzimmer

das Pilgerzimmer

Den Stempel in den Pilgerausweis und schon führt uns die Mitarbeiterin in unser Zimmer. “Das ist das Pilgerzimmer.” Wow! Das war mal eine Unterkunft! Richtige Betten mit Bettbezügen, ein Tisch, Stühle und Schränke. Unsere eigene Dusche ist über den Gang, gegenüber vom Zimmer. Aus dem Fenster blicken wir auf den Volleyball – Platz, auf dem sich gerade einige Jugendliche und eine Schwester in Schwesterntracht schaffen. Sieht irgendwie ulkig aus. Ich kann mein Grinsen nicht verbergen und sie grinst zurück. Über dem Bett ist an der gelben Wand die Strecke er Via Regia mit den wichtigsten Orten aufgemalt und wir sehen, dass wir schon ein ganzes Stück dieses Weges kennen, aber auch noch ein ganzes Stück vor uns haben.

Blick nach Naumburg

Blick nach Naumburg

Nachdem wir geduscht und unsere Sachen gewaschen haben, wollen wir noch die Gegend erkunden. An der Kirche links vorbei führt ein Weg steil bergauf auf einen Hügel über dem Ort. Von hier haben wir eine schöne Aussicht auf Naumburg. Wieder herab gestiegen vom Berg, gehen wir noch einmal durch den Ort, das heißt, ich gehe allein, da Andrea noch die Wäsche abnehmen will. Ich warte auf sie auf einer Bank, von der aus ich das bunte Treiben der Festvorbereiter beobachten kann. Ich bin neugierig und setze mich auf eine Bank, die noch näher dran ist an dem Treiben. Gar nicht lange und ich  komme ins Gespräch mit einem Einwohner. “Das ist neben der Weinlese der Höhepunkt des Jahres.” So sieht das auch aus, denn da steckt viel Arbeit drin. Die großen zweiflügligen Holztore zu den drei – Seiten – Höfen stehen weit offen und man kann sehen, wie schön sie geschmückt sind und wie viele Bänke und Tische unter aufgestellten Zelten auf Besucher warten. “Du bist wohl einer von den Pilgern?” Schon wieder diese Frage. Auch hier hatte man den Weg also bereits wahrgenommen, erstaunlich bei den geringen Pilger – Zahlen. Wir haben immer noch keinen anderen Pilger gesehen. Man lädt mich zu einer Flasche Bier ein. “Wein gibt´s erst am Wochenende. Da müsst ihr noch länger bleiben. Ihr verpasst da richtig was” sagt mir der Bierausgeber. “Nee, wir müssen weiter. Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Aber vielleicht kommen wir im nächsten Jahr mal mit dem Auto her, um uns das Spektakel zu betrachten.” Schade, dann gibt´s auch keinen Wein für mich.

Von Weiten sehe ich Andrea nach kommen und gemeinsam suchen wir nun eine Möglichkeit für das Abendessen. Die Weinwirtschaft im Ortszentrum hat leider gerade geschlossen. Als wir von Naumburg kamen, glaubte ich eine Kneipe am Ortseingang gesehen zu haben. Weiter bis zum Ortseingang, da gibt es die urige Kneipe “Zur Hupe”. Wie es zu dem Namen kam, konnte ich zwar nicht in Erfahrung bringen aber denken kann ich es mir schon, denn die Kneipe liegt direkt an der Straße,  einem Bahnübergang und einem Haltepunkt der Bahn. Na ja, und Lokomotiven hupen halt, bevor sie los fahren oder die Autofahrer, wenn die Schranke zu lange geschlossen ist. 
Thüringer Rostbrätel

Thüringer Rostbrätel

Thüringer Rostbrätel Hmmm! Wir sind zwar noch nicht in Thüringen, aber dieses Gericht gibt es in jeder ostdeutschen Gastwirtschaft, die was auf sich hält. Es zieht zwar etwas um die Ecke aber trotzdem wollen wir draußen sitzen nach diesem wiederum sonnigen und heißen Tag. 

Morgen geht es nach Eckartsberga, auch ein Ort an der B87, den wir nur vom Durchfahren kennen. “Die haben da eine alte Ritterburg, die sehen wir uns ganz sicher an.”
Auf dem Rückweg wird unser Vorhaben, noch ein Gläschen einheimischen Wein zu kosten leider enttäuscht. Alles hat sich bereits wieder beruhigt im Ort. Die Leute sind fort und die Hoftore wieder verschlossen. 
Na gut, gehen wir halt auch schlafen.
 
Hier noch ein paar Fotos vom Tage:
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Naumburg in der Abendsonne

Naumburg in der Abendsonne

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