sächsischer Jakobsweg Grumbach – Freiberg

Aufbruch in Grumbach

Aufbruch in Grumbach

Die Nacht ist um 7 Uhr vorbei, als Gustavs Wecker sich bemerkbar macht. Wach bin ich eh schon eine Weile. Auch in der Nacht bin ich immer mal wach gewesen und hörte immer mal ein Rascheln im Zimmer bzw. unter den Dielen – vielleicht eine Maus. Es würde mich nicht wundern bei diesem alten Gemäuer. Sieben Uhr Dreißig sind wir zum Frühstück eingeladen und nach der Morgentoilette sitzen wir pünktlich in der Küche und frühstücken. Wir haben heute unsere Planung etwas geändert. Gustav, der sich darum kümmert (für mich ganz ungewohnt, da ich sonst diese Aufgabe habe.) hat gestern erfahren, dass die Herberge in Falkenberg bei Familie Krause heute leider nicht zur Verfügung steht. Also müssen wir heute bis Freiberg gehen, womit ich von Anfang an eigentlich gerechnet hatte. Und böse bin ich deshalb eigentlich auch nicht, da Freiberg sicher interessanter ist als das kleine Dorf Falkenberg (ohne dem Ort Unrecht angedeihen zu lassen). Vor vielen Jahren war ich schon mal in Freiberg, kann mich aber kaum noch an Einzelheiten erinnern.

Wollschweine in Grumbach

Wollschweine in Grumbach

Also haben wir heute eine etwas länger Strecke vor uns, jedenfalls länger als zunächst geplant. Und so treibt uns die Zeit zum Abschied. Wir bedanken uns herzlich bei unseren Gastgebern und machen uns auf den Weg, nicht bevor ich mir aber die drolligen Wollschweine der Familie angesehen habe. Den richtigen Weg aus Grumbach heraus haben wir gestern bei unserer unfreiwilligen Ortsbesichtigung bereits gesehen. Es geht neben der Kirche auf einem mit Betonsteinen gepflasterten Wirtschaftsweg gen Westen. Der Himmel ist heute bedeckt. Meine Befürchtungen scheinen sich also zu bestätigen. Denn der Wetterbericht, der noch zu Anfang der Woche schönes Wetter für das kommende Wochenende angesagt hatte, wurde vom wirklichen Wetter wieder einmal Lügen gestraft – leider. Denn was da von Nordwesten aufzieht, verspricht nichts gutes.

der Weg hinter Grumbach

der Weg hinter Grumbach

Wir hoffen aber, dass das Wetter heute noch durchhält. Eine steife Briese weht uns ins Gesicht, als wir über freies Feld auf den nächsten Ort Pohrsdorf zugehen. Wir sind nicht ganz allein schon so früh am Morgen unterwegs. Denn ein Dackel mit seinem Herrchen kommt uns schon entgegen. Am Ortseingang von Pohrsdorf steht eine Gruppe Jungbullen unter einer Baumgruppe. Die Rinder scheinen noch zu schlafen. Kaum eines regt sich.
unser Dorf soll schöner werden :)

unser Dorf soll schöner werden 🙂

Am Wegesrand steht ein Schild „Pohrsdorf grüßt seine Gäste“ und „Unser Dorf soll schöner werden. Unser Dorf hat Zukunft“, darunter einige Daten, wann der Ort bereits Auszeichnungen erhalten hat. Ein paar Schritte weiter bietet sich uns dieses Bild. Wir müssen lachen, denn hier an dieser Stelle kann der Ort nur noch schöner werden. Etwas weiter im Ortszentrum sieht es dann aber wirklich nicht so schlecht aus, das muss ich fairer weise berichten. Der Weg schlägt hier noch einen kleinen Haken nach Südost, so dass er noch Fördergersdorf durchquert. Welch ein Glück, denn hier im Ortszentrum vor der Kneipe fährt gerade das Bäckerauto vor. Die Fahrerin öffnet ihren mobilen Verkaufsstand und bedient die bereits wartenden Leute aus dem Dorf. Dann sind wir endlich dran. Ein wenig Wurst und Käse haben wir noch. Also nehmen wir ein kleines Weißbrot mit. Nutze die Gelegenheit! Das habe ich auf meinen Wegen gelernt. Du weißt nicht, wann die nächste Gelegenheit kommt.
es gibt Kuchen gratis

es gibt Kuchen gratis

Natürlich fragen uns die Leute, wo wir denn her kommen und wo wir hin wollen. Obwohl es hier am Pfarrhaus eine Stempelstelle gibt, wissen es also doch noch nicht alle, dass Fördergersdorf am sächsischen Jakobsweg liegt. Nun wissen es wieder einige mehr. „Der Kuchen sieht aber auch lecker aus,“ sage ich und er ruft förmlich „nimm mich!!“ Wir können nicht widerstehen und schon habe ich ein großes Stück Pflaumenkuchen in der Hand. Wir wollen bezahlen, doch die nette Verkäuferin sagt: „Den Kuchen gibt´s umsonst.“ Wir bedanken uns herzlich und machen uns wieder auf den Weg. Ich schultere meinen Rucksack und Gustav hängt seine Karre an das Tragegestell, nachdem er das Weißbrot verstaut hat. Ein steil nach oben gehender Hohlweg führt uns an der Kirchmauer vorbei aus dem Ort. Und wir vergessen ganz, die Stempelstelle aufzusuchen. Als wir es bemerken, sind wir schon fast im nächsten Ort. Macht nichts, denn im übernächsten gibt es wieder eine.

das Forstvermessungsdenkmal in Spechtshausen

das Forstvermessungsdenkmal in Spechtshausen

Der nächste Ort ist Spechtshausen und der Weg auf dem wir in den Ort gehen, ist der Fürstenweg. Es ist ein Trampelpfad, der gesäumt ist von verschiedenen Bäumen und Büschen. Spechtshausen liegt am Rand des Tharandter Waldes, des größten zusammenhängenden Waldgebietes Sachsens. Der Tharandter Wald, der früher Grillenburger Wald hieß, ist ein beliebtes Wandergebiet.

die Wege durch den Tharandter Wald

die Wege durch den Tharandter Wald

Deshalb sind wir auch nicht allein, als wir am Forstvermessungs-Denkmal von 1740 Spechtshausen auf einer schmalen Asphaltstraße verlassen. In leichtem Auf und Ab führt uns diese Asphaltstraße durch den Hochwald. Kiefern, Fichten und Tannen, durchmischt mit verschiedenen Laubbäumen säumen den Weg, der fast kerzengerade das Waldgebiet durchschneidet.

Auch die kreuzenden Wege verlaufen sehr gerade. So langsam wird es langweilig. Und die Füße schmerzen auf dem harten Asphalt. Gerade noch rechtzeitig an einer Schutzhütte zweigt unser Weg dann nach links auf einen Schotterweg ab. Im großen Bogen führt er uns aber wieder zurück zum Asphaltweg. Wieder so ein kleiner Haken, der zwar unnötig ist aber gerade noch rechtzeitig ein wenig Abwechslung bringt. Kurz vor Grillenburg sind wir dann auf dem Holzweg. Nein, nein, wir sind noch richtig. Der Holzweg ist einer von drei Erlebnispfaden, die hier angelegt wurden. Es gibt da noch den Abenteuer- und den Sinnespfad. In der Erklärung heißt es dazu: „Das Walderlebnis Grillenburg informiert jeden Waldbesucher über die vielfältigen Funktionen des Waldes und bietet die Möglichkeit, den Wald einmal anders zu entdecken und zu (be)greifen. Sie finden derzeit drei Erlebnispfade: einen Abenteuerpfad, den Holzweg und einen Sinnespfad. Diese Pfade sind unter Leitung des Sächsischen Lehrforstamtes Tharandt entstanden. Bei ihrer Errichtung wurde ausschließlich Holz aus dem Tharandter Wald verwendet. Die mit sehr viel Liebe gestalteten Wege richten sich vor allem an Familien mit Kindern. Natürlich ist jeder Besucher herzlich eingeladen.“

2. Frühstück in Grillenburg

2. Frühstück in Grillenburg

Auch hier sind wir nicht allein. Viele Ausflügler kreuzen unseren Weg und blicken uns recht erstaunt nach, sicher wieder wegen des Wagens. Dann ist Grillenburg erreicht. Hier gibt es gleich zwei Gaststätten, in denen wir uns stärken könnten. Wir gehen aber zum Imbiss an der Gondelstation am „Unteren Teich“, da wir eigentlich nicht so viel Hunger haben und weil es hier sicher schneller geht als im Restaurant, das gleich über die Straße liegt und welches auf mich auch sehr einladend wirkt. Aber es regnet noch nicht. Warum also die wertvolle Zeit in der Wirtschaft verplämpern?

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Gegenüber des Jagdschlosses sitzen wir also an einem Tisch vor dem Imbissstand als einzige Gäste. Die Ruderboote, die man sich hier ausleihen kann, schaukeln ebenfalls einsam an ihren Leinen. Es ist weder das richtige Wetter fürs Rudern noch um im Freisitz zu essen. Das merke ich sehr schnell, als der wärmende Rucksack neben mir steht und der kalte Wind über meinen vom Schweiß feuchten Rücken streift. Da heißt es schnell zu sein, um sich nichts weg zu holen. Und so ist die Flasche Radeberger, die ich mir bestellt habe auch schnell leer und die Pappe, auf der eben noch eine Bockwurst lag, muss ich nun fest halten, damit sie nicht vom Wind weg geweht wird.

Jagdschloss Grillenburg

Jagdschloss Grillenburg

Gustav hat seine Kaffeetasse auch recht schnell leer getrunken, bevor beide kalt werden, der Kaffee und der Gustav. „Das nächste Mal kommen wir aber im Sommer her“, sage ich noch. Und schon machen wir uns wieder auf den Weg. Bevor wir aber wieder nach den nächsten Wegweisern suchen, gehen wir noch über die Straße, um unseren Pilgerpass zu stempeln. Die Stempelstelle hängt an der Hauswand des Restaurants „Waldhof“. Um den weiteren Weg zu finden, muss ich hier mein GPS Gerät bemühen. Darauf ist zu sehen, dass wir uns hinter dem Jagdschloss links halten müssen. Der Weg ist so vom Laub bedeckt, dass wir ihn kaum finden können. Wenig später sehen wir aber wieder eine Muschel und wissen, dass wir richtig sind. Hier ganz in der Nähe befindet sich die geografische Mitte des Freistaates Sachsen. Sie liegt auf 50° 55′ 46″ N und 13° 27′ 30″ O. Die Kennzeichnung durch eine mannshohe Granitstele erfolgte im Auftrag der MDR-TV-Sendung Außenseiter Spitzenreiter am 28. September 1994. Wir bekommen die Stele leider nicht zu Gesicht, da uns vorher ein Wegweiser nach rechts verweist.

der "Quirl"- fünf Wege zweigen hier ab (vier passten nur aufs Foto)

der „Quirl“- fünf Wege zweigen hier ab (vier passten nur aufs Foto)

Vor uns liegt ein Weg, der scheinbar ins Nirgendwo führt. Er verläuft wie mit einer Schnur gezogen und wir können sein Ende nicht ausmachen. Langweiliger kann ein Wald nicht sein. Gefühlte 2 Stunden später treten wir endlich wieder auf freie Flur. Schnell nutzen wir die Deckung, um noch mal hinter dem Busch zu verschwinden und wenig später laufen wir durch Naundorf.
Eisenbahnbrücke in Naundorf

Eisenbahnbrücke in Naundorf

Nach einer weiteren kurzen Pause (meine Schmerzen sind wieder wie neu!) gehen wir auf einem Weg durch den Ort, der mit etwas Phantasie als ehemalige Bahnstrecke zu erkennen ist. Und als wir dann auf einer Brücke über die B173 stehen, ist es glasklar. So viel Aufwand hätte niemand für einen schmalen Fußweg getrieben. Die hier früher verlaufende verlegten  Schienen gehörten zu einer der vielen sächsischen Schmalspurbahnen. Diese hier verlief vom Bahnhof Klingenberg-Colmnitz nach Oberdittmannsdorf und verband die Schmalspurbahnen Klingenberg-Colmnitz – Frauenstein und Freital-Potschappel – Nossen miteinander. Die Reste der letzteren hatten wir ja schon in der Nähe von Kesselsdorf gestern gesehen. Die Strecke wurde 1971 stillgelegt und teilweise zurückgebaut. Dort, wo die Bahndämme noch vorhanden sind, verlaufen heute Wanderwege.

im Tal der Bobritzsch

im Tal der Bobritzsch

Gleich nach der imposanten Brücke, die zwei Straßen auf einmal überspannt, gehen wir über Treppen hinunter zur Bundesstraße, um diese sofort wieder nach rechts zu verlassen. Wir laufen nun durch das romantische Tal der Bobritzsch. Im nächsten Ort Falkenberg begegnet uns noch einmal die alte Schmalspurbahn. Ein alter Lokschuppen und ein Stück Gleis zeugen hier von längst vergangener Bahngeschichte. Diese Schmalspurbahn wurde in ihrer Geschichte übrigens nie rentabel betrieben.

Brücke über die Bobritzsch

Brücke über die Bobritzsch

Den Ort Falkenberg betreten wir über eine alte Steinbrücke, die die Bobritzsch überspannt. Gleich danach weist der Wegweiser nach rechts oben. Zum Glück hat der Weg ein Geländer. Denn dieser Weg heißt zurecht Kirchsteig. Und steigen müssen wir hier wirklich. Am Geländer ziehen wir uns nach oben. Auch als das steilste Stück überwunden ist, steigt die Straße immer noch an. Erst als wir einen Kilometer weiter die Landstraße nach Conradsdorf erreichen, wird es wieder eben. Dort hat ein kluger Mensch dafür gesorgt, dass eine Bank aufgestellt wird. Ein willkommener Anlass, noch mal eine kleine Pause einzulegen. Von hier sehen wir bereis den Förderturm der „Reichen Zeche“, einem Schacht, der sich kurz vor Freiberg befindet. Was wir aber noch nicht sehen können, das ist der Weg dort hin. Wird schon nicht so schlimm werden. Doch wir gehen durch Conradsdorf stetig bergab bis hinunter zur Freiberger Mulde.

restaurierte Muldebrücke in Conradsdorf

restaurierte Muldebrücke in Conradsdorf

Das müssen wir alles wieder hoch. bestätigen wir uns gegenseitig, als wir am tiefsten Punkt die neue Brücke über die Mulde überqueren. Auf ihr stehend, sieht man die sehr schön restaurierte alte steinerne Muldebrücke, die irgend wann zu schmal geworden war für den Streßenverkehr. Parallel zum Fluss gehen wir nun entlang des „Roten Grabens“, einer alten Entwässerungsanlage des Bergbaus, der einen hier überall begegnet. Hier sehen wir einige Mundlöcher von alten Bergbauschächten, aus denen immer noch die Entwässerung der Stollen erfolgt. Freiberg ist bekannt für den Silberbergbau, der die Stadt im Mittelalter reich gemacht hat. Die Gegend hier ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Mit über 800 Jahren Tradition und mehr als 1.000 Erzgängen ist das Freiberger Silberbergwerk das größte und älteste in Sachsen.

altes Mundloch

altes Mundloch

Auf mehr als 30 Quadratkilometer Fläche erstreckt sich das Abbaufeld unter der Stadt. Wegen dieser reichen Bergbautradition befindet sich hier in Freiberg nicht umsonst die Bergakademie, mit einem der renomiertesten Lehrstühle für Geologie. Aber statt nach unten in den Berg, geht es für uns nun wieder steil bergauf. Bis zur „Reichen Zeche“ kommen wir wieder ganz schön ins Schnaufen, als wir all das wieder nach oben gehen, was wir in Conradsdorf an Höhe verloren hatten. Warum man hier den unwegsamen schmalen Pfand und nicht den breiten Wirtschaftsweg, welcher nur 100 Meter parallel verläuft beschildert hat, bleibt mir ein Rätsel. So hat Gustav alle Mühe, seinen Wagen über die Grasbüschel nach oben zu ziehen. Endlich stehen wir dann dort oben neben der „Reichen Zeche“ und in der Dämmerung, die bereits eingesetzt hat, liegt vor uns Freiberg

Stadtansicht Freiberg von der "Reichen Zeche" aus

Stadtansicht Freiberg von der „Reichen Zeche“ aus

Die Kirchtürme der Stadt sind noch gut zu erkennen und versprechen uns einen interessanten Stadtrundgang. Freiberg ist Silberstadt, Universitätsstadt und „Berghauptstadt“. Gegründet um das Jahr 1168, zählte Freiberg dank des Silberabbaus über Jahrhunderte zu den reichsten Städten Sachsens. Im späten Mittelalter war Freiberg die größte Stadt der Mark Meißen und wichtiger Handelsstandort. Ihr Silberreichtum und die bedeutsame Freiberger Münze machten das Kurfürstentum Sachsen zu den reichsten Fürstentümern im deutschsprachigen Raum.

Postmeilensäule in Freiberg

Postmeilensäule in Freiberg

Freibergs historischer Stadtkern steht heute unter Denkmalschutz. Wie von allein geht es nun durch Gartenanlagen und Siedlungen bergab in die Stadt hinein. Wir überqueren die S196 und sehen am Eingang zur Altstadt die alte Postmeilensäule. Auf dem Weg zum Untermarkt wählen wir aus dem reichhaltigen Angebot bereits etwas passendes für unser Abendessen aus und entscheiden uns, nach dem deftigen Essen von gestern Abend, heute für leichte italienische Kost. Es ist nun fast dunkel geworden, als wir auf dem Untermarkt vor dem Dom stehen. Sieht eigentlich gar nicht aus wie ein Dom, denke ich beim Anblick der beiden Stummeltürme, die hinter dem massigen Kirchenschiff mit dem markanten, reich verzierten Giebel stehen. Den Stempel gibt es hier im Domladen gleich neben dem Dom. Leider sind wir etwas zu spät. Es ist bereits nach 18 Uhr. Doch es brennt Licht und drinnen ist noch jemand anwesend. Wir klopfen ans Fenster und bekommen so gerade noch unseren Stempel vom Freiberger Dom. Die Unterkunft, erfahren wir gleichzeitig, ist gleich um die Ecke in der Domgasse 6. An der Sprechanlage meldet sich eine Frau und dann summt auch schon der Türöffner. Eine schöne alte Wendeltreppe führt uns in die erste Etage, wo wir von unserer heutigen Gastgeberin Frau Noth empfangen werden.

der Untermarkt in Freiberg

der Untermarkt in Freiberg

Die Wohnung in dem alten Haus ist riesig. Frau Noth geleitet uns in ein Zimmer, welches augenscheinlich ihr sonst als Arbeitszimmer dient. Sie ist Kantorin und das meiste, was sich hier drin befindet, hat etwas mit Musik oder Kunst zu tun. Schöne Zeichnungen hängen an den Wänden und viele Bücher über Musik stehen in den Regalen. Wie in Grumbach abgemacht, nehme ich dieses Mal die Matratze, die wir hinter der ausziehbaren Doppelbettcouch hervorholen. Und Gustav klappt sich eine Hälfte der Liege aus. Frau Noth zeigt uns die Dusche und die Toilette. Sie fragt uns, ob wir heute Abend noch Lust hätten zu einem kleinen Gespräch. Natürlich sagen wir zu und ich freue mich drauf. „Es kann aber etwas später werden“ sagt sie, weil sie mit ihrem Mann noch zu einer Theateraufführung möchte. Kein Problem, da wir ja auch noch außer Haus wollen. Sie übergibt uns einen Schlüssel zur Wohnung und zum Hauseingang und verschwindet.

 Nach dem Duschen lege ich mich noch etwas hin. Doch bald meldet sich mein Magen und wir machen uns auf zum vorhin auserkorenen Italiener. Die Auswahl in der Speisekarte ist riesig und ich habe wie immer in solchen Situationen einige Mühe mich zu entscheiden. Das Ergebnis meiner Auswahl verschlägt mir dann aber den Atem. Ich habe was mit Spaghetti, Öl und Knoblauch bestellt. Fragt mich bitte nicht nach dem Namen. Ach ja und „scharf“ stand auch noch dran. Das hatte ich wohl übersehen? Denn das hier, was vor mir steht und von dem ich nur eine Gabel voll genommen habe, ist Luzifer-mäßig scharf. Mir treibt es den Schweiß auf die Stirn. Als der Kellner nach unseren weiteren Wünschen fragt, sage ich, dass das aber ganz schön heftig ist. Seine ganze Reaktion (grinsend) „Gut! nicht?“. Und schon verschwindet er wieder und ich sitze vor meinen Nudeln. Ich schmecke eigentlich gar nichts mehr vom Olivenöl. Selbst von dem Knoblauch ist nichts zu schmecken (hoffentlich nachher auch nichts zu riechen). Eins weiß ich nun. Das kommt mir nicht wieder auf den Tisch, vor allem nicht, wenn „scharf“ dran steht. Um es nicht falsch zu verstehen, ich esse eigentlich recht gern scharfes Essen. Aber das hier ist dann doch etwas zu viel für mich. Da genügt dann auch nicht nur ein Radeberger danach…
Dom zu Freiberg

Dom zu Freiberg

Als wir das Lokal verlassen, regnet es bereits und wir haben keine Lust mehr, noch weiter durch die Stadt zu streifen. Wieder im Zimmer müssen wir nicht lange warten, bis unsere Gastgeber zurück kommen und an die Zimmertür klopfen. Wir setzen uns ins Wohnzimmer und werden zunächst erst mal „ausgefragt“ zum üblichen Woher, Wohin und Warum. Die meisten Themen, die wir anschneiden, drehen sich natürlich ums Pilgern. Nebenbei erfahren wir nun auch, dass wir im Wohnzimmer des Dom – Pfarrers sitzen. Dieser ist gerade dabei, für mich noch eine Flasche Bier aus der Küche zu holen. Es wird spät an diesem Abend. Bis nach Null Uhr sitzen wir angeregt schwatzend im Wohnzimmer, bevor wir uns im Schlafsack verkriechen. „Was für ein Tag!“, Was für nette Leute!“ denke ich und schlafe schnell ein, um der Erste zu sein, der mit dem Schnarchkozert anfängt.

 

 

 

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