ökumenischer Pilgerweg 2. Teil – Der Tag der Freudlichkeit

abmarschbereit

abmarschbereit

In der vergangenen Nacht machte sich zum wiederholten Mal die Anschaffung der neuen und wärmeren Schlafsäcke bezahlt. Es ist bitter kalt in dem dicken Gemäuer des Schlosses. Beim Frühstück, was mangels Reserven heute mal wieder etwas magerer ausfällt, kommt Betinas Föhn nochmals zum Dauereinsatz. Es gibt die Brötchen vom Vortag und löslichen Kaffee. Ich mache mir heiße Zitrone, was zu den im Raum herrschenden Temperaturen besser passt. Wenigstens draußen scheint es immer wärmer zu werden, da die Sonne in einen fast wolkenlosen Himmel aufsteigt. Ich mache vor dem Abmarsch noch einige Aufnahmen vom Schloss, welches sich heute morgen in einem besseren Licht präsentiert. Und schon gehen wir, den Rucksack auf dem Rücken durch Schönfeld.

der Biorasenmäher

der Biorasenmäher

Am Ortsausgang verlassen wir zum Glück wieder die B98 und biegen nach links auf eine kleinere Asphaltstraße ab. Hier treffen wir dann auch auf die „Eisdiele“, die uns die Kinder am Vortag beschrieben haben. Diese ist nur schwer als solche zu erkennen. Auch ein biologischer Rasenmäher auf einer Wiese am Wegesrand ist mir ein Foto wert. Wenn man genauer hin schaut, zeigt sich dort, wo die Sonne noch nicht hin gekommen ist Rauhreif auf den Wiesen. Doch die Sonne steigt immer weiter nach oben in den Himmel und man spürt bereits die Wärme auf dem Rücken. Lange Schattenspiele auf dem Weg verraten aber, dass es noch sehr früh ist am Tage.

Schattenspiele

Schattenspiele

Kronospan

Kronospan

Auf der rechten Seite ist ein großes Industriegebiet nicht zu übersehen. Es ist das Kronospan – Werk in Lampertswalde. Zum Glück ist die Windrichtung günstig und wir bekommen nicht die Abgase ab. Dafür riechen wir immer mehr einen riesigen Kuhstall, der am Ortsrand von Quersa vor sich hin müffelt. In Quersa wechselt Betina plötzlich die Straßenseite und ich sehe, wie sie sich mit einer alten Frau unterhält, die vor einem großen Gehöft an einem Auto steht. Sehe ich richtig? Ja, Betina winkt uns zu. „Ich habe die Frau einfach mal gefragt, ob es in dem Dorf eine Möglichkeit gibt, einen Kaffee zu trinken.“ (Unser Löslicher am Morgen war wohl doch nicht das richtige.) „Und sie hat uns zu sich eingeladen.“ berichtet Betina.

die freundliche Helga

die freundliche Helga

Helga, so wie die alte Frau heißt, bittet auch uns ohne lange zu überlegen zu sich ins Haus. Die Rucksäcke lassen wir draußen im Hof stehen. Und schon sitzen wir in der kleinen Küche. „Ihr müsst schon entschuldigen, dass es hier so aussieht. Wir hatten gestern eine Feier und ich habe noch nicht aufgeräumt“, so versucht sie völlig unnötigerweise die Unordnung in ihrem Reich zu entschuldigen. Und schon fängt sie an Kaffee für uns zu kochen. „Ich habe von Gestern noch Schichtsalat im Kühlschrank und gebratene Hühnerbeine“. Und schon stehen neben unseren Kaffeetassen zwei große Schüsseln auf dem Tisch. Wir können sie kaum bremsen, denn schon kramt sie auch noch Kuchen aus dem Schrank und stellt ihn auf dem Tisch vor unsere Nase.

unverhofft kommt oft

unverhofft kommt oft

Mit einem großen Löffel gibt es dann einen tüchtigen Schlag des sehr schmackhaften Schichtsalat auf den Teller. Wir müssen Helga ausbremsen in ihrer Freundlichkeit, denn immer mehr Sachen finden ihren Weg auf den Küchentisch. Sie erzählt uns nebenbei von ihrer Familie, von ihren schlimmen Krankheiten, die sie in letzter Zeit erdulden musste und warum sie uns herein gebeten hat. „Jeden lade ich nicht ein in mein Haus“, betont sie. „Da muss man schon etwas Menschenkenntnis haben“, setzt sie fort. Na wir scheinen jedenfalls nicht den schlechtesten Eindruck auf unsere Umgebung zu machen, denke ich. Helga scheint glücklich zu sein, dass sich jemand die Zeit nimmt, ihr zu zuhören, obwohl sie immer wieder betont, dass ihre Kinder sofort da sind, wenn sie Hilfe braucht.

Helga mit Betina

Helga mit Betina

Ihr Sohn, der mit im Haus wohnt, betritt den Raum und schaut etwas verwundert. Es stimmt also, sie lässt wirklich nicht jeden in ihre Küche. Er kommt von der Jagd. Wie es scheint erfolglos, denn er verschwindet nach einer knappen Begrüßung im Nebenraum. Nur sein Hund, ein Drahthaar – Dackel bleibt da. Er ist völlig durchnässt und Andrea reibt ihn mit seiner Decke etwas ab. Er lässt es geschehen und scheint es zu genießen. Helga hat sich warm geredet und ihre Güte und Freundlichkeit ist überwältigend. Wir trauen uns fast nicht aufzustehen und uns zu verabschieden. Doch wir müssen weiter. Also bedanken wir uns artig bei unserer freundlichen Gastgeberin, machen noch ein paar Fotos, von denen wir, so haben wir uns vorgenommen, welche an Helga schicken wollen und verlassen das Haus. Helga winkt uns nach und wir hoffen, dass sie ihrer Familie und auch den durchziehenden Pilgern noch recht lange erhalten bleibt. Wen also jemand durch Quersa kommt, einfach mal nach Helga Händler fragen und einen schönen Gruß von uns bestellen. Das wäre nett.

vor Großenhain

vor Großenhain

Quersa erweist sich als lang gezogenes Bauerndorf, in dem es viele solche schön wieder hergestellten Dreiseitenhöfe gibt, wie den, in dem Helga wohnt. Kurz vor dem Ortsausgang zweigt der Weg nach rechts wieder ab von der B98 und wir gehen bis zu einem Bahnübergang. Dann muss man aufpassen, denn gleich hinter dem Bahnübergang, muss man die Straße nach links verlassen und auf einen Feldweg gehen, der direkt am Bahndamm entlang in Richtung Großenhain führt. Hier sehen wir schon den hohen Turm der Marienkirche dieser alten Garnisonsstadt. Einige Kilometer laufen wir über freies Feld an der Bahnlinie entlang. Der Wind hat hier leichtes Spiel. Und wie schon am Vortag ist er recht kühl. Das lustige Jackewechsledich beginnt wieder. Kurz vor Großenhain kommen wir nach Folbern und biegen dort auf die alte B98 nach rechts ein. Nach Fertigstellung der neuen Ortsumgehung und der Verlegung der B98  ist es hier recht ruhig geworden. Außerdem ist heute Sonntag und da ist um diese Zeit so kurz vor Mittag eh nicht so viel Verkehr. Weil heute Sonntag ist und es am Zielort Skassa keine Möglichkeit gibt, etwas zu essen zu bekommen, nutzen wir die erste Gelegenheit, unsere Vorräte an Proviant aufzufüllen. Erste Direktive beim Pilgern: Nutze die Chance!

Mittag in der Tankstelle

Mittag in der Tankstelle

Und die erste Chance dazu ist eine Tankstelle. Das Angebot ist aber recht übersichtlich. In der Auslage tummeln sich noch zwei belegte Baguettes und die Verkäuferinnen machen nicht den Eindruck, viel Freude an ihrem Job haben. Zumindest laufen sie nicht Gefahr, mit dem Titel dieses Beitrages in Verbindung gebracht zu werden. Wiederwillig bereiten sie weitere zwei Baguettes für uns. Wüsste ich eine andere Möglichkeit zum Einkauf, ich wäre wieder gegangen. So verursachen wir aber hier wahrscheinlich den Umsatz des Tages, trinken noch einen Kaffee bzw.Cola und verlassen die Tankstelle mit einigen Kilo mehr auf dem Rücken. Darin befinden sich jetzt einige Flaschen Bier und Rotwein, ein paar Semmeln und die vier Baguettes. Und auch ein paar BiFi´s belasten den Rücken zusätzlich zu dem, was sowieso schon im Rucksack ist.

Altstadt von Großenhain

Altstadt von Großenhain

Während wir in die Stadt gehen, verweise ich auf die vielen neu gedeckten Dächer. Großenhain wurde vor zwei Jahren von einem schlimmen Tornado heim gesucht. In einer Schneise von 2 Kilometern Breite von hier bis nach Mühlberg an der Elbe wurde kaum ein Haus und kaum ein Baum verschont. Und so sieht man heute hier viele neu gedeckte Dächer und und die Spuren an den Kronen der großen Bäume, die etwas merkwürdig gerupft aussehen. Entlang der Großen Röder gehen wir nun auf das Stadtzentrum zu. Beim Betreten der Altstadt sieht man bereits den massigen Bau der Marienkirche und man erkennt, weshalb sie auch die kleine Schwester der Dresdener Frauenkirche genannt wird.

Marienkirche Großenhain

Marienkirche Großenhain

Von dieser Seite sieht sie wirklich aus wie ein Rundbau mit einem großen Turm darauf, ist also der großen Schwester in Dresden sehr ähnlich. Kein Wunder, wirkte doch der Erbauer der Marienkirche Johann George Schmidt auch an der Dresdener Frauenkirche mit. Erst wenn man um sie herum geht, erkennt man das Langschiff in T – Form. Sie ist die einzige Kirche Sachsens mit dieser eigenwilligen Form und stellt deshalb etwas Besonderes dar. Wir wollen natürlich hinein und suchen etwas länger nach dem richtigen Eingang. Erst nach einer halben Umrundung entdecken wir die offen stehende Tür. Wir treten ein und auch im Innern erinnert die Ausstattung an die Frauenkirche. Emporen verlaufen ähnlich Theaterrängen in Schwüngen auf mehreren Etagen links und rechts des Altars, auf den man vom Hautportal her zugeht. Hoch oben befindet sich die Orgel, darunter hoch über dem Boden die Kanzel. Die Bänke verlaufen in den gleichen Schwüngen wie die Emporen durch den Raum. Das alles sieht sehr lebendig und doch erhaben aus. Betina sitzt minutenlang in der Bank und schaut nach oben. Auch in meinem Genick beginnt zu ziehen, weil ich den Kopf schon längere Zeit nach oben richte. Ich denke, die Bauherren wollten das so. Auffallend ist, dass große Bereiche der Emporen verglast sind. Das sind sogenannte Betstuben. Wohlhabende Bürgerfamilien konnten diese erwerben, was zur Finanzierung des Aufbaus genutzt wurde. Das Mobiliar in den Räumen ist teilweise erhalten.

Kanzelaltar der Marienkirche

Kanzelaltar der Marienkirche

Die Kirche hat eine wechselvolle Geschichte. Von den Vorkirchen, die hier standen, ist nicht viel überliefert. 1748 wurden die Bauarbeiten der jetzigen Marienkirche beendet. Die Kirche wurde da aber nur mit einer Mindestausstattung versehen. Erst sieben Jahre später erhielt sie ihren beeindruckenden Kanzelaltar und erst 1802 wurde nach zweijähriger Bauzeit der Turm eingeweiht. Die Orgel stammt von 1902 und wurde 2001 überholt. 1972 wurde die Kirche mit den damaligen Mitteln und Möglichkeiten restauriert. Und 2004 erhielt sie nach einer erneuten Überholung ihr heutiges Aussehen. Wir schlendern nun zum Marktplatz, wo sich das imposante Rathaus von 1876 im Stil der Neorenaissance und auf der Ostseite des Platzes der Diana Brunnen befindet. Ich kenne Großenhain nur vom Durchfahren und komme dabei natürlich nie hier vorbei. Und so bin ich froh, für die Stadt auch mal mehr Zeit zu haben.

Rathaus von Großenhain

Rathaus von Großenhain

Am heutigen Sonntag befinden sich hier nur wenige Leute auf der Straße. Nur ein paar Biker haben ihre Motorräder abgestellt und machen Pause im Freisitz einer Eisdiele. Wir tun es ihnen gleich und setzten uns in die Sonne. Der Wind ist aber kühl, so dass man eine Jacke braucht. Also wieder auspacken… Betina mag es lieber herzhaft und bestellt sich einen Toast. Ich bestelle ein Radeberger. Nur Andrea bekommt ihren Eisbecher. Es ist eine Art „Running Gag“ bei uns, der während unserer Wanderungen in den Alpen entstand. Wenn sie „schön gelaufen“ sind, bekamen die Kinder immer ein Eis. Andrea hat das schnell übernommen und ist auf den Zug aufgesprungen. Wenn unterwegs also eine Eisdiele in der Nähe auftaucht, muss ich nicht lange warten bis Andrea sagt: „“Woor? Ich bin heute schön geloofen.“ Wer könnte da nein sagen?

vor der Eisdiele am Markt

vor der Eisdiele am Markt

Ich bin nicht so der Eistyp, deshalb das Bier. Später gesellen sich auch noch die sechs uns bereits bekannten Pilger zu uns, die wir bereits vor Großenhain in der Ferne kommen sahen. Die Koalition derer, die sich lieber uns anschließen wollen, hat sich inzwischen unter ihnen vergrößert. Nun schon offen werden einzelne in der Gruppe aufmüpfig und verkünden, dass sie lieber mit uns gehen würden, als wir aufstehen um weiter zu gehen. Aber die Gruppendisziplin siegt und wir gehen allein weiter. Im weiten Bogen durch die Altstadt gehen wir zum sehr schönen Stadtpark und dann durch schmucke Eigenheimsiedlungen am Stadtrand. Auf einem mit Betonsteinen gepflasterten kilometerlangen Radweg geht es direkt nach Skassa.

Landschaft vor Skassa

Landschaft vor Skassa

Die Kleinraschützer Heide erstreckt sich rechts von diesem Weg und viele Ausflügler treffen wir, die dieses Naherholungsgebiet vor den Toren Großenhains zum Ziel für eine Wanderung oder einen Radausflug haben. Nach der Brücke über die Große Röder betreten wir den Ort Skassa. Ein Mann macht sich vor dem Feuerwehrhaus an einem Schild zu schaffen „Skassaer Weinfest 3. Oktober“. Schade, da sind wir schon weg. Gerade rüber sehe ich an der Mauer des Pfarrgartens einen Wegweiser zur Herberge. Diese befindet sich hier im Pfarrhaus. An der Grundstückseinfahrt hängt ein großes Transparent „Fürstentum Platanien“, daneben baumelt an einer wackligen Konstruktion aus Knüppeln eine kleine Glocke. Ich bin versucht am Strick zu ziehen und zu läuten, lasse es dann aber besser. Ich klingle lieber an der Türe zum Haus. Geöffnet wir diese von einem kleinen Mädchen, welches sofort etwas verschreckt wieder verschwindet. Minutenlang …. nichts. Dann endlich kommt die Hausherrin.

Pfarrhaus von Skassa

Pfarrhaus von Skassa

Wir hatten uns angemeldet und sollten vor 15.30 Uhr hier sein, da sie mit ihren drei Kindern am Nachmittag zum Kindergottesdienst nach Riesa fahren will. Und so hat sie wenig Zeit für uns, was auch nicht so schlimm ist, da wir uns schnell zurecht finden. Am wichtigsten ist heute eine Dusche. Denn wir hatten bereits zwei Tage keine Gelegenheit mehr dazu, eine solche zu genießen. Vielleicht ist das Mädchen deshalb ausgerissen? Wir beziehen zwei Zimmer und finden auch einen kleinen Aufenthaltsraum. Unten hinter dem Gemeindezimmer befindet sich eine sehr gut ausgestattete Küche, in der wir nun endlich auch unsere Kamenzer Würste, die ich in Königsbrück gekauft habe zubereiten (soll heißen warm machen) können. Doch bis zum Abendessen ist noch Zeit. Ich wasche meine Socken und ein Shirt. Und während Andrea und Betina duschen und ebenfalls Wäsche waschen, gehe ich in die nahe Kirche, die zum Glück geöffnet ist. Von der schönen Ausstattung bin ich recht überrascht, auch vom sehr guten Zustand des Innenraumes. Ich kann sogar auf die Empore steigen. Und als ich entdecke, dass auch die Lattentür zum Turm nicht verschlossen ist, besteige ich diesen über die morsch erscheinenden Holzstiegen. Vorsichtig versuche ich die Bretter nur in der Nähe der Balkenlage zu betreten. Ich befürchte wegen des Besorgnis erregenden Zustandes der Bodendielen durch zu brechen.

in der Kirche von Skassa

in der Kirche von Skassa

Ich mache einige Aufnahmen vom interessanten Werk der Turmuhr, bevor ich vorsichtig wieder absteige. Dann verschließe ich alle Türen wieder und mache das Licht aus. Ich muss mich beeilen, denn die Kirche ist nur bis 18 Uhr geöffnet. Die Frauen würden mich sicher nicht auf dem Kirchturm vermuten, wenn ich eingeschlossen werde. Pünktlich zum Abendessen bin ich aber zurück. Betina telefoniert gerade in der Küche als ich herein poltere. Ich will sie eigentlich nicht dabei stören. Aber sie verlässt bevor ich mich zurück ziehen kann den Raum. Ich habe also Gelegenheit das Abendessen vorzubereiten. Üppig fällt es wie immer nicht aus, wenn wir keine Gelegenheit finden, sozusagen „auswärts“ essen zu gehen. In Skassa gibt es solch eine Gelegenheit leider nicht.

es gibt Kamenzer und Krostitzer

es gibt Kamenzer und Krostitzer

Und so gibt es heute wieder nur warme Kamenzer mit Bautzner Senf und Ur – Krostitzer Bier, von dem Betina zu meiner Freude begeistert ist. Das Bier wird ganz in der Nähe unseres Wohnortes gebraut, ist sozusagen mein Heimatbier, auch wenn ich es seit einiger Zeit verschmäht habe, sozusagen fremd gegangen bin. Es hat mir nicht mehr richtig geschmeckt und ein bisschen vergnatzt war ich auch. Denn zu DDR Zeiten wurde das Bier aus Krostitz fast nur „unter dem Ladentisch“ verkauft. Man brauchte sogenannte „Beziehungen“, wenn man mal größere Mengen brauchte. Das nahm groteske Formen an, die in einem „Bierkrieg zu Delitzsch“ gipfelten. Bitterfelder, deren Bier man einfach nicht trinken konnte und die „Beziehungen“ in Delitzsch hatten, kamen mit Pkw Anhängern und holten das Bier am Hintereingang der Kaufhalle kistenweise. Das ärgerte natürlich die durstigen Delitzscher, die das mit bekamen und „ihr“ Bier nur kontingentiert bekamen. Einige griffen zum Messer und zerstachen die Reifen der Bitterfelder Anhänger. Ein Handgemenge war die Folge. Wahnsinnig und unvorstellbar erscheint das heute, wenn man in einen Getränkehandel schaut. Diese Vielfalt verursachte dann sicher auch mein Fremdgehen in Sachen Bierkonsum. (Nur mal so am Rande zur allgemeinen Erheiterung)

im Aufenthaltsraum

im Aufenthaltsraum

Nach dem Essen verziehen wir uns nach oben in den Aufenthaltsraum. Gedämpftes Licht scheint durch ein weißes Tuch , das locker unter die Decke gehängt ist. Ich habe einen Heizlüfter in Gang bekommen, der in der Zimmerecke lautstark vor sich hin surrt. So langsam wird es wegen der zunehmenden Wärme auch hier gemütlich. Wir fläzen in den bequemen Sesseln, trinken noch was und werten den Tag aus. Das Highlighte heute war natürlich Helga, die uns ohne Umschweife in ihre Küche einlud und mit ihrer Freundlichkeit uns sehr beeindruckte. Im Gegensatz dazu – die beiden Verkäuferinnen in der Tankstelle, die für Freundlichkeit eigentlich bezahlt werden, diese aber vermissen ließen. Und deshalb nenne ich diesen Tag auch den Tag der Freundlichkeit. Ein Lächeln, eine Geste oder ein freundliches Wort – schon wird das Eis gebrochen. Oft haben wir diese Freundlichkeit, ein Lächeln oder eine nette Geste am Weg schon gefunden. Andere wiederum stehen sich selbst im Weg, schauen miesepetrig, misstrauisch und verständnislos. Sie und können einem eigentlich leid tun.

2 thoughts on “ökumenischer Pilgerweg 2. Teil – Der Tag der Freudlichkeit

  1. Lieber Gert,
    ich bin gerade selbst auf dem Ökumenischen‘ unterwegs und wollte dir auf diesem Weg mitteilen, dass es die Herberge in Skassa leider nicht mehr gibt. Habe daher in Großenhain Station gemacht – auch eine wunderbare Herberge mit sehr herzlichen Empfang.
    Deine Beiträge sind übrigens toll – ich lese seit 2016 auf deiner Seite und bin seitdem den Primitivo und den Portugues gelaufen. Danke für die schönen und lesenswerten Beiträge, sie sind für mich immer sehr inspirierend und ermutigen mich stets, neue Wege zu gehen.

    Liebe Grüße, Benno

    • Hallo Benno, danke für’s lesen und die Rückmeldung. Ja, es ist mittlerweile bekannt, dass Skassa zu ist, genau wie St. Kilian in Stedten. Ich hoffe die Tendenz setzt sich nicht fort. Aber es ist sicher nicht einfach, jemanden zu finden, der sich um die Herberge und vor allem die Pilger kümmert. Man muss fast immer ansprechbar sein und opfert einen großen Teil seiner Freizeit. Zum Glück ist der ÖP recht gesegnet mit Pilgerherbergen, so dass man fast immer eine Möglichkeit findet, seinen müden Körper auf einer Matte auszustrecken, ohne Marathondistanzen zurück legen zu müssen.
      Wir stecken in den Vorbereitungen auf den Kerryway in Irland. Sicher gibt es dann neue Berichte und Fotos.

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