Vom Eise befreit sind Strom und Bäche….

 

Na endlich !!
es taut !!

es taut !!

Denn es sind nur noch 4 Wochen, bis es nach Mecklenburg geht. Und da gilt es noch einiges zu tun, um die eingerosteten Knochen wieder in Schwung zu bekommen. Und deshalb steht das hier auch unter “Pilgerweg Mecklenburgische Seenplatte”, dient es doch zur weiteren Vorbereitung auf diesen Weg.

Nun sind wir beide keine ausgesprochenen Wintersportler und so warteten wir gespannt auf die erste Frühlingssonne. Und die ließ ja zum allgemeinen Verdruss in diesem Jahr besonders lange auf sich warten. Immer wieder lagen die Wetterfrösche, die Besserung versprachen, gehörig daneben.
Nun kommt der Frühling und hoffentlich auch Wärme. Denn mein Holzvorrat für den Kamin geht so langsam zur Neige.
Nur die versprochene Vorführung unseres “gepimpten” Zeltes muss noch etwas warten. Im Garten liegt noch Restschnee und die Nächte sind doch noch etwas kühl für die erste Probenacht. Der Boden ist stellenweise noch gefroren, da will ich meine Eigenbauheringe nicht gleich beim ersten Versuch ruinieren.
 

Denkmal Paupitzscher Kirche

Denkmal Paupitzscher Kirche

Und so machten wir uns heute am Mittag zu einer längeren Probewanderung auf den Weg. Mit dem Auto ging es bis zu einem Parkplatz am Rande der Goitzsche. Die Goitzsche ist eine Tagebaufolgelandschaft zwischen Delitzsch und Bitterfeld. Mehrere Braunkohlentagebaue wurden hier seit Anfang des vorigen Jahrhunderts aufgeschlossen. Und besonders schlimm wurde es dann zu DDR Zeiten. Denn da nahm dann niemand mehr Rücksicht auf die Natur und es mussten sogar ganze Dörfer der Braunkohle weichen.

Viele meiner Klassenkameraden stammen aus solch einem Dorf. An der Stelle, wo einst die Kirche von Paupitzsch stand, wurde ein Gedenkstein und ein aus Stahlgittermasten der Grubenbahn gefertigtes Kreuz aufgestellt. Regelmäßig einmal im Jahr findet hier eine Zusammenkunft ehemaliger Paupitzscher statt und ein Gottesdienst wird abgehalten.
Zwischen Neuhäuser und Paupitzscher See, beides ehemalige Restlöcher von Tagebauen, die mit Wasser gefüllt sind, gehen wir in Richtung Goitzschewächter. 
 
Neuhäuser See

Neuhäuser See

Nachdem die Tagebaue in den 90er Jahren unwirtschaftlich wurden, begann man mit deren Schließung. Das war sicher schlimm für die vielen Bergleute hier in der Gegend, die plötzlich arbeitslos wurden. Aber es war ganz sicher ein Gewinn für die Natur und die Lebensqualität der Anwohner. Der Raum Bitterfeld mit seiner chemischen Industrie, den vielen Brikettfabriken und den Braunkohlentagebauen galt als einer der schmutzigsten Orte Deutschlands. Nacht hörte man kilometerweit das Quietschen der Bagger und Absetzer, alles wurde in einen schwarzen Rußschleier gesteckt und die Farben der Abgase die aus den zahlreichen Schloten quoll und der Seen, in die die Abwässer flossen, wechselten täglich. Wer das gekannt hat und lange nicht hier war, wird das Revier nicht wieder erkennen.

die Goitzschewächter

die Goitzschewächter

Der Düsseldorfer Künstler Anatol Herzfeld hat die Goitzschewächter geschaffen. Das ist eine Gruppe von zehn 2,10 Meter großen Eisenkerlen, die im Kreis stehend über die Neugestaltung der Gegend wachen sollen. In der Mitte der Gruppe liegt ein großer Findling mit der Aufschrift “Franz”. Wer war oder ist Franz? Erst das Internet brachte Aufklärung. Damit soll das Wirken des anhaltinischen Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau gewürdigt werden. Der Fürst verfolgte im 18. Jahrhundert humanistische Ideale bürgerlicher Aufklärung. Das Dessau-Wörlitzer Gartenreich mit den Wörlitzer Anlagen zeugt noch heute von seinem Wirken. 

Findling mit Gesicht

Findling mit Gesicht

70 kleine Findlinge, die zwischen den Figuren liegen, wurden ebenfalls gestaltet und zeigen verschiedene Gesichter oder Reliefs.

Anfangs die Mibrag und später die LMBV übernahmen zum Glück das Erbe des jahrzehntelangen Raubbaus an der Natur. Unter Einbeziehung des BUND und der Landräte von Delitzsch (jetzt Nordsachsen) und Bitterfeld (jetzt Anhalt Zerbst) begann Mitte der 90er Jahre die Renaturisierung der geschundenen Landschaft. Ortsbezeichnungen wie “Schwellenplatz” oder “Hochkippe” künden noch von der früheren Nutzung. Viele Orte sind auch nach den früher dort liegenden Dörfern benannt. Eine große Anzahl von Seen, verbunden durch ein weit verzweigtes, gut ausgebautes Netz aus Rad- und Wanderwegen machen die Goitzsche inzwischen zu einem beliebten Ausflugsziel. Früher vorwiegend mit dem Rennrad und seit einiger Zeit häufiger zu Fuß, sind wir bei schönem Wetter oft hier anzutreffen. Dass es hier im Herbst jede Menge Pilze gibt, bleibt bitte unter uns.

 
Hier machen wir meist eine erste Pause. Ein früher hier vorhandener hölzerner Aussichtsturm, von dem man eine schöne Aussicht auf den Paupitzscher See hatte, ist leider von Vandalen abgebrannt worden. Nun steht hier nur noch eine überdachte Bank. Vandalismus ist leider immer wieder in diesem Gebiet anzutreffen. Graffiti – Schmierereien sind da noch das harmloseste. Immer wieder fallen Schutzhütten oder Aussichtstürme Brandstiftern zum Opfer oder es wird Unrat abgelagert. Was sind das nur für kranke gewissenlose Typen, die sowas machen? Wie dumm muss man sein und Kilometer weit fahren, um mitten in der Goitzsche einen alten Fernseher zu entsorgen, wo alle Deponien im Kreis Elektrogeräte kostenlos entgegennehmen? Ich ärgere mich darüber oft maßlos und wäre froh, wenn Leute, die bei sowas erwischt werden, noch härter bestraft werden.
 
Doch wieder zum Weg, bevor ich mich noch weiter ereifere:
englische Moorpferde

englische Moorpferde

Aufstieg zur Zöckeritzer Höhe

Aufstieg zur Zöckeritzer Höhe

Nach den Goitzschewächtern kann man zur Zöckeritzer Höhe gehen.  Ein weiterer Weg zum Paupitzscher Eck, der hier abzweigt, wurde durch das Ansteigen des Wassers zur Sackgasse. Zöckeritz war ein Dorf im Kreis Bitterfeld, das ebenfalls der Kohle weichen musste. Vorbei an einer Koppel mit neugierig schauenden englischen Exmoor –  Ponys hat man am Holzweißiger See einen steilen Aufstieg auf die Hochkippe vor sich. Und hier war noch Winter. Denn nur ein schmaler schlammiger Pfad führte hinauf. Doch alles gut gegangen, obwohl es ziemlich rutschig war. Oben hat man eine schöne Aussicht über den See bis zum Bitterfelder Bogen. Den besuchen wir aber ein anderes Mal. Denn den Füßen nach zu urteilen wurde es Zeit zur Umkehr. Man soll es nach dem langen Winter ja auch nicht gleich übertreiben.

Den Rückweg nahmen wir über die alte Straße von Holzweißig nach Benndorf. Hier passen bequem fünf Radfahrer nebeneinander, was manchmal auch nötig ist, denn an schönen Tagen herrscht hier Rushhour. Die Straße zieht sich kerzengeradeaus ganz schön in die Länge. Und so machten wir noch einmal Rast, auch damit der mitgebrachte Tee alle wird. Für Kinder wurde hier ein schöner Spielplatz mit Wasserspielen und ein Barfußweg angelegt.

Biber?

Biber?

An einer Brücke, die über den Wassgraben führt, der den Neuhäuser-, den Paupitzscher und den Ludwigsee miteinander verbindet, fielen uns merkwürdig angespitzte Baumstümpfe auf. Sollten sich hier etwa Biber angesiedelt haben? Es sieht ganz danach aus. Denn man erblickt deutliche Nagespuren an den Stämmen, die kreuz und quer im Wald liegen und große Teile der Rinde wurden ebenfalls abgenagt. Na dann wird die Brücke wohl bald höher gelegt werden müssen, wenn die fleißigen Wasserbauer ihr Werk vollendet haben und der Bach zum See wird. Entlang des Bachtales führte uns der Weg in strahlendem Sonnenschein zurück zum Neuhäuser See, den wir nun nur noch halb umrunden mussten, um wieder zum Ausgangspunkt und zum Auto zu gelangen. 

was sind das für Menschen?

was sind das für Menschen?

Hier fällt uns auf dem Parkplatz gleich wieder ein Müllberg auf, der nur noch resignierendes Kopfschütteln hervorrufen kann. Die Reste einer Schrankwand belegen hier einen Stellplatz – auch wieder so ein Beispiel grenzenloser Dummheit. Denn bei uns werden regelmäßig kostenlose Sperrmüllsammlungen durchgeführt.

 
Etwas geschafft lassen wir uns ins von der Sonne aufgeheizte Auto fallen. Das hatten wir auch schon lange nicht mehr, ein warmes Auto ohne dass der Motor läuft! 
Ein leises Stöhnen lässt sich vernehmen. Nun ja, man merkt schon die alten Knochen, wenn sie lange nicht mehr so intensiv genutzt wurden. 22 Kilometer sollten es gewesen sein. Das ist ganz schön viel nach so langer Pause. Wir nehmen uns aber vor, das nun häufiger zu machen. Macht ja auch mehr Spaß bei schönerem Wetter.
 
Nun sitze ich hier, mache noch die Fotos fertig. Und während dessen die Software werkelt, habe ich dies hier aufgeschrieben.
Die Rechtschreibfehler versuche ich morgen zu finden (wenn jemand vor mir welche findet, kann sie behalten!), denn jetze jehts in de Wanne.
 
Über Kommentare würde ich mich wie immer sehr freuen.
 
Beim nächsten mal gibt´s aber nun wirklich einen Beitrag zur Ausrüstung und einen Bericht über die erste Nacht im Zelt.
 
Tschüß, Gert.
Andrea mit neuem Rucksack

Andrea mit neuem Rucksack

 

Bäume im noch zugefrorenen Zöckeritzer See

Bäume im noch zugefrorenen Zöckeritzer See

 

Holzweißiger See

Holzweißiger See

 

wir machen Rast

wir machen Rast

 

Verbindungsgraben Neuhäuser- Paupitzscher- und Ludwigsee

Verbindungsgraben Neuhäuser- Paupitzscher- und Ludwigsee

 

 

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