Noch sieben Tage!

der neue Rucksack

der neue Rucksack

Nur noch sieben Tage sind es, bis wir nach Mecklenburg aufbrechen. Der Karton mit dem Outdoor – Zeugs wird laufend hin und her geräumt und Gedankenspiele verwirren mich, ob ich was vergessen habe oder ob nicht doch noch was ganz wichtiges mit muss. Die Rucksäcke sind bereits gepackt, das heißt, sie werden eigentlich laufend neu gepackt. Andrea hat einen neuen UL Rucksack mit 35 Liter, baugleich mit diesem aber in Rot und 5 € billiger. Und ich habe mich entschlossen, auch einen neuen anzuschaffen. Bisher hat mir der Deuter ACT lite 35+10 zwar immer gute Dienste geleistet. Dieses Mal muss aber bekanntlich unsere Campingausrüstung mit. Und die hätte ich außen anschnallen müssen, was eine ungleichmäßige Lastverteilung zur Folge hätte. Also war ich wieder mal auf der Suche nach einem Rucksack, in den die Campingausrüstung mit hinein passt. Und wenn er dann noch etwas leichter ist, als mein alter Deuter, könnte dies das Mehrgewicht, was das Zelt und die Isomatte verursacht, etwas ausgleichen. Und so klickte ich mich durch die Outdoor – Shops auf der Suche nach einem leichten 50 Liter – Rucksack.

Fündig geworden bin ich bei Decathlon. Die Filiale in Dessau ist nicht so weit weg von unserem Wohnort und so fuhr ich am letzten Freitag zur „Anprobe“ dort hin. Der Forclaz 50 Ultralight, den ich schon vorher ins Auge gefasst hatte, ist es dann letztendlich geworden. Trotz des größeren Fassungsvermögens von 10 Liter, ist er fast 400g leichter als mein alter Rucksack und er macht preislich wie qualitativ eine gute Figur. Das Material erscheint einem zunächst recht dünn. Aber bei näherer Untersuchung merkt man schon, dass es äußerst reißfest ist. Auf der Seite des Shops sind durchweg positive Rezensionen zu lesen. Der Hersteller vergibt auch sicher nicht leichtfertig 10 Jahre Garantie. Und so war ich eigentlich schon im Vorhinein davon überzeugt, keinen Fehlkauf zu tätigen.

der neue Rucksack

der neue Rucksack

Für mich etwas gewöhnungsbedürftig ist die Farbe. Dieses leuchtende Orange ist schon sehr auffällig. Ein berühmter deutscher Entertainer hat im Buch über seinen Jakobsweg jedoch dem Umstand etwas positives abgerungen, mit solch einem Signalrucksack durch die Gegend zu tappen: Sollte man mal gesucht werden, fällt dieser aus großer Höhe sofort im Gelände auf und man wird schneller gefunden, wenn man vom Gewicht seines Rucksacks überwältigt, bewusstlos auf dem Boden liegt. Und so sehe ich mittlerweile auch positive Aspekte in der auffälligen Farbgebung. Woran ich mich aber sicher erst gewöhnen muss, ist das spartanisch anmutende Rückenpolster. Vom Deuter bin ich das Netz – bespannte Tragegestell gewohnt. Das verhinderte fast immer wirkungsvoll einen schweißnassen Rücken. Das wird sich wohl nun leider ändern. Denn der Forclaz liegt fast direkt am Rücken an. Nur ein paar Mesch – bespannte Polster sorgen für etwas Durchzug – sicher sehr ungenügend. Aber wenn man einen sehr leichten Rucksack haben will, muss man hier und da Abstriche machen. Er ist wegen seiner Instabilität auch etwas schwieriger zu packen. Einen halben Tag verbrachte ich damit, das Optimum zu finden. Und das besteht zunächst darin, alles so einzupacken, dass man es nicht spürt am Rücken. Im ungünstigsten Fall drückt die Ausrüstung nämlich durch die Rucksackhülle aufs Kreuz, was auf Dauer sicher sehr nervt bzw. sogar schmerzt – muss ja nicht sein.

Front- und Toplader - sehr praktisch

Front- und Toplader – sehr praktisch

Die gesamte Hülle ist Bauart – bedingt nicht sehr formstabil und beult nach allen Regeln der Kunst aus, wenn man nicht richtig packt. Es sieht nicht nur unschön aus, wenn man so eine unförmige Blase auf dem Rücken hat, es trägt sich auch nicht gut. Das sind alles Eigenschaften, um die ich mich beim Deuter kaum kümmern musste. Inzwischen glaube ich aber, dass ich die optimale Variante gefunden habe. Das Zelt (ca. 50 cm lang) kommt senkrecht in die Mitte. So wird das Ganze schon mal in der Länge stabilisiert und der Schwerpunkt recht günstig in Rückennähe ins Gleichgewicht gebracht. Rechts und links daneben werden dann „Würste“ geformt, aus der Luftmatratze mit Flickzeug, der Alumatte, dem Schlafsack, dem Seideninlett,  dem gefüllten Kompressionsbeutel (Unterwäsche, Ersatzhose, Ersatzhemd, T-Shirt und Socken), dem Fleece – Pullover, der Regenjacke, den Sandalen, dem Poncho, dem Handtuch und dem Waschzeug, womiz ich nu auch grob den Inhalt aufgezählt habe. Wenn man das alles gleichmäßig nach Form und Gewicht verteilt, bekommt der Rucksack eine vernünftiges Aussehen und eine optimale Gewichtsverteilung. Der Reißverschluss an der Frontseite erleichtert das Packen sehr. Man kann ihn dadurch wie eine Reisetasche packen. Von Oben wäre das viel schwieriger. Ins Deckelfach kommt dann nur noch die Regenhülle (vom Deuter, da beim Forclaz nicht im Lieferumfang – er soll aber sehr wasserdicht sein) und der Zip – Beutel mit dem Erste Hilfe – Set. Der Rucksack hat nun auch noch zwei geräumige Seitentaschen, die zu füllen sind. In der einen verschwindet die Trinkflasche (0,75 l Plastikflasche mit Keramik – Isolation) mit dem Trinkschlauch, welcher am Schulterträger nach vorn geführt wird. Und in der anderen Seite steckt die Elektronik (Akkus, Ladegeräte, Speicherkarten), bzw. Messer, Trinkbecher, Schreibzeug und Pilgerausweis. Draußen baumeln nur die Trekkingstöcke dran.

der gesamte Inhalt

der gesamte Inhalt

 

Eine Packliste mit minutiösen Gewichtsangaben der einzelnen Sachen, wie es einige machen, habe ich noch nie gefertigt. Ich entscheide nach Erfahrung und aus dem Bauch heraus, was rein darf ins Gepäck und was zu Hause bleiben muss. Nur wenn ich zwei Sachen habe, die den gleichen Zweck erfüllen könnten, bemühe ich die Küchenwaage als Entscheidungshilfe. Erst wenn mir danach das Gesamtgewicht nicht gefällt, fange ich an, mittels der Waage zu optimieren. Da wandert so mancher Luxus, den man glaubte ganz dringend zu brauchen, wieder zurück in den Karton. Die hier weiter oben aufgeschriebene Packliste klingt auch erst mal nach „sehr umfangreich“ und das sah auf dem Fußboden auch alles nach „sehr umfangreich“ aus. Aber der neue Rucksack ist ein Raumwunder. „Mann, was da alles rein geht! So groß sieht der doch gar nicht aus. Und noch so viel Luft!“ waren meine Gedanken. Da muss ich mich zusammenreißen, dass nicht unnützes Zeug rein wandert, dessen Gewicht ich später mit Sicherheit bereuen werde. Und so stellte ich den fertig gepackten Rucksack voller Spannung zum ersten Mal auf die Waage. Ich rechnete wegen der Campingausrüstung mit einem deutlich höheren Gewicht als auf unseren bisherigen Wegen – so etwa 12 kg hatte ich geschätzt. Doch weit gefehlt, ich traute meinen Augen kaum und wog gleich noch mal, da ich dachte die Waage hat ne Macke. Doch auch beim zweiten Mal standen da 8 kg auf dem Display. Nun gut, etwa 1,5 kg kommen dann noch für Wasser und Proviant hinzu. Aber insgesamt bin ich mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Auf dem Rücken fühlt es sich zwar erst mal ungewohnt aber doch recht angenehm an. Der Beckengurt (bei mir Bauchgurt :D) funktioniert denke ich sogar besser als beim Deuter. Ich habe den Eindruck, dass die Last besser auf dem Beckengurt liegt. Ein paar Probe – Meter durch das Haus und den Garten verliefen schon mal recht vielversprechend. Seine Feuertaufe bekommt der gepackte Rucksack auf der morgen stattfindenden 7 – Seen Wanderung im Süden von Leipzig. Schon zum dritten Mal nehmen wir hier teil. Wir werden  die 24 km Midnight – Tour machen, die am Samstag Morgen um 1 Uhr startet. Und nach dem Ausschlafen optimieren wir dann Andrea´s Rucksack.

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